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Rezension

 

Susann Qubeck: Museumsmarketing im Internet.
Grundlagen - Anwendungen - Potentiale
Bielefeld: transcript Verlag 1999, 172 S.,
3 Abb., kartoniert, DM 38,-

Rezensiert von
Petra Schuck-Wersig,
Freie Universität Berlin, AB Informationswissenschaft
pwersig@zedat.fu-berlin.de

 

Der Einsatz von Internet und World Wide Web (WWW) als Marketinginstrument für Museen steht in Deutschland erst am Beginn. Das Buch will aufzeigen, welche Potentiale das WWW für das Museumsmarketing insbesondere im Hinblick auf die deutsche Museumslandschaft bereithält. Zielgruppen sind Entscheidungsträger in Museen bzw. im Umfeld von Museen sowie im Kulturmanagement Tätige.

Auf den ersten 30 Seiten gibt die Autorin in knapper, klarer Form einen Überblick über die Struktur und das Diensteangebot des Internet sowie die Potentiale des World Wide Web und greift dabei auch die zur Zeit diskutierten rechtlichen Fragen hinsichtlich der übermittelten Inhalte, des Urheberrechts sowie der Sicherheit von Daten im Netz auf. Darüber hinaus werden einige Umfragen zu Online-Nutzern aus den Jahren 1997 und 1998 (W3B-Studie, ARD/ZDF-Studie) vorgestellt, die dem Leser einen Eindruck davon vermitteln sollen, welcher Personenkreis bislang das Internet für welche Zwecke nutzt und welche neue Entwicklungen sowohl hinsichtlich der Nutzerschaft als auch der Nutzungsarten sich derzeit abzeichnen.

In einem zweiten Schritt behandelt die Autorin das Online-Marketing von Museen. Dazu wird die Ausgangslage deutscher Museen im Vergleich mit der Situation US-amerikanischer Museen umrissen sowie die Notwendigkeit der Hinwendung zu einem Marketingverständnis aufgezeigt, bei dem der Besucher sowie die Profilierung gegenüber der Konkurrenz anderer Freizeit- und Erholungsangebote im Mittelpunkt steht. An diesem Punkt, so die Autorin, erscheint die Präsenz von Museen im Internet mehr als geboten. „In dem Maße, wie neue Medien zum gesellschaftlichen Alltag werden, erwarten die Besucher auch zunehmend eine entsprechende Präsenz der Museen im Netz." (S. 60) Besonders in der Produkt-, Kommunikations- und Distributionspolitik, drei zentralen Instrumentalbereichen des Marketing-Mix, sieht die Autorin weitreichende Anwendungsspektren für Museen. Für jeden dieser Bereiche werden ausführliche Anwendungsszenarien vorgestellt und am Ende des Kapitels Chancen und Schwächen des Interneteinsatzes in Form einer SWOT-Analyse (Strengths - Weakness - Opportunities - Threats) gewichtet.

Daran anschließend werden Eckpunkte für den erfolgreichen Web-Auftritt formuliert. Auch diese Ausführungen erfolgen unter dem Gesichtspunkt des Marketing-Mix, wobei hier Komponenten bzw. Anforderungen wie Inhalt und Nutzen, Multimedia, Interaktivität, Performance Design, Visuelles Design, Service insbesondere für die Produkt-, Kommunikations- und Preispolitik detailliert behandelt werden.

Mit der exemplarischen Vorstellung der Websites des Deutschen Historischen Museums, der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland sowie des Deutschen Museums wird eine Analyse der WWW-Angebote in Bezug auf die im vorangegangenen Kapitel aufgestellten Qualitätskriterien verbunden. Auch hier werden die wesentlichen Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken der drei ausgewählten Museums-Websites in einer SWOT-Analyse einander gegenübergestellt.

Das Buch ist gut gegliedert und gibt - unterstützt durch ein Glossar im Anhang - auch dem Neueinsteiger die Möglichkeit, sich rasch einen Überblick über die technischen Grundlagen sowie die museumsrelevanten Potentiale dieses neuen Mediums zu verschaffen. Dabei verfällt die Autorin nicht in eine weitverbreitete WWW-Euphorie, sondern weist deutlich auf Vor- und Nachteile bzw. Risiken des Internet und des WWW hin. Erfreulich sind die vielen praktischen und ideenreichen Anwendungsbeispiele, die die Autorin bietet. Sowohl die zahlreichen allgemeinen Hinweise zu Inhalt und Design von Museumsangeboten im Netz als auch die Analyse der drei Häuser geben Museen, die sich mit der Absicht tragen, ins Netz zu gehen, eine Fülle von Anregungen. „Museumsmarketing im Netz kann nur erfolgreich sein, wenn die Regeln und Bedingungen beachtet und die Erwartungen der Besucher auf eine multimediale Dialogkultur nicht enttäuscht werden. Es reicht nicht mehr aus, einfach nur dabei zu sein - schlecht gemachte und nicht gepflegte Websites bergen die Gefahr des Imageverlustes." (S. 133) Diese Gefahr abzuwenden versucht die Autorin mit der hier vorliegenden Publikation - inwieweit die einzelnen Museen bereit und in der Lage sind, dies zu beherzigen, bleibt abzuwarten.


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Dokument erstellt am 15.9.1999