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Rezension

 

Compania Media (Hg.):
Neue Medien in Museen und Ausstellungen.
Einsatz - Beratung - Produktion. Ein Praxis-Handbuch
transcript Verlag Bielefeld 1998, 516 S.
ISBN 3-933127-00-9

Rezensiert von
Gernot Wersig,
Freie Universität Berlin,
Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft

 

Die "neuen Medien" sind eine Herausforderung für Museums- und Austellungsmacher aus mehreren Gründen: Die Neuartigkeit der Möglichkeiten der Technologien ist für alle Anwendungsbereiche beispiellos; Museen sind objekt- und raumzentriert, die neuen Präsentationstechnologien hingegen ermöglichen immaterielle Repräsentationen; neue Präsentationstechnologien sind nicht Bestandteil traditioneller musealer Kompetenzen. Ein "Praxis-Handbuch" wäre höchst willkommen und es ist dem Verlag und der Siemens-Kulturförderung zu verdanken, daß hier ein erster Anlauf unternommen wird.

Dieser ist einigermaßen unkonventionell - nur eine grobe Systematik; Interviews und kurze Berichte anstelle grundlegend ordnender Beiträge; Beispiele, die häufig mehr aus der Verfügbarkeit als der unbestreitbaren Beispielhaftigkeit abgeleitet sind. Aber so ist die Situation - alles ist im Fluß, noch läßt sich nicht viel schlüssig ordnen.

Nach einem einleitenden Interview mit Bernhard Graf vom Institut für Museumskunde gliedert sich das Buch in die drei Anwendungsbereiche:

Besucherinformationssysteme mit Anwendungsbeispielen (etwa Wassermuseum, Deutsches Museum Bonn, Hamburger Kunsthalle, HdG, HNF, Neanderthal, Historisches Museum Bielefeld, Zeppelin Museum) und einem Kurzartikel eines Systemdesigners.

CD-ROM mit Darstellungen ausgewählter Beispiele überwiegend zu Ausstellungen aber auch zu Sammlungsobjekten (wie 100 Masterpieces, DISKUS) und einem Meinungsbeitrag zur hier besonders brisanten rechtlichen Problematik.

Internet mit einem Interview mit Wolfgang Röhrig vom DHM, Beispielen von Web-Sites (DB Nürnberg, DHM, Hygiene-Museum, Salzmuseum, Hamburger Kunsthalle, Herzog Anton Ulrich-Museum, Hessisches LM, Kölner Museen, KaH Bonn, Ludwigforum, Senckenberg, Roscheider Hof), Aufstellungen von Museumslisten, Mailinglisten.

Die Auswahl der Beispiele ist auf der Basis 1998 angemessen und anregend, die den einzelnen Technologien zugeordneten Texte sind zwar interessant, aber nicht längerfristig als Handbuchkomponenten tragend. Allerdings verdeutlichen die Beispiele auch in ihrer Mehrzahl, daß die Anwendung der neuen Medien im Museums- und Ausstellungswesen tatsächlich erst ganz am Anfang steht. Noch findet sich viel konzeptionelle Hilflosigkeit und handwerkliche Unbeholfenheit.

Fast die Hälfte des Bandes macht ein Einrichtungs- und Branchenführer aus zu Informations- (43 Einträge) , Beratungs- (22 Einträge) und Produktionseinrichtungen (ca. 83 Einträge). Hier finden sich nicht nur die Namen, die man kennt, sondern dazu auch eine Fülle von einschlägigen Informationen über die Tätigkeitsspektren der verschiedenen Einrichtungen. Komplettiert wird der Band durch Glossar, einige Register zu den Einrichtungen und einige Literaturhinweise. Ein Gesamtregister würde dem Band für denjenigen, der gezielt etwas sucht, gut tun, ebenfalls ein geographischer Zugang, weil sich Fragestellungen, die den Kontakt mit Einrichtungen der Praxis erfordern, häufig doch in bestimmten regionalen Bereichen orientieren wollen.

Daß bei einem Buch mit über 500 Seiten und z.T. sehr detaillierten Daten zu etwa 200 Einrichtungen heute Adressen, Nummern und URL´s nicht mehr stimmen, läßt sich wohl nicht vermeiden und tut dem Unternehmen keinen Abbruch, daß sich in einigen Fällen Schreibfehler in URL´s geschlichen haben, sollte in späteren Auflagen korrigiert werden (man wird wohl in der letzten Phase des Satzes doch noch einem Abgleich vornehmen müssen).

Das "Praxis-Handbuch" ist zweierlei: Eine Beispielsammlung für diejenigen, die sich in die Museumsanwendungen hineinbewegen wollen, und eine Übersicht über die institutionelle Kompetenz, die ggfs. in Anspruch genommen werden kann, wenn man an praktische Anwendungen geht. Das setzt allerdings voraus, daß man die zur Diskussion stehenden Technologien bereits relativ gut kennt, ein Einsteigerhandbuch für lediglich Interessierte ist es nicht. Jeder, der einigermaßen professionell mit Anwendungen der "neuen Medien" zu tun hat, sollte das Buch zu seinen Nachschlagewerken hinzufügen und das bald, damit sich eine Neuauflage lohnt, die dann vielleicht auch in den textuellen Passagen etwas mehr Substanz in der Erfahrungszusammenfassung und -weitergabe aufweist, als dies vor etwa zwei Jahren möglich war.


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Dokument erstellt am 15.9.1999