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Wasserschloss Werdringen, Teil 2


Lehen der Herren von Volmestein





Blick auf die Ruine Volmestein, Johann Caspar Huber, 1786

Werdringen gehrte zur Lehnskammer der im 12. und 13. Jahrhundert einflussreichen Edelherren von Volmestein (1134: Volmudisteini, 1323: Volmesteyne, heute: Volmarstein).

Das Adelsgeschlecht von Volmestein ist unter diesem Namen seit dem 12. Jahrhundert als Ministeriale der Klner Erzbischfe belegt. In ihrem Besitz befand sich die Burg Volmestein. Bei der Burg lag das fr den Raum Hagen zustndige Femegericht. Der Freistuhl war vor allem fr die Beglaubigung von Rechtsgeschften zustndig.

Der Burgberg mit der 1307 erstmalig erwhnten Freiheit liegt in Sichtweite des Wasserschlosses Werdringen. Volmarstein, so die heutige Schreibweise, gehrt seit 1970 zur Stadt Wetter im Ennepe-Ruhr-Kreis.



Grndung im 12. Jahrhundert





Ansicht der Ruine Syburg, um 1850 (Eduard Schulte, Hagen)

Die Burg Volmestein zhlt neben den Burgen Altena und Syburg zu den ltesten steinernen Hhenburgen in Westfalen. Sie wurde von dem Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (reg. 1100-1131) nach seinem Regierungsantritt erbaut. Ihre Funktion bestand in der Kontrolle der wichtigen Fernstrasse zwischen dem Rheinland und Westfalen. Die so genannte Klner Strasse fhrte durch das Ennepetal an Hagen vorbei und bis zur Mndung der Volme in die Ruhr.

Die um 1240 entstandene "Klner Knigschronik" Chronica regia Coloniensis (Annales maximi Colonienses) stellt die Grndung der Burg in das Jahr 1100: Friedericus archiepiscopus primus Volmestene gloriosum castrum Wistfallie fundavit. Urkundliche Nachtrichten, die sich auf die Burg Volmestein beziehen, fehlen fr das gesamte 12. Jahrhundert. Im 12. Jahrhundert bedaen die Klner Erzbischfe im mittleren Ruhrtal neben der Burg Volmestein auch die Burg Syburg (Hohensyburg).


Die Herren von Volmestein





Wappen der Herren von Volmestein. Auf dem Schild befindet sich ein rotes Kleeblatt.

Wahrscheinlich wurden die Herren von Volmestein in der ersten Hlfte des 12. Jahrhunderts mit der Burg und Herrschaft Volmestein belehnt. Ursprnglich stammt das Adelsgeschlecht wohl aus dem Raum Soest. Dort wurde es 1072 mit Henricus des Sotatio erwhnt. Schon damals waren sie Lehnstrger der Klner Erzbischfe.

Mit Heinrich I. von Volmestein wurde 1134 erstmalig ein Vertreter der Familie von Volmestein unter diesem Namen urkundlich genannt. Heinrich I. trat in den folgenden Jahren hufig als Siegelzeuge und Begleiter der Klner Erzbischfe. Aber auch in Begleitung und als Siegelzeuge der staufischen Knige und Kaiser war er zu finden. Seine Nachfolger waren im 12. und 13 Jahrhundert ebenfalls wichtige Ministeriale der Klner Erzbischfe.

Das enge Verhltnis zwischen dem erzbischflichen Lehnsherrn und seinem Ministerialen im Ruhrtal wurde zwischen 1234 und 1243 von einem Zerwrfnis getrbt. Die Herren von Volmestein beanspruchten den vollen Besitz an der Burganlagen an der Ruhr. Die Streitigkeiten wurden schlielich niedergelegt, ohne dass das Ansehen der niederadeligen Familie anscheinend Schaden nahm. Bis Anfang des 14. Jahrhunderts blieben die Herren von Volmestein ein auch berregional bedeutendes Adelsgeschlecht.

Die politische Bedeutung und der Einfluss der Familie Volmestein spiegelte sich in dem hochrangigen Heiratskreis dieser Famile wieder, der auch standeshhere Grafenhuser umfasste. Allerdings wurden die Herren von Volmestein nicht in den Grafenstand erhoben: Sie blieben Edelherren und damit formal dem Niederadel zugehrig.


Eroberung der Burg Volmestein





Blick auf die Ruine Volmestein, Stahlstich nach einer Vorlage von Carl Schlickum, 1841

In der zweiten Hlfte des 13. Jahrhunderts verschrfte sich vor dem Hintergrund der Reichspolitik auch die Lage im Rheinland und in Westfalen. Die Herren von Volmestein und ihre Burg wurden auf Seiten der Klner Erzbischfe wiederholt in militrische Konflikte verwickelt.

Als Hauptgegner Kurklns erwiesen sich die Grafen von der Mark. Sie strebten die Unabhngigkeit von den Klner Erzbischfen und Herzgen von Westfalen an. Am Ende des sechsjhrigen Erbfolgekriegs um das Herzogtum Limburg an der Maas eroberten Truppen des Grafen Eberhard I. von der Mark im Frhsommer 1288 die Burg Volmestein. Bis 1307 wurde Dietrich I. von Volmestein der Zutritt zu seinem Wohnsitz verwehrt. Nach der Rckgabe an Erzbischof Heinrich II. von Virneburg wurde die beschdigte Burg neu befestigt und an Dietrich I. zurckgegeben.



