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Rezension

 

Compania Media (Hg.):
Der Museumsshop. Positionen – Strategien – Sortimente. Ein Praxisführer
Bielefeld: transcript Verlag, 1999, 384 S., ca. 100 Abb., kt., DM 78,- /ÖS 569,- /SFr 71,-

Rezensiert von
Petra Schuck-Wersig,
Freie Universität Berlin, AB Informationswissenschaft
pwersig@zedat.fu-berlin.de

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Museumsshops sind die augenscheinlichsten Punkte, an denen Kultur und Kommerz im Museum zusammentreffen. Sie sind quasi die Ausstülpung desMarketingverständnisses eines Museums. An der Art und Weise, wie ein Shop geführt wird, wie er gestaltet ist, welches Angebot er bereithält, läßt sich ablesen, inwieweit sich ein Museum dem Marketinggedanken geöffnet hat, welche Zielgruppen angesprochen werden sollen, ob der Shop eher halbherzig betrieben wird, „weil es halt irgendwie dazugehört", oder ob er eingebunden ist in ein Gesamtmarketingkonzept.

Der vorliegende Praxisführer der Compania Media, der sich an Museumsmitarbeiter, Shopbetreiber, Produzenten, Bildungsinstitutionen und Museumsinteressierte richtet, will zum einen konkrete Handlungsspielräume ausloten, zum anderen detaillierte Informationen zu Produzenten und Anbietern im Dienstleistungssektor „Museumsshop" liefern. Der erste Teil mit ca. 120 Seiten steht unter der Überschrift „‘Shoppen im Museum?‘ Positionen und Strategien". Er beleuchtet in 16 Beiträgen den gegenwärtigen Diskussionsstand zu Museumsshops in Deutschland (Hanno Rauterberg, Harald Siebenmorgen), die strukturelle Einbindung solcher Shops in den Museumsbetrieb (Mario Leupold), rechtliche Implikationen auch in Bezug auf das Internet ( Walter Scheuerl), Herausforderungen und Problemfelder im Vergleich zum Einzelhandel (Alexander Fietz) sowie in Bezug auf den Produzenten (Jörg Inter). Darüber hinaus behandelt er Besonderheiten des vereinsbetriebenen Museumsshops (Hans-Jürgen Brockmeyer), stellt die Museumshop Association Europe, ein länderübergreifendes Netzwerk vor (Henning Schaper) sowie eine neue Internationale Museumsmesse (white balance agency). Berichte über die Entwicklungen in Österreich (Walther Hofmann) und in der Schweiz (Carole Gürtler) komplettieren zusammen mit Erfahrungsberichten zu Shops aus fünf Museen (Christiane Heuwinkel über die Kunsthalle Bielefeld, Cornelia Foerster und Andrea Strobel über das Historische Museum Bielefeld, Cornelia Rupp über das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden sowie über die 1. Sächsische Landesausstellung 1998, Claudio Rossetti über das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern).

Museumsshops in der Praxis, so auch die gleichlautende Überschrift des etwa 150 Seiten starken zweiten Teils des Praxisführers, werden dem Leser anhand von 11 Fallbeispielen vorgestellt. Ausgewählt wurden unterschiedliche Museumstypen und -größen aus dem deutschsprachigen Raum:

Bachhaus Eisenach

Bauhaus-Archiv, Berlin

Kunsthaus Bregenz

Kunsthalle in Emden

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

Museum der Arbeit, Hamburg

Museum der Kulturen, Basel

Schloß Charlottenburg, Berlin

Von der Heydt-Museum, Wuppertal

Westfälisches Freilichtmuseum Detmold

Zeppelin Museum Friedrichshafen

Die jeweiligen Eintragungen zu den einzelnen Shops sind zum besseren Vergleich ähnlich strukturiert. Den allgemeinen Informationen zum Haus folgen detaillierte Angaben zum Shop (u.a. Entstehung des Shops, Lage, Besucherresonanz, Betreiberkonzept, Verwendung der Einnahmen, Rolle im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit, Sortiment, Service, Zielgruppen). Der Praxisteil schließt mit Tips der interviewten Shopbetreiber und -mitarbeiter ab.

Der dritte Teil dient als Branchenführer, der auf ca. 100 Seiten detaillierte Informationen zu mehr als 50 Produzenten und Anbietern liefert, die im Marktsegment „Museumsshop" operieren.

Die vorliegende Publikation beschäftigt sich auf verdienstvolle Weise mit einem Thema, das in Deutschland bislang eher ideologisch angegangen wurde. An keiner anderen Stelle hat man sich bislang derart konkret und detailliert mit den Belangen von Museumsshops und ihrem Umfeld beschäftigt. Erfreulich ist, daß hier Klischees und Vorurteile, die es im deutschen Museumswesen auch in Bezug auf diesen Teil von Museumsmarketing immer noch zuhauf gibt, ausgeklammert bleiben und das Thema auf sachliche, unpolemische Weise in Angriff genommen wurde. Mit seiner Menge an Informationen hilft das Buch, Wissensdefizite in diesem Bereich zu verringern sowie möglichst unterschiedliche Aspekte kennenzulernen. Steuert der erste Teil eher grundlegende Überlegungen zu Museumsshops bei, die helfen, auf die Thematik einzustimmen, so liefert besonders der zweite Teil denjenigen Museen, die sich mit der Absicht tragen, selbst einen Shop einzurichten, viel Information und Vergleichsmöglichkeiten zu unterschiedlichen Modellen. Dabei ist anzumerken, daß die Darstellung der Shops an einigen Stellen doch ein wenig zu wohlwollend ausgefallen ist. Hier hätte möglicherweise ein etwas kritischerer Ansatz noch eine weitere Komponente eingebracht, denn auch durch Negativbeispiele lernt man. Man muß schon sehr genau zwischen den Zeilen lesen, um sich der Kritikpunkte bewußt zu werden. Mindestens ebenso hilfreich für den eventuellen Aufbau eines Shops wie die vielen Beispiele und Hinweise der Praktiker vorab ist der Branchenführer am Ende der Publikation, der zumindest den Einstieg in diese für Außenstehende recht unübersichtliche Branche erheblich erleichtert.

Das Layout des Führers ist übersichtlich gestaltet. Zahlreiche Fotos sorgen ebenso für eine visuelle Auflockerung wie die Marginalien, die sich durch die Teile 1 und 2 ziehen und dem Leser wichtige Textstellen auf einen Blick bieten. Das fehlende Register hat man versucht, durch Verweise innerhalb der Artikel zu kompensieren. Insgesamt ist der Praxisführer uneingeschränkt zu empfehlen. Er liefert nicht nur Anregungen und Nachdenkenswertes, sondern ebenso Rahmendaten und Kontakte rund um das Thema Museumsshop.


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Dokument erstellt am 27.10.1999