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Stadtmuseum
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Ankndigungen

Museumsgeschichte, Teil 1


Anfnge im 19. Jahrhundert




Der Grundstock fr die geologisch-palontologische und archologische Sammlung des im November 2004 erffneten Museums fr Ur- und Frhgeschichte Wasserschloss Werdringen wurde bereits im 19. Jahrhundert gelegt.

Wichtige Impulse gingen vor allem von Karl Ernst Osthaus (*1874, +1921) aus. Er hatte bereits 1902 das "Museum Folkwang" in Hagen gegrndet, das weltweit eines der ersten Museen fr zeitgenssische Kunst war. Osthaus verfolgte jedoch weitergehende Museumsplne fr Hagen. Seine Sammlung enthielt auch zahlreiche geologische und archologische Funde. Zum Teil wurden diese Funde in der Region Hagen entdeckt.

Osthaus plante ein eigenes Geschichtsmuseum fr die Stadt Hagen. Zur Stadtgeschichte zhlte er auch in Hagen entdeckte Bodenfunde. Sein frher Tod im Jahre 1921 in Meran bedeutete das vorlufige Ende aller Planungen. Zu einem systematischen Aufbau der Museen in Hagen kam es dann erst wieder gegen Ende der 1920er Jahre. Diese Grndungsphase stand jedoch unter einem anderen ideologischen und didaktischen Vorzeichen, als die Plne von Osthaus vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.



Harkort und Hvel





Friedrich Harkort,
um 1870

In den 1930er Jahren gelangte die umfangreiche geologische Sammlung des Unternehmers, Politikers und "Heimatforschers" Friedrich Harkort (*1793. +1887) in den stdtischen Museumsbesitz. Harkorts Sammlung, die er seit Anfang des 19. Jahrhunderts zusammen getragen hatte, enthielt auch Teile der Kollektion des Geologen und Politikers Friedrich von Hvel (*1766, +1826).

Von Hvel war einer der Wegbereiter der modernen Geologie in Westfalen. Auf der Bergakademie in Freiberg/Sachsen hatte er von 1795 bis 1797 den Unterricht von Abraham Gottlob Werner (*1749, +1817) besucht. Werner gilt als der "Vater der deutschen Geologie". Bis zu Werners Tod stand Hvel mit ihm ber geologische Fragen in Kontakt. Von Hvel korrespondierte mit zahlreichen Forschern, wie Georges Cuvier (*1769, +1832) in Paris, Johann Friedrich Ludwig Hausmann (*1782, +1859) in Gttingen und Johann Jakob Nggerath in Bonn.

1805 verffentlichte Friedrich von Hvel einen Beitrag ber die Gebirgskunde in Westfalen. Sie zhlt zu den frhesten methodischen Abhandlungen ber die geologischen Verhltnisse in diesem Landesteil. 1812 wird Hvel in die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin berufen. In dem 1822 erschienenen ersten Band "Das Gebirge in Rheinland-Westphalen" von Jakob Nggerath bearbeitete von Hvel das 'mrkische Gebirge'. Grundlagen waren Beitrge, die er 1816/17 in der Zeitschrift "Hermann" verffentlicht hatte.

Als Teile seiner Mineraliensammlung und Bibliothek 1821 bei einem Grobrand auf seinem Adelsgut Herbeck zerstrt wurden, erhlt Hvel ersatzweise die Fachliteratur des mit ihm befreundeten Heinrich Friedrich Karl vom Stein als Geschenk.




Friedrich von Hvel,
um 1800

Die Geologie sollte im Leben von Friedrich von Hvel nur eine Freizeitbeschftigung darstellen. Sein Vater hatte ihn fr eine Karriere im Staatsdienst vorgesehen. Nach dem Abschluss eines Studiums der Rechte machte von Hvel Karriere im preuischen Staatsdienst. Sein begonnenes Studium der Geologie an der Bergakademie in Freiberg musste von Hvel abbrechen. Von 1797 bis 1805 war er Landrat des Kreises Wetter, dann fr drei Jahre Prdident der Kriegs- und Domnenkammer in Minden.

