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Rezension

 

Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford e.V. (Hg.):
Die Frau in Weiß. Die Geschichte des bürgerlichen
Brautkleids von 1800 bis heute.
Katalog zur Sonderausstellung Rheinisches Industriemuseum,
Standort Ratingen, 22.4.-5.9.1999
o.O.u.J. [Ratingen 1999], 52 S., 48 Abb., geh.

Rezensiert von
Tanja Vitte, Essen

Zu dieser Rezension siehe auch die Ausstellungsbesprechung (Stephanie Marra)

Der kleine aber feine Ausstellungskatalog bietet einen umfassenden Einblick in die kulturhistorische Entwicklung der Brautmode der letzten zwei Jahrhunderte. Die einzelnen Kapitel bauen chronologisch aufeinander auf. Das Brautkleid und die dazugehörigen Accessoires werden im Katalog nicht nur unter modischen Aspekten betrachtet. Die Brautmode ist kultureller Bedeutungsträger. Soziale, politische und gesellschaftliche Hintergründe der jeweiligen Zeit, wie beispielsweise die Rolle der Frau, religiöse und soziale Unterschiede, die Einführung der Zivilehe 1875, der erste und zweite Weltkrieg und das Verständnis von Ehe und Partnerschaft führen zu einer veränderten Brautmode in Farbe, Form, Ausstattung und Accessoires. Das Spektrum reicht hierbei vom dunklen Gesellschaftskleid zu Beginn des 19. Jahrhunderts über den knabenhaften Garçonne-Stil in den 20er Jahren bis zum bunten Hosenanzug in den 70er Jahren.

Als historische Eckpunkte der Brautmode heben die Autoren beispielsweise die Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Zeit nach dem ersten Weltkrieg und den Nationalsozialismus hervor. Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis heute wird als Befreiung von festgelegten Normen definiert. Hier werden die Strömungen und Tendenzen der einzelnen Jahrzehnte aufgezeigt.

In einem gesonderten Kapitel wird auf die symbolische Bedeutung traditioneller Gegenstände des Brautschmucks wie Schleier, Brautkranz, Brautstrauß, Ehering, Brautschuhe, Brautpfennig und Talisman eingegangen. Vor allem auf die Farbe Weiß als Symbolträger wird immer wieder hingewiesen.

Ein abschließendes Kapitel beschäftigt sich mit der Hochzeit in Filmen aus der Traumfabrik Hollywood. Die Autorin geht hierbei auf die Doppelfunktion der Hochzeit im Film ein: Befriedigung der Schaulust und Dramaturgie. Obgleich das Kapitel sehr interessante Aspekte beinhaltet, bleibt jedoch der Bezug zur Brautmode im Alltagsleben unklar. Der Katalog nimmt hier eine ungewohnte wissenschaftliche Form an.

Das Layout des Ausstellungskatalog harmoniert durch die Übereinstimmung zwischen blauer Schrift und blau gefärbten Abbildungen, wie Hochzeitsfotos, Modegrafiken, Auszüge aus Modezeitschriften und Abbildungen aus Film und Fernsehen.

Zu Beginn des Katalogs wird anschaulich der Sinn und Zusammenhang der Ausstellung im Rheinischen Industriemuseum erläutert. Zum einen hat das Museum Cromford als ehemals erste Fabrik auf dem Kontinent ein besonderes Interesse am Wandel der Lebensumstände und der industriellen und gesellschaftlichen Entwicklung. Zum anderen wird darauf hingewiesen, daß seit zwei Jahren standesamtliche Trauungen im Gartensaal der ehemaligen Textilfabrik stattfinden. Auf diese Begebenheit wird im Kapitel über die 90er Jahre, als die Zeit, in der die Hochzeit als eine Art besondere Veranstaltung für den „schönsten Tag im Leben" gefeiert wird, erneut kurz hingewiesen. Damit ist ein schöner Bogen vom kulturhistorische Anliegen über die Geschichte des Brautkleids bis zum Museum gespannt.


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Dokument erstellt am 27.10.1999