VL Museen

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Rezension

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Humboldt Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hg.):
Alexander von Humboldt: Netzwerke des Wissens
(=Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt, Berlin,
6.6.-15.8.1999, und in der Kunst- und Ausstellungshalle der
Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 15.9.1999-9.1.2000)

Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 1999. 240 S., 200 Abb., davon 127 farbig, gebunden

Rezensiert von
Liliane Weissberg
University of Pennsylvania

Rezension der Ausstellung in der VL Museen
http://www.hco.hagen.de/museen/aus-rez/gonsior99-1.htm

Die Ausstellung "Alexander von Humboldt: Netzwerke des Wissens" wurde 1999 im Haus der Kulturen in Berlin und anschließend in der Bundesausstellungshalle in Bonn gezeigt und von diesen Institutionen sowie dem Goethe Institut in München gefördert. Die Ausstellung feierte das 200jährige Jubiläum der ersten Lateinamerikareise Humboldts und gleichzeitig dessen Geburtstag. Ein biographischer Abriß erzählte die Lebensgeschichte des Autors und Naturforschers (1769-1859), und einzelne Räume waren seinen Reisen und Forschungsergebnissen gewidmet.

Doch die Ausstellung bot mehr als die Geschichte eines Reisenden, der die Naturforschung revolutionierte. Sie bot ein Panorama seiner Zeit - des Berlins des frühen 19. Jahrhunderts, des amerikanischen Kontinents - und der einzelnen, sich entwickelnden Disziplinen der Botanik, Geographie, Völkerkunde, Geologie. Pädagogisch ausgerichtet, zeigten die Aussteller nicht nur Bilder und Gegenstände aus dem Besitz Humboldts, sondern auch Forschungsinstrumente, die der Besucher benutzen konnte, Filme über Berlin oder Lateinamerika, Zeitungen, die auf die Aktualität der Forschungsergebnisse hinweisen sollten. Die Ausstellung war deutlich sowohl an Schüler gerichtet wie auch an interessierten Erwachsenen orientiert.

Es ist schwierig, ein solches multimediales und weitgefaßtes Konzept in einem Katalogband zu dokumentieren. Der gleichnamige Band "Alexander von Humboldt: Netzwerke des Wissens" versucht die panoramaartige Fülle des Materials zu duplizieren, indem er viele kurze Beiträge zu einzelnen Themen bietet. Die einzelnen Autoren beschäftigen sich mit dem Mythos Humboldts, den einzelnen Entdeckungsreisen, seiner Freundschaft mit Aimé Bonpland, der ihn auf seinen Reisen in Lateinamerika begleitete, Beschreibungen der Geographie und Pflanzenwelt, geologische Erkenntnisse, seine Einstellung zur bildenden Kunst, und vieles mehr. Dazu lassen Auszüge aus seinen Werken (oft in deutscher Übersetzung, denn der Autor verstand sich besser auf das Französische) Humboldt auch selbst zu Worte kommen; dies geschieht besonders im Beitrag von Frank Holl über Humboldts Reiseberichte.

Die Fülle der Beiträge und die Beschränkung des Katalogumfanges mochte zu einer ungewöhnlichen Kürze Anlaß gegeben haben. Viele der Aufsätze gehen über eine oder zwei Seiten nicht hinaus und rivalisieren somit mit den Grußworten der Förderer und Veranstalter. Nur wenige Aufsätze - Hanno Becks Beitrag zur Jugendzeit Humboldts, Otto Krätz über Humboldts Aufenthalt in Paris, Pablo Dieners Arbeit zu Humboldt und die Kunst und Christian Suckows Bericht über die Rußlandreise - sprengen diesen eng gesetzten Rahmen und geben etwas ausführlicher und bibliographisch weiterführender Auskunft. Im Ganzen jedoch ist dies kein Katalog, der das in der Ausstellung gewonnene Wissen vertieft, sondern eher photographische Schnappschüsse bietet, Gelegenheitsbilder, die eine weitere Beschäftigung mit Humboldt und seinem Werk ermöglichen sollen. Dazu ist das Buch überaus reich bebildert und enthält viele Farbaufnahmen, die vor allem die Ausstellungsexponate wiedergeben.

"Alexander von Humboldt: Netzwerke des Wissens" ist wohl kein Buch, das den Wissenschaftler befriedigen wird, oder denjenigen, der sich ernsthaft mit dem Humboldtschen Werk beschäftigen wird. Stattdessen hat der Band eher die Struktur eines Bilderbuches, das Souvenir einer Ausstellung sein möchte. So haben die Texte in ihrer Kürze einen Bildcharakter, und die Bilder überwiegen in ihrer Aussagekraft. Aber es ist nicht nur ein Souvenirbuch einer Ausstellung. Es gleicht ebenfalls Reisealben, in denen eine Sammlung von geographischen Stichen und Mementos eine Fahrt (und die geglückte Heimkehr) dokumentieren wollen.

Als ein solches Album wird das Buch nicht nur den Besuchern der Ausstellung Freude machen, sondern kann auch als Anregung für Lehrer gelten, die einen oft fremd erscheinenden Kontinent - Lateinamerika - über die Biographie eines ihrer größten Erforscher ihren Schülern vermitteln wollen.


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Dokument erstellt am 30.6.2000