VL Museen

-

Rezension

-

Stefan Brüggerhoff, Ruth Tschäpe (Hg.):
Qualitätsmanagement im Museum?! Qualitätssicherung im Spannungsfeld zwischen Regelwerk und Kreativität - Europäische Entwicklungen
Bielefeld: transcript Verlag 2001, 234 S., brosch., DM 42,60 /ÖS 310,- /SFr 39,-; ab 1.1.2002: EUR (D) 21,80

Rezensiert von
Gernot Wersig, FU Berlin, Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft
E-Mail: wersig@zedat.fu-berlin.de 

Qualitätsmanagement meint im engeren Sinne Zertifizierung der Einhaltung kontinuierlicher Standards bei der Herstellung von Produkten und ist durch den ISO-Standard 9000 (auch als DIN) geregelt, daran schließen sich Standards an, die auch Dienstleistungsunternehmen einbeziehen. Im weiteren Sinne ist damit Total Quality Management (TQM) angesprochen, das auch eine Reihe allgemeiner Konzepte und Verfahren einschließt, die für gleichbleibende definierte kundenorientierte Qualität sorgen sollen. Auch wenn umstritten ist, in welchem Maße Normen aus dem Produktionsbereich für öffentliche Dienstleistungen übertragen oder angewendet werden können, ist das Ziel, auch für diese Aufgaben „Kundenorientierung“ und Qualitätsbewußtsein durch kontrollierte Selbst- oder Fremdevaluation nachzuweisen, aus Kunden- und Trägersicht zu begrüßen.

Das Deutsche Bergbau-Museum hat mit der gleichnamigen Tagung am 28. September 1999 einen Vorstoß zur Exploration dieser Frage im Museumsbereich unternommen. Hintergrund ist, dass das Museum als Blaue Liste-Einrichtung einer externen Evaluation unterzogen wurde, darüber hinaus engagiert sich sein Träger sehr für die Anwendung von ISO 9000ff im Bildungsbereich. Der vorliegende Band ist eine „Publikation zu“ dieser Veranstaltung.

Das Feld ist natürlich sehr viel breiter und beginnt etwa im Beitrag von Rainer Hofmann mit der Frage, wo denn eigentlich ein „Museum“ anfängt. Es werden zunächst eine Reihe von einschlägigen Aktivitäten aus Europa vorgestellt: Vereinigtes Königreich (Museumsregisterierungs-Programm, Southhampton Museums and Art Gallery), Niederlande (Museumsregistrierung, ISO 9000 im Nationalmuseum für Völkerkunde Leiden, Akkreditierungsverfahren), Flandern (neue flämische Museumspolitik), Österreich (Kärntner Museumsgütesiegel), Lettland (Akkreditierung). Dann folgen Erfahrungen aus Deutschland: Rolle öffentlicher Beratungseinrichtungen bei der Erarbeitung von Standards für die Museumsarbeit, Qualitätsmanagement im Deutschen Museum (Ausstellungsrealisierung), im Haus der Geschichte (Organisationsabläufe), im Deutschen Bergbau-Museum (EDV-unterstütztes System), bei den Kulturbetrieben Dortmund (Steuerungsmodell für die kommunale Verwaltung). Abschließend berichten Axel Ermert und Monika Hagedorn-Saupe vom Institut für Museumskunde über den allgemeinen Zusammenhang von Qualitätsmanagement und Museumsdokumentation.

Alle Beiträge zeichnen insgesamt ein recht breites Bild: Auf nationaler Ebene geht es darum, Standards zu definieren und Verfahren für ihre Anwendung zu finden, die gewissermaßen eine Basisdefinition von „Museum“ im jeweiligen Land ermöglichen (Registrierung, Akkreditierung), die sich nicht von der selbstgesehenen oder fremdfestegestellten Aufgabenstellung ableitet, sondern von der Qualität der kontinuierlich durchgeführten Arbeit, an der sich das Vertrauen von Benutzern festmachen kann. Das kann führen bis zur Verleihung von Gütesiegeln, die ja in vielen Bereichen ein probates Instrument sind. Innerhalb des Museums ist Qualitätsmanagement eine Herausforderung, die eigene Arbeit in allen Bereichen selbstkritisch zu überprüfen: Welche kontinuierlichen Abläufe gibt es (meist führt eine vorurteilslose Ablaufbeschreibung bereits zur Umgestaltung), wie kann man deren gleichbleibende Qualität sichern (Checklisten, Ablaufdokumentation, Handbücher, Aufgabenkataloge), wie kann man interne oder externe Produkte und Dienstleistungen qualitätsmäßig definieren und bewerten?

Diese Fragen werden unvermeidlich auf die Museen zukommen, und dieser Band ist eine gute Materialsammlung, die insbesondere die Breite des Gebiets verdeutlicht. Wie allerdings bei vielen Arbeiten zum TQM bleibt die „Kundenorientierung“ auch hier zwar als Hintergrundziel erhalten, macht sich aber im Konkreten wenig bemerkbar. Diese Spur muß in Zukunft stärker verfolgt werden: Was macht die Qualität eines Museums für seine Besucher aus?


© VL Museen
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 2.10.2001