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Museumsgeschichte


Die Fundlandschaft





Höhle bei Sundwig, Stahlstich, Carl Schlickum, 1841

Die Geschichte des Museums für Ur- und Frühgeschichte und der umfangreichen Sammlungen ist wechselvoll. Erste Nachrichten über geologische und archäologische Entdeckungen im Raum Hagen sind bereits für das 17. Jahrhundert belegt.

Im 19. Jahrhundert war die Region ein wichtiges Fund- und Forschungsgebiet für Geologen und "Vorgeschichtler". In den zahlreichen Höhlen, bei Bauarbeiten und bei dem Ausbau von Straßen und der Eisenbahn traten immer wieder Fossilien und prähistorische Funde zu Tage.

Die große Anzahl von Bodenfunden, mehrere Ausgrabungen in Höhlen und die Entdeckung von Fossilien in Gesteinsschichten erweckten Aufmerksamkeit. Sie ließen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hagen den Wunsch nach einem "Museum für vaterländische Altertümer" aufkommen. Doch nicht in Hagen, sondern in Altena wurde 1875 ein "Museum der Grafschaft Mark" gegründet. 1910 plante Karl Ernst Osthaus ein eigenes Geschichtsmuseum für Hagen. In diesem Museum sollten auch geologische und prähistorische Funde gezeigt werden, die im Raum Hagen gefunden wurden.



Gründung von Museen




Der Erste Weltkrieg und der frühe Tod Osthaus' 1921 beendete die Planungen für einen Ausbau des Museumswesens in Hagen. Erst 1927 und 1929 wurden in Hagen und in Hohenlimburg so gennannte Heimatmuseen gegründet. Sie enthielten private Sammelfunde und Teile des städtischen Besitzes.

Im "Dritten Reich" 1933-1945 instrumentalisierten die Nationalsozialisten das Museumswesen für ihre ideologischen und politischen Zwecke. 1938 wurde das städtische "Sauerländische Museum für Vor- und Frühgeschichte" eröffnet. Es war als überregionales Fachmuseum für das Gaugebiet vorgesehen. Die Ausstellung präsentierte unter anderem die Entwicklung der Menschheit und Kulturen - aus dem Blickwinkel der pseudowissenschaftlichen Rassenlehre der Nationalsozialisten. Hagen wurde noch 1942 - mitten im Zweiten Weltkrieg - zur "Kulturhauptstadt" des NS-Gaues Westfalen-Süd bestimmt.




Eröffnung des "Heimatmuseums" in Hohenlimburg, 1935

In der Nachbarstadt Hohenlimburg blieb das "Heimatmuseum" im Besitz des örtlichen "Vereins für Orts- und Heimatkunde". Nach dem Tod des Vereinsgründers Hermann Esser 1935 wurde der Verein vom Ortsgruppenleiter der NSDAP, Wilhelm Boecker, geleitet. Die Vereinsmitglieder hatten bereits 1932 Ausgrabungen in der Oeger Höhle und auf der Raffenburg durchgeführt. Als Kommune war die Stadt Hohenlimburg an dem Museum finanziell und räumlich beteiligt. Die erste Ausstellung wurde in der aufgelösten jüdischen Schule eingerichtet.


Museum und Forschungsstätte





Präsentation von Pfeilspitzen, 2006

Nach den gravierenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg war in Hagen die Ausstellung von archäologischen Funden nur eingeschränkt möglich. Von 1975 bis 2002 befand sich das "Hagener Vorgeschichtsmuseum" in drei kleinen Räumen auf dem Schloss Hohenlimburg.

In Hohenlimburg wurden die Reste der weitgehend zerstörten Hagener Museumssammlung und private Kollektionen mit der vorhandenen Sammlung des dortigen, 1954 in städtischen Besitz überführten "Heimatmuseums" zusammengeführt.

Erst mit der Eröffnung des Museums für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen im November 2004 verfügt die Region wieder über ein eigenes Fachmuseum, das der großen Bedeutung der umfangreichen Sammlungen gerecht wird. Zum ersten Mal können die weltweit einzigartigen Fossilien aus dem der Ziegelei in Hagen-Vorhalle an ihrem Fundort gezeigt werden.

Durch die Erforschung von geologischen und prähistorischen Funden sowie der Fundlandschaft fließen moderne Erkenntnisse und Methoden in die Museumsarbeit ein. Der Arbeitsbereich Archäologie am Historischen Centrum Hagen gewährleistet eine wissenschaftliche Fachbetreuung der Sammlungen sowie der Forschung in der Region.


Bedeutende Neufunde in Hagen





Ausgrabungen in der "Blätterhöhle", Frühjahr 2006

Durch die Entdeckung von Skelettresten steinzeitlicher Menschen in der "Blätterhöhle" in der Felsformation "Weißenstein" bei Hagen-Holthausen sowie von weiteren bemerkenswerten Neufunden hat das Museum an Bedeutung gewonnen.

Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung erlangt das Museum für Ur- und Frühgeschichte einen festen Platz in der archäologischen Wissenschaft. Die Untersuchungen der Fundlandschaft in der Region und der "Blätterhöhle" führt zu weitreichenden Erkenntnissen.

Mit eigenen Forschungsprojekten und der Mitwirkung in überregionalen Netzwerken und internationalen Kooperationen werden die klassischen Aufgaben eines Museums - Sammeln, Forschen, Ausstellen und Bewahren - umgesetzt und ergänzt.



Möchten Sie mehr erfahren? Eine ausführliche Darstellung der Geschichte des Museums für Ur- und Frühgeschichte sowie seiner Sammlung findet sich auf den folgenden vier Seiten.

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