Klöckner-Werke AG
Werk Hagen- Haspe 
Eisen- und Stahlwerke

300 französische und 917 sowjetische Kriegsgefangene
96 Belgier, 480 Franzosen, 1 Grieche, 85 Holländer, 282 Italiener, 
301 Polen, 456 "Russen", 250 Tschechoslowaken

Quelle: Statistik über diejenigen ausländischen zivilen Arbeitskräfte, die in der Zeit vom 03.09.1939 - 08.05.1945 im Stadtgebiet Hagen untergebracht waren, erstellt von der Stadtverwaltung Hagen im Auftrag der Alliierten Militärregierung und des International Tracing Service; StadtA Hagen, Bestand Hagen, Akte I und II

Dokumentation

Klöckner-Werke Hagen-Haspe (StadtA Hagen)Die Stahl- und Eisenwerke des Klöckner-Konzerns in Hagen-Haspe, die "Hasper Hütte", setzten ab Sommer 1940 französische Kriegsgefangene ein. Bereits am 10. Juli 1940 schloss die Betriebsleitung mit dem Stalag VI / A in Hemer einen Vertrag bezüglich der Überlassung von 100 französischen Kriegsgefangenen. Im Kriegsverlauf wurden in den Klöcknerwerken darüber hinaus in grosser Zahl auch sowjetische Kriegsgefangene, "Ostarbeiter" und - ab Herbst 1943 - "Italienische Militärinternierte" beschäftigt. 1942 waren die kriegsgefangenen Franzosen im Walzwerk sowie am Hochofen und im Martinswerk eingesetzt. Die sowjetischen Kriegsgefangenen arbeiteten an der Schlackenmühle und im Blechwalzwerk.

Wahrscheinlich bereits 1940 wurde auf dem Werksgelände ein Lager für Strafgefangene und Untersuchungshäftlinge angelegt. In diesem Lager waren Gefangene aus der Straf- und Untersuchungshaftanstalt Hagen untergebracht, die im Werk als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. 

In der Eichenkampstrasse entstand im Spätsommer 1943 ein "Erweitertes Polizeigefängnis" sowie ein Straflager für "Ostarbeiter" in der Rolandstrasse. Die dort inhaftierten Personen waren Misshandlungen und Repressalien von seiten des Wachpersonals und des Lagerführers, einem Gestapo-Mitarbeiter, ausgesetzt. Von Oktober 1944 bis April 1945 diente das "Erweitere Polizeigefängnis" auch als Haftstätte für "jüdische Mischlinge", die dort unter unerträglichen Haftbedingungen untergebracht waren.

Gegen Kriegsende wurden zahlreiche Gefangene des "Erweitereten Polizeigefängnisses" und des Straflagers von der Gestapo und dem Wachpersonal bei "Fluchtversuchen" oder aufgrund von Befehlen der Gestapo-Aussenstelle Hagen ermordet. Im Juli 1952 eröffnete das Hagener Schwurgericht einen Prozess gegen insgesamt zwölf frühere Mitglieder der Gestapo-Ausstenstelle Hagen sowie des Wachpersonals, darunter der Leiter des Straflagers sowie der letzte Chef der Hagener Gestapo. 

Obgleich die Beweisaufnahme zahlreiche Belege für Misshandlungen und Ermordungen feststellen konnte, endete der Prozess mit dem Freispruch von elf der zwölf Angeklagten, lediglich der Lagerleiter erhielt eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten. Dieses Strafmass wurde jedoch wenig später vom Bundesgerichtshof aufgehoben und eine neuer Prozess angesetzt, der im Dezember 1955 begann. In diesem Verfahren wurde der Lagerleiter und auch der Gestapo-Chef freigesprochen.

siehe auch Arbeitserziehunglager / Erweitertes Polizeigefängnis

Quellen

Vertrag zwischen Klöckner-Werke AG und STALAG VI / A v. 10.7.1940 betr. Überlassung von 100 französischen Kriegsgefangenen, abgedruckt bei: Rainer Stöcker; Tatort Hagen 1933-1945. Geschichte der Hagener Arbeiterbewegung, Bd. II, Essen 1993, S. 210f. 

Westfalenpost, Ausgabe Hagen, 2.7., 3.7., 5.7., 8.7., 9.7., 12.7., 16.7., 19.7.

Staatsarchiv Münster, PolPräs Hagen, Nr. 46: Feststellung der aufgrund von NS-Befehlen in den letzten Kriegstagen erschossenen und in Bombentrichtern aufgefundenen Personen

Statistik über diejenigen ausländischen zivilen Arbeitskräfte, die in der Zeit vom 03.09.1939 - 08.05.1945 im Stadtgebiet Hagen untergebracht waren, erstellt von der Stadtverwaltung Hagen im Auftrag der Alliierten Militärregierung und des International Tracing Service; StadtA Hagen, Bestand Hagen, Akte I und II

Aufzeichnungen über Personen in Arbeitslagern in Hagen im Zeitraum 2. Weltkrieg, erstellt von der Stadtverwaltung Hagen im Auftrag der Alliierten Militärregierung und des International Tracing Service; StadtA Hagen, Bestand Hagen, Akte I und II

Justiz und Verbrechen: Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966. Bearb. im Seminarium voor Strafrecht en Strafrechtspleging Van Hamel der Universiteit van Amsterdam, 22 Bde., Amsterdam 1968-198, hier Bd. X, S. 5ff. [Urteil des LG Hagen v. 18.7.1952, 11 Ks 2/51]

Literatur

BOCKERMANN, Dirk: Fremdarbeiter und Kriegsgefangenen. Unmenschliche Schicksale auf der Hasper Hütte, in: Bockermann, Dirk (Hg.); Hasper Gold. Ein Lesebuch zur Geschichte der Hasper Hütte, Hagen 1997, hier S. 107 - 116

LOTFI, Gabriele: KZ der Gestapo. Arbeitserziehungslager im Dritten Reich. München 2000, hier S. 241, 245f., 248f., 256, 292 u. 305

Bearbeitet von Ralf Blank

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