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Rezension

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Tilman Osterwold /Thomas Knubben (Hg.):
Emil Nolde. Ungemalte Bilder. Aquarelle 1938 bis 1945 aus der Sammlung der Nolde-Stiftung Seebüll (Katalog zur Ausstellung Städtische Galerie Altes Theater, Ravensburg, 3.10.-12.12.1999)
Ostfildern: Hatje Cantz 1999, 160 S., 106 Abb., davon 104 farb., geb., DM 39,80 /ÖS 291,- /SFr 38,80

Rezensiert von 
Elisabeth Westphal, Wien

Emil Nolde. Ungemalte Bilder: Dieses Katalogbuch, das anläßlich der Ausstellung Emil Nolde. Ungemalte Bilder, Aquarelle 1938 bis 1945 in der Städtischen Galerie Altes Theater Ravensburg (3. Oktober bis 12. Dezember 1999) herausgegeben wurde, konzentriert sich auf Noldes Schaffen während des Dritten Reiches.

Zählte Nolde (1867-1956) zu Beginn der 30er Jahre noch zu jenen wenigen zeitgenössischen Künstlern, deren Werk in den deutschen Museen repräsentativ vertreten war, so wurden 1937 im Zuge der Beschlagnahmung entarteter Kunst in deutschen Museen auch von Nolde insgesamt 1.052 Arbeiten eingezogen. 48 ausgewählte Werke Noldes wurden in der Ausstellung Entartete Kunst 1937 in München gezeigt und verspottet. Weitere Schikanen folgten, bis Nolde letztendlich im August 1941 aufgefordert wurde, seine künstlerische Tätigkeit auf dem Gebiet der bildenden Kunst sofort einzustellen. 

Diesen Umständen zufolge veränderte sich Noldes künstlerisches Schaffen. Seine äußere Isolation bedingte den persönlichen Rückzug des Malers. Während der folgenden Kriegsjahre entstanden die Ungemalten Bilder, kleine Aquarelle auf Japanpapier, die der Künstler wegen der politischen und wirtschaftlichen Situation nicht in großformatiger Ausführung anfertigen konnte. Ungemalt deshalb, da die Bilder offiziell wegen des über ihn verhängten Malverbots nie hätten angefertigt werden dürfen und da viele dieser später in wirkliche Gemälde umgesetzt werden sollten. Die Motive suchte Nolde in seiner visionären Erinnerung, dem Traumhaften und Phantastischen. Ungefähr die Hälfte der zwischen 1945 und 1956 angefertigten Ölbilder greifen in ihren Sujets auf die Ungemalten Bilder zurück.

Von diesen mehr als 1.300 Blättern sind 104 Aquarelle ausgewählt und in guter Qualität in Hatje Cantz´ Kunstband reproduziert worden. Die meisten Bilder zeigen Personengruppen oder Portraits; nur ein geringer Teil (ungefähr ein Fünftel) zeigt die Natur als eigenständiges Thema. Die getroffene Bildauswahl spiegelt den Zyklus en gros wider; auch dort stellt die Natur einen besonderen, aber nicht sehr umfangreichen Komplex dar.

Der Bildband wird durch einige Aufsätze komplementiert. Die Verfasser stellen Nolde, seine politisch-künstlerischen Ansichten und seine Ungemalten Bilder in einen größeren Zusammenhang und liefern für den interessierten Kunstliebhaber einige aufschlußreiche Perspektiven.


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