Die Laufbahn im Staatsdienst setzte Friedrich von Hvel mit Beginn der franzsischen Herrschaft zunchst fort. 1808 wurde er zum Prfekten des Leine-Departement in Gttingen im franzsischen Knigreich Westfalen ernannt. Kurz darauf erfolgte die Berufung zum Staatsrat in Kassel. 1810 legte von Hvel die hohen mter in der franzsischen Verwaltung nieder. Er zog sich auf seinen Wohnsitz Herbeck bei Hagen zurck. In den "Befreiungskriegen" war er ab November 1813 mageblich an der Organisation der preuischen Landwehr in der Grafschaft Mark beteiligt.

Hvel war Mitherausgeber der 1814 gegrndeten und 1819 durch die peruische Regierung verbotenen Zeitschrift "Hermann". Als fhrendes Mitglied des 1816 in Limburg gegrndeten "Literarischen Vereins der Grafschaft Mark" hielt Hvel regelmig Vortrge ber Geologie und Geschichte der Region. Nach von Hvels Tod verffentlichten Friedrich Harkort und der Theologe August Rauschenbusch 1832 in Elberfeld eine Biographie und Sammlung der hinterlassenen Schriften von Hvels.


Wichtige Entdeckungen





Griffe der drei Langschwerter vom Kaisberg

Aus dem frhen 19. Jahrhundert liegen die ersten gesicherten archologischen Funde auf dem heutigen Stadtgebiet Hagen vor. Bereits 1804 berichtete der Elseyer Stiftsprediger Johann Friedrich Mller ber einen groen Grabhgel, der von Bauern zu einem Kalkbrennofen umgebaut wurde.

Beim Bau der Chaussee zwischen Limburg und Iserlohn fanden sich in Elsey eine jungneolithische Beilklinge aus Nephrit und ein mittelneolithischer Breitkeil. Ebenfalls in Elsey wurde um 1835 ein Randleistenbeil der frhen Bronzezeit entdeckt. Um 1820 trat auf der Raffenburg bei Holthausen ein bronzezeitliches Absatzbeil zutage. Diese und andere Fundstcke aus dem frhen 19. Jahrhundert sind heute im Museum fr Ur- und Frhgeschichte zu sehen.

In der unmittelbaren Nhe des Wasserschlosses Werdringen wurde 1876 von Arbeitern beim Eisenbahnbau am Kaisberg in Vorhalle ein ungewhnlicher Fund entdeckt. Sie fanden drei bronzene Langschwerter aus der jngeren Bronzeitzeit. Die reich verzierten Schwertklingen zhlen noch heute zu den archologischen Kostbarkeiten Nordrhein-Westfalens.

Drei Jahre spter - 1879 - fanden sich bei Bauarbeiten in der Talaue der Ennepe in der damaligen Stadt Haspe eiszeitliche Ablagerungen. In Ablagerungen wurden zwei gut erhaltene, ber zwei Meter lange Stozhne entdeckt. Sie gelangten in Hagener Privatbesitz und waren bereits 1902 verschollen, als der Fundort nher untersucht wurde. Der Sanittsrat Reismann nahm 1902 an, dass es um die Stozhne eines Mammuts gehandelt habe.



Nach den Untersuchungen und Nachgrabungen (1902) von Reismann im Bereich der Fundstelle, lag der Fund in einer torfartige-moorigen Schichts. Aus heutiger Sicht waren es offenbar Sedimente aus einer eiszeitlichen Warmphase, zum Beispiel aus dem Eem-Interglazial vor etwa 120.000 Jahren. hnliche Ablagerungen sind in den Fluauen von Emscher und Lippe nachgewiesen.

Bei den Stozhnen knnte es sich auch um die berreste eines Waldelefanten gehandelt haben. Auf eventuell vorhandene Steinwerkzeuge und weiteren Knochenresten eiszeitlicher Tiere wurde bei der Auffindung anscheinend nicht geachtet. Die von Reismann nachtrglich dokumentierte Fundsituation sowie seine Beobachtungen am Fundort lassen sich gut mit hnlichen Befunden in Westfalen und im Rheinland vergleichen. Die Talaue der Ennepe bei Haspe bedarf deshalb einer genauen Beobachtung, da die beschriebene "Torfschicht" bei Bauarbeiten jederzeit wieder angeschnitten werden kann.

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