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Literaturbesprechung

Evelyn Dawid / Robert Schlesinger: Texte in Museen und Ausstellungen. Ein Praxisleitfaden. Bielefeld: Transcript-Verlag, 2002.
172 S., kart., EUR 25,80. ISBN: 3-89942-107-8

Rezensiert von:
Werner Schweibenz M.A., Universität des Saarlandes, Saarbrücken
E-Mail: w.schweibenz@mx.uni-saarland.de


Abstract:
The book gives an overview on essential questions in text design for museum exhibitions. The authors present guidelines supported by practical examples. Most of the articles offer checklists and a variety of original texts from curators and revised versions for final museum texts for labels, exhibition texts, Internet texts, and audio guides.

Mit ihrem Buch "Texte in Museen und Ausstellungen - Ein Praxisleitfaden" ist Evelyn Dawid und Dr. Robert Schlesinger eine empfehlenswerte Einführung in die Gestaltung von leserfreundlichen Museumstexten gelungen. Die Autoren, Redakteure in einem Wiener Textbüro, haben ein Buch geschrieben, das so anschaulich, gut verständlich und praxisorientiert ist, wie man es sich von einer Veröffentlichung zu diesem Thema wünscht.

Mit einem eloquenten Plädoyer für eine leserorientierte Textproduktion durch geschultes Fachpersonal leiten die Autoren ihr Buch ein. An Hand von Studien, die im deutschsprachigen Raum bisher leider nur wenig berücksichtigt wurden, zeigen sie auf, wie notwendig es ist, Museumstexte leserfreundlich zu gestalten und dass Kuratoren wegen Überlastung durch andere Aufgaben dafür selten die Zeit haben bzw. durch die Perspektive des fachlichen "Insiders" in vielen Fällen nicht dafür geeignet sind. Beispiele aus den USA, Grossbritannien und den Niederlanden zeigen, dass dort die leserfreundliche Gestaltung von Museumstexten sehr ernst genommen und erfolgreich realisiert wird.

Für die leserfreundliche Gliederung der Information in Ausstellungstexten wird ein hierarchisch strukturiertes Modell auf zwei bis fünf Ebenen eingeführt, das von Objekttexten über Bereichstexte und Saaltexte zu Abteilungstexten reicht. Ein Leitfaden fasst die Regeln kurz und anschaulich zusammen. Für Wandtexte werden 15 Regeln aufgestellt, die durch die Verständlichkeitsforschung theoretisch fundiert und praktisch handhabbar sind. Auch hier sorgt ein Leitfaden für praktische Umsetzbarkeit und zahlreiche Beispiele aus Museen zeigen, wie sich die Texte durch Anwendung der Regeln positiv verändert haben. Eine ähnliche Einführung wird für die Gestaltung von Audiotexten gegeben, für die allerdings andere Regeln gelten. Über die Gestaltungsvorschläge für Internet-Texte, die die Autoren geben, kann man jedoch geteilter Meinung sein. Dem Rezensenten erscheint die Betonung der Interaktivität als zu hoch. Neuere Untersuchungen zeigen, dass virtuelle Besucher kultureller Web-Sites sich nicht nur interaktive Gestaltung, sondern auch sorgfältig aufbereitete Inhalte wünschen.[1] Das Buch wird abgerundet durch Praxisberichte eines Ausstellungsorganisators und der Texterarbeitung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Anzumerken bleibt, dass die Titel der Beiträge manchmal etwas journalistisch-flott formuliert sind, was konservative Leser irritieren könnte. Was in dieser Ausgabe fehlt, ist eine Einführung in die praktischen Methoden der Textevaluation und -revision. Dies würde den Lesern zusätzliche Werkzeuge für die Überarbeitung der eigenen Text an die Hand geben. Insgesamt ist das Buch aber für jede/n, die/der in Museen und Ausstellungen Texte verantwortet, eine empfehlenswerte und nützliche Lektüre. Besonders hilfreich sind die zahlreichen Leitfäden und Beispiele aus der Praxis, die eine wertvolle Hilfe für die Umsetzung sind.[2]

Anmerkungen:

[1] Vgl. den Beitrag auf der Konferenz „Museums & the Web 2001”: "Less clicking, more watching"
URL: http://www.archimuse.com/mw2001/papers/vergo/vergo.html

[2] Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf der Web-Seite des Transkript-Verlags, Bielefeld.
URL: http://www.transcript-verlag.de/ts107.htm


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Dokument erstellt am 15.3.2003