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Auf den Spuren des Bordschtzen im Lancaster-Bomber.


Neffe des Fliegers besuchte das Museum fr Ur- und Frhgeschichte Wasserschloss Werdringen.




In der Nacht des 20./21. Februar 1945, gegen 1.15 Uhr strzte ein viermotoriger Lancaster-Bomber der Royal Air Force in den Hagener Stadtwald. Die Maschine war mit ihrer siebenkpfigen Besatzung auf dem Zielanflug auf Dortmund. Deutsche Nachtjger griffen den ber 500 Maschinen umfassenden Angriffsverband an. Mehr als 15 Lancaster-Bomber wurden abgeschossen, davon schlugen mindesten drei Maschinen auf Hagener Stadtgebiet auf.

Im Jahre 2006 lokalisierte Horst Kltzer (70), ehrenamtlicher Mitarbeiter des Historischen Centrums Hagen, die Absturzstellen von zwei Lancaster-Bomber. Die Entdeckung hatte umfangreiche archologische Untersuchungen und historische Recherchen zur Folge, die noch immer auf ein berregionales Medienecho stoen.



Aktuell sind im Museum fr Ur- und Frhgeschichte Werdringen in Hagen und in der im LWL-Landesmuseum fr Archologie in Herne laufenden nordrhein-westflischen Landesausstellung Fundgeschichten sind zahlreiche Fundstcke von der Absturzstelle des Bombers zu sehen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe widmete dem Bomberabsturz in Hagen sowie den Recherchen sogar einen eigenen Film fr die Landesausstellung.

Film zum Bomberfund in Hagen

Da es sich um Bodendenkmler handelt, sind private Suchgnge und der Einsatz von Metallsonden verboten und werden strafrechtlich verfolgt. So hatte ein Sondengnger Funde von der Lancaster in einem Online-Aktionshaus angeboten. Was er nicht wusste die Polizei bot mit und er konnte schlielich zur Rechenschaft gezogen werden.




Henry Gage, um 1944

ber das Internet kamen Horst Kltzer und Keith Sampson, wohnhaft bei Leeds in der englischen Grafschaft Yorkshire, in Kontakt. Der 49-jhrige Sampson ist ein Neffe von Henry Gage (*1923, 1982) aus Bristol im Sdwesten Englands. Sergeant Gage gehrte zur Crew des im Hagener Stadtwald abgestrzten Lancaster-Bombers. Seine Aufgabe war es, als Heckschtze in der hinteren Bordwaffenkanzel der Maschine die rckwrtige Verteidigung zu bernehmen. Gage hatte groes Glck und berlebte mit zwei weiteren Kameraden in den frhen Morgenstunden des 21. Februar 1945 den Absturz, vier Besatzungsmitglieder fanden den Tod.

Henry Gage ergriff die Flucht, doch in Hohenlimburg musste er einsehen, dass er keine Chance hatte und stellte sich daraufhin der dortigen Polizei. ber das Polizeigefngnis Dortmund fhrte seine Gefangenschaft nach Oberursel in das Vernehmungszentrum der Luftwaffe und schlielich in die Kriegsgefangenenlager bei Nrnberg und Moosburg, wo er Ende April 1945 durch Truppen der 3. US-Army befreit wurde. Whrend der Gefangenschaft fhrte er ein Tagebuch, das im Besitz seiner Tochter erhalten geblieben ist.








Keith Sampson (Mitte), Martin Davies (links) und Horst Kltzer im Wasserschloss Werdringen, 6.7.2011


Keith Sampson hatte sich schon frh fr das Schicksal seines Onkels Henry interessiert. Er recherierte ber sein Leben sowie ber seine Dienstzeit im britischen Bomber Command. Im Internet stie er dann auf die Untersuchung der Absturzstelle in Hagen, ber die auch das Nachrichtenmagzin Der Spiegel berichtet hatte. Die detaillierten Untersuchungsergebnisse des Historischen Centrums Hagen ermglichten ihm eine rasche Identifizierung der Absturzstelle: Hier wurden die Trmmer der Maschine gefunden, zu deren Crew sein Onkel gehrte.

Am 6. Juli 2011 besuchte Keith Sampson, der von seinem Freund Martin Davies (45) begleitet wurde, das Museum fr Ur- und Frhgeschichte Wasserschloss Werdringen, um sich ber die Funde aus dem Bomber zu informieren. In einer Vitrine mit Neufunden aus der Region sind auch mehrere Teile der Lancaster ausgestellt. Darunter befinden sich ein Bordfeuerlscher und eine Morsetaste. Nach dem Museumsbesuch lie sich Keith Sampson die Absturzstelle zeigen. Im Gelnde sind noch heute Trichter und Einschlagkrater zu sehen. In mehreren Grabungen haben die LWL-Archologie fr Westfalen und das Historische Centrum Hagen grndlich untersucht und zahlreiche Funde geborgen, die Dutzende Kisten und Regale fllen.

Keith Sampson und sein Freund Martin Davies waren tief beeindruckt von den Fundstcken, der Absturzstelle und den Erkenntnissen der Archologen und Historikern in Hagen. Eine Reise, die nicht nur von England nach Deutschland fhrte, sondern auch seine Familiengeschichte berhrte. Es war eigentlich nur Glck, dass sein Onkel den Absturz und den Krieg berlebt hatte. Ihm htte es ergehen knnten wie dem Sergant Thomas D. Scoot, der im Mrz 1945 ber Hagen aus seiner von der Flugabwehr beschdigten Maschine mit dem Fallschirm abgesprungen war und einige Wochen spter durch die Geheime Staatspolizei in einem Bombenkrater ermordet wurde.

Ein ungewhnliches Fundstck ist eine Fliegeruhr der schweizer Firma Mido. Sie wurde beim Absturz des Bombers durch Hitze und Feuer beschdigt. In das Zifferblatt hatten sich die Stunden- und Minutenzeiger eingebrannt. Ihre Spuren dokumentieren heute noch viele Jahrzehnte nach dem Absturz den Zeitpunkt des tragischen Geschehens.

Gegenstnde, die den Zeitpunkt eines historischen Ereignisses erhalten haben, sind selten berliefert. Ein bekanntes Beispiel sind einige in der japanischen Stadt Hiroshima gefunde Armbanduhren. Sie waren zum Zeitpunkt der Explosion der Atombombe am 6. August 1945, um 8.15 Uhr Ortszeit, ausgefallen. Wie bei der Fliegeruhr eines unbekannten Besatzungsmitglieds des in Hagen abgestrzten britischen Bombers blieb im Wortsinn die Zeit stehen und wurde konserviert.




Weitere Informationen ber Henry Gage und den Bomberabsturz in Hagen:

Pressemitteilung zur Entdeckung des Bomber, Dezember 2006

Absturz der Lancaster
Biografie von Henry Gage