VL Museen

 

Rezension

 

Rath, Gabriele: "Museen für BesucherInnen": Eine Studie.
Hrsg. Vom Büro für Kulturvermittlung und vom Institut für
Kulturwissenschaft Wien – Wien : WUV-Univ.-Verl., 1998
287 S, 54 statistische Abb., 56 Tab., brosch.
ÖS 298,-/ DM 41,-/ sFr 38,-
ISBN 3-85114-421-X

Rezensiert für VL Museen und H-Soz-u-Kult von
Karin Wiltschke-Schrotta
Abteilung Archäologische Biologie und Anthropologie
Naturhistorisches Museum Wien
karin.wiltschke@nhm-wien.ac.at

Dieses Buch stellt in bemerkenswerter Weise die Ergebnisse einer Umfrage vor bei der alle österreichischen Museen zur Teilnahme eingeladen wurden. Neben statistischen Daten über die Museen selbst wird vor allem die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit erhoben und dargestellt. Die Erhebung der Daten dieser Studie erfolgte in Form einer Fragebogenerhebung und durch 90 ExpertInneninterviews.

Die Autorin hat mit ihrem Team diese Studie in Anlehnung an internationale Untersuchungen ausgearbeitet und die vorliegenden Ergebnisse mit Ergebnissen anderer Studien eindrucksvoll verflochten.

Das Buch ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Zu Beginn werden vier sehr interessante und aufschlußreiche Beiträge internationaler Fachkollegen vorgestellt, welche die heutige Sicht der Museumspädagogik in den Ländern Großbritannien, Niederland, Deutschland und der Schweiz beleuchten. Hervorzuheben ist der Artikel von D. Anderson (GB), der die Chance der Museen in Zukunft in dem Bedürfnis der modernen Gesellschaft nach lebenslangem Lernen sieht.

Danach folgt ein ausführlicher statistischer Teil über die österreichische Museumslandschaft. Manche der Graphiken wirken – isoliert betrachtet – etwas verwirrend, das mag an der oft nicht eindeutigen Beschriftung liegen. Im erklärenden Text sind die statistischen Ergebnisse jedoch klar erläutert. Interessantestes Ergebnis dieses Abschnittes ist, daß es in jeder dritten österreichischen Gemeinde zumindest ein Museum gibt. D.h. weiters, daß es in fast ¾ aller österreichischen Orte mit weniger als 5000 Einwohner zumindest ein Museum gibt. Österreich weist in Bezug auf die Anzahl der EinwohnerInnen die höchste Museumsdichte im europäischen Vergleich auf.

In einem weiteren Abschnitt werden die Bildungsziele der einzelnen Museen vorwiegend anhand der ExpertInneninterviews dargestellt. Dieses seitenmäßig knappe Kapitel spiegelt auch die Schlußfolgerung der Autorin wider, daß die Museen auf Fragen zu den Zielen ihrer Bildungsarbeit keine klare Antwort parat haben und es anscheinend nicht selbstverständlich ist dazu Position zu beziehen.

Zur Erfassung der Bildungsangebote wird der Mangel österreichischer Museen an der Kenntnis der Besuchermotivationen und –interessen festgestellt. Auch daß die Museen in ihren pädagogischen Programmen für Familien – die einen Großteil der Besucher ausmachen – vernachlässigen, wird betont.

Das Bewußtsein, geschulte MuseumspädagogInnen bei Ausstellungstätigkeiten, Veranstaltungen und Führungsangeboten verstärkt miteinzubinden, wird hervorgehoben.

Im Abschnitt "Rahmenbedingungen der Bildungsarbeit", ergeben die statistischen Auswertungen, daß 58% aller in österreichischen Museen im Bereich der Bildungsarbeit Beschäftigten ehrenamtlich tätig sind. Bei der hohen Museumsdichte in Österreich könnten viele Museen ohne diese Mitarbeiter nicht betrieben werden. Die Autorin kommt daher zur Empfehlung, den ehrenamtlichen Mitarbeitern aber auch allen anderen Kollegen in den Museen mehr professionelle Unterstützung durch ausgebildete ExpertInnen im Bereich der Museumsarbeit zukommen zu lassen.

Diese Studie ist allen im Museumsbereich Tätigen und vor allem den in den Bildungsbereichen Verantwortlichen als Überblickslektüre zu empfehlen.


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