Am 21. Mai 1324 begann Graf Engelbert II. von der Mark eine zwei Monate andauernde Belagerung der Burg Volmestein. Untersttzt wurde er unter anderem von Truppen Knig Johann von Bhmen, Graf Adolf IX. von Berg, Graf Wilhelm III. von Holland-Hennegau und der Stadt Kln. Die Einnahme der Burg vollzog sich nach den Regeln der mittelalterlichen "Belagerungskunst": Zum Einsatz kamen schwere Katapultgeschtze und andere Waffen. Nach der bergabe der Burg am 25. Juli 1324 gelangte die Herrschaft Volmestein formal in den Besitz der Grafen von der Mark.

Doch erst 1381 und nach langjhrigen Streitigkeiten bertrug der Klner Erzbischhof Friedrich III. von Saarwerden dem Grafen Engelbert III. von der Markdie volle Lehnshoheit ber die Herrschaft Volmestein. Die Burg Volmestein wurde als Teil der mrkischen Herrschaft neu befestigt. Sie besa jedoch keine grere Bedeutung mehr und verfiel im 16. Jahrhundert. Mit der Burg Wetter besaen die Grafen von der Mark seit sptestens 1273 lngst eine eigene Festung in der Region.



Wichtige Lehnsherren





Burgruine Volmarstein, 1935

Ob Dietrich I. von Volmestein den Verlust seiner im Ruhrtal gelegenen Stammburg berlebt hat, ist unklar. Zum Zeitpunkt der Belagerung kmpfte er als Ritter auf der Seite des Erzbischofs am Niederrhein und soll dabei den Tod gefunden haben. Sein damals unmndiger Sohn Dietrich II. von Volmestein war mit den zwei Geschwistern zu Vormndern auf ihre Besitzungen im Mnsterland und am Hellweg gegeben worden. Nach 1324 verloren die Herren von Volmestein ihre politische Bedeutung.

Allerdings verblieb die umfangreiche Lehnskammer auch nach dem Verlust ihrer "Stammburg" bei den Herren von Volmestein: Sie blieben wichtige Lehnsherren in der Region. Allein im engeren Raum Hagen besaen sie zur Mitte des 14. Jahrhunderts immerhin mehr als 100 Lehen. Darunter befand sich auch der Adelssitz Werdringen sowie viele Gter und Hfe an Ruhr, Volme und Ennepe.

Die Familie war nach den schweren Konflikten zu Beginn des 14. Jahrhunderts und 1324 finanziell angeschlagen. 1369 verkaufte Dietrich IV. von Volmestein dem Ritter Hermann von Syberg auf Haus Busch mehrere bei Hagen gelegene Hfe, Fischrechte und eine Mhle; Gter bei Dahl und Rummenohl gelangten durch Tausch in den Besitz des Limburger Grafenhauses. 1389 heiratete Dietrich IV. von Volmestein in dritter Ehe die Grfin Elisabeth von Limburg. Zu dieser Zeit erlebte die ltere Linie der Grafen von Limburg aus dem Hause Altena-Isenberg eine letzte Bltezeit, um zu Beginn des folgenden Jahrhunderts auszusterben.

Zum Zeitpunkt der Hochzeit mit der von ihrem Adelsstand ranghheren Grfin aus dem Haus Limburg lag der Hauptwohnsitz der Familie Volmestein auf der Wasserburg Heessen bei Hamm. Die Burg war ein Lehen der Grafen von Limburg. Der aufwndige Lebensstil und die Teilnahme an zahlreichen Fehden fhrten gegen Ende des 14. Jahrhunderts schlielich zu einer berschuldung der Herren von Volmestein.

Johann, der einzige Sohn Dietrichs IV., war der letzte erbberechtigte mnnliche Vertreter der Herren von Volmestein. Nach seinem Tod zu Beginn des 15. Jahrhundert fiel der Besitz und die Volmarsteinsche Lehnskammer durch Heirat an die Herren von der Recke. Dieses niederadelige Geschlecht war seit dem 13. Jahrhundert unter anderem im Raum Kamen ansig.


Im Besitz der Herren von Dobbe




Die Herren von Volmestein belehnten andere niederadelige Familien mit Werdringen und den dazugehrigen Gtern. Im Lehnsregister der Herren von Volmestein wurde vor 1300 ein Wilhelm Dobbe im Besitz von Hofstellen in Vorhalle und Werdringen erwhnt. Wilhelm Dobbe, wahrscheinlich ein Sohn des Erstgenannten, war 1350 auch mit dem castrum Werdringen belehnt. Dieser Zweig des wohl aus dem Hellweg-Raum bei Kamen stammenden Rittergeschlechts Dobbe besa im 13. und 14. Jahrhundert greren Grundbesitz im Bereich Wetter, Herdecke und Vorhalle.

Angehrige der Familie Dobbe waren seit Anfang des 13. Jahrhunderts auch als Brger der Freien Reichsstadt Dortmund belegt. Im 14. Jahrhundert spielte die Familie eine wichtige Rolle bei den Bestrebungen der Grafen von der Mark, Einfluss auf die Dortmunder Stadtpolitik und Autonomie zu nehmen. Ein weiterer Zweig der Familie Dobbe lebte im Sptmittelalter im Vest Recklinghausen.

Der am Hellweg im Raum Kamen wohnhafte Zweig des Rittergeschlechts Dobbe starb 1378 in mnnlicher Erbfolge aus. Ihr Gterbesitz fiel an die Herren von der Recke. Der im Besitz von Werdringen befindliche Familienzweig Dobbe bestand jedoch fort. Hermann von Grter heiratete um 1460 die Erbtochter Engel von Dobbe. ber diese Heirat gelangten die Herren von Grter in den Besitz von einer Hlfte des Adelssitzes. Der andere Teil war bereits Anfang des 15. Jahrhunderts an die Herren von Ddinck gefallen.

Fortsetzung




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