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Rezension

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KulturHandbuch Berlin, hrsg. von Klaus Siebenhaar, Verlag Bostelmann & Siebenhaar, Berlin 2001, 2. erweiterte und aktualisierte Auflage, 584 Seiten, 60 s/w-Abbildungen, Hardcover, DM 68,00, ISBN 3-934 189-36-9.

Rezensiert von
Petra Weckel, Berlin

Rechtzeitig zur richtigen Jahrtausendwende erschien die ueberarbeitete Auflage des von Prof. Dr. Klaus Siebenhaar herausgegebenen Handbuchs zur Berliner Kultur. Hier stellt sich Wissenschaft von seiner praktischsten Seite dar. Siebenhaar fasst die Ergebnisse seiner Lehr- und Forschungtaetigkeit als Leiter des Instituts fuer Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule fuer Musik „Hanns Eisler“ Berlin und des Instituts fuer Kommunikationsgeschichte und angewandte Kulturwissenschaften an der Freien Universitaet Berlin zusammen und praesentiert sie dem interessierten Leser, der interessierten Leserin als uebersichtliches Nachschlagwerk mit ergaenzenden informativen Aufsaetzen. Bereits die erste Auflage vom Fruehjahr 1998 fand grosse Resonanz. In Zeiten schnellster Entwicklungen insbesondere hinsichtlich der Kultur in einer Stadt wie Berlin, erschien die baldige UEberarbeitung und Erweiterung des Handbuches als notwendig.

Wer etwas ueber Berlin als Stadt, als Metropole oder Provinz erfahren moechte, informiert sich am besten ueber ihre kulturellen Ambitionen, die historisch bedingt ausgesprochen heterogen ausfallen. So ist dieses Handbuch nicht nur ein Lexikon fuer WissenschaftlerInnen, sondern gleichermassen ein Kulturfuehrer fuer interessierte Berlin-BesucherInnen, TouristInnen ebenso wie beruflich in diese Stadt Verschlagene (oder auch Befoerderte).

In keiner deutschen Stadt ist die kulturelle Entwicklung so intensiven historischen Eingriffen ausgesetzt gewesen wie in Berlin. Berlin als Reichshauptstadt, als geteilte und wieder vereinte Stadt, als Bundeshauptstadt eines foederalen Staates und schliesslich mit einem Bundeskulturminister beglueckt: diese Entwicklung betrachtet der erste, rund hundert Seiten umfassende Teil des Handbuches. Eine umfassende Darstellung der Berliner Kulturgeschichte durch den Herausgeber eroeffnet den Reigen, dem speziellere Betrachtungen folgen. Bildende Kunst und Architektur (K. Siebenhaar), Film (S. Damm), Literatur (K. Siebenhaar), Musik (A. Kleihues) und Theater (K. Siebenhaar) werden einzeln in ihrer historischen Entwicklung aufgefaechert. Dabei zeichnen sich die einzelnen Aufsaetze durch einen hohen Aktualitaetsgrad aus. Das ist positiv zu bemerken in einer Zeit, in der Manuskripte haeufig bis zur Schimmelbildung in den Verlagen lagern. Sie bieten einen sehr anschaulichen UEberblick ueber die Entwicklungslinien, koennten jedoch gelegentlich zeitlich etwas praeziser sein.

Der Hauptteil gilt den ueber 700 Institutionen, Kultur- und Medieneinrichtungen der Stadt in ihrer historischen Entwicklung, ihrer aktuellen Situation, im kulturpolitischen Kontext und ihrer kuenstlerischen Akzentsetzung. Die neue Auflage wurde um rund 150 Artikel erweitert. Darueber hinaus umfasst der Band all jene Einrichtungen, die Gegenstand aktueller Diskussionen um den Kulturstandort Berlin sind. Damit sind auch Kulturmarkt und Kulturbetrieb in das Konzept integriert. Siebenhaar engagiert sich seit einiger Zeit fuer die OEffnung kultureller Institutionen fuer Sponsoren und Maezene, fuer die engere Zusammenarbeit von Kultur und Kommerz, zum Nutzen beider. So wundert es nicht, dass neben Highlights und Cross Culture auch die kulturellen Aktivitaeten von Hotels und Restaurants vorgestellt werden. Ganz praktisch aeussert sich dieses Engagement in der Praesenz von ganzseitigen Werbeanzeigen, die sich allerdings umfangmaessig noch in Grenzen halten.

Innerhalb des lexikalischen Teils stoesst man im alphabetischen Gefuege immer wieder auf UEberblicksartikel, die spezielle, nicht institutionell gebundene Bereiche erlaeutern. Zu folgenden mehr als 30 Stichpunkten gibt es Querschnittsartikel: Banken und Kunst, Besucherorganisationen, Bundeskulturpolitik, Fotografie, Freie Gruppen, Friedhoefe, Galerien, Hotels fuer Kunstfreunde, Jazz, Junge Kultur, Kultur in Kirchen, Kulturfeste, Kulturquartiere, Kulturzeitungen und -zeitschriften, Kunst im oeffentlichen Raum, Kunst- und Kulturaemter, Kunst- und Kulturpreise, Kunst- und Literaturcafés/-restaurants, Kunstauktionshaeuser, Kunsthochschulen, Mauer, Mode, Programmkinos, Rock/Pop, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Salons, Sammler und Maezene, Szene- und Jugendkultur, Tages- und Wochenzeitungen, Tanz, Verlage.

Das Lexikon wird fuer jeden, der mit oder fuer Kultur arbeitet, unentbehrliches Handwerkszeug durch das umfangreiche Adressregister im Anhang. UEber 200 Einrichtungen wie Bibliotheken und Archive, Foerdereinrichtungen, Medien, Programmzeitschriften und Veranstaltungskalender, Stadtrundfahrten und Fuehrungen, Tourismusinformationen, Universitaeten und Kuenstlerische Hochschulen, Verbaende und Organisationen sind hier zu finden.

Dass Kultur allzu haeufig von Zahlen und Fakten abhaengt, kann man der taeglichen Diskussion um Haushalte und Auslastungen entnehmen. Die gruendliche UEbersicht ueber die einschlaegigen Zahlen vermittelt der statistische Teil des Anhangs, der neben den Eckdaten des Berliner Kulturhaushalts auch Besucherstatistiken zu den Berliner Museen und Buehnen sowie den Bundeskulturetat umfasst.

Den Abschluss bildet das in der ersten Auflage schmerzlich vermisste Register, das dem Suchenden einen schnellen Zugriff auf die gewuenschten Informationen erschliesst. Erst das Register macht ein Handbuch zu dem effizienten Werkzeug, das es zu sein beansprucht. Mit der vorliegenden ueberarbeiteten und erweiterten Ausgabe des KulturHandbuchs hat der Verlag Bostelmann und Siebenhaar eine gewichtige Informations- und Argumentationshilfe im Streit um kulturelle Standorte und Perspektiven in der Bundeshauptstadt vorgelegt, die zum Arbeitswerkzeug eines jeden Kulturarbeiters gehoeren sollte.


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Dokument erstellt am 2.1.2001