VL Museen

 

Rezension

 

Heide Grape-Albers (Hrsg.): Meisterwerke zu Gast in der Niedersächsischen
Landesgalerie Hannover IV.
Ulrike Wegener: Künstler - Händler - Sammler. Zum Kunstbetrieb in den
Niederlanden im 17. Jahrhundert.
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover 1999, 48 Seiten, 15 DM

Rezensiert fuer VL Museen und H-Soz-u-Kult von
Pablo A. Schneider
Hamburg
pablo.schneider@01019freenet.de

Der von Ulrike Wegener verfaßte Text beschreibt die Bandbreite der historischen Bedingungen mit denen sich ein niederländischer Künstler des 17. Jahrhunderts auseinanderzusetzen hatte. Durch diesen Ansatz verortet sie ihn in vermeintlich als typisch anzusehenden Bedingtheiten der Zeit. Der Weg, den der Katalog verfolgt, beginnt am Ort der Produktion "Künstlerwerkstatt - Künstleratelier" und der "Ausbildung". Hierbei findet der Aspekt des akademischen Zeichenunterrichtes eine gesonderte Betrachtung. Unter dem Stichwort "In gutbürgerlichem Ambiente" beschreibt Wegener den sozialen Aufstieg des Berufsstandes, der die Möglichkeiten erarbeitet hat sich in einem gehobenen Umfeld darzustellen. Der Versuch das Genre der Atelierszene als sozialhistorische Quelle zu nutzen erscheint allerdings problematisch, da jedem Bild ein unterlegter Bildsinn eingeschrieben scheint.

Unter der Thematik des res et signum birgt jedes Bild dieser Zeit den Verweis auf einen ikonologischen Bildsinn. So wird die vermeintliche Wiedergabe eines Malerateliers durch Gonzales Coques zu einer Stellungnahme für die Malerei als Bestandteil der artes liberales. Die exakte Grenzziehung zwischen dem Bild als sozialhistorischer Quelle und als einer Äußerung im Paragone des 17. Jahrhunderts fällt der Autorin schwer. Ein methodisches Problem, das sich auch in den anschließenden Abschnitten "Der Blick des Künstlers auf sich selbst" und "Verkleidung und Pose" beobachten läßt. Unter den Stichworten "Kunsthandel - Kunstvertrieb" sowie "Sammlerwesen" und einige Schlußbemerkungen legt Wegener wieder stärker den Fokus auf eine kunstsoziologische Fragestellung.

"Künstler - Händler - Sammler" kann als eine anregende Einführung in das weite Feld der niederländischen Malerei angesehen werden. Alles in Allem behandelt der Band die Gesichtspunkte, die für eine kurze Charakterisierung der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts von grundlegender Bedeutung sind. Der Text von Wegener versucht originär kunsthistorische Fragestellungen durch einen wirtschafts- und sozialhistorischen Blickwinkel zu erweitern. Hierbei stößt sie beispielsweise immer wieder auf das Problem der Künstlerpersönlichkeit. Den Beruf des Malers zu ergreifen ist in den Niederlanden eine durchaus erfolgversprechende Entscheidung. Diese birgt allerdings die Gefahr der Profanisierung, was in letzter Konsequenz auch dem Marktwert abträglich sein könnte.

Diese beiden Pole beschreiben die Schwierigkeiten der niederländischen Kunst und ihrer kunsthistorischen Analyse. Wenn Wegener anhand einiger Selbstbildnisse ausführt "Die Bilder sind nicht auf den ersten Blick als Malerselbstbildnisse kenntlich, da der Akt des Malens nicht dargestellt ist und andere Hinweise auf die Profession der Porträtierten, etwa in einer der Tätigkeit angemessenen Kleidung, nicht gegeben werden." wird die Problematik deutlich. Diese Beobachtung müßte einerseits mit den vorherigen Künstlerselbstbildnissen und deren Aussageformen sowie andererseits mit den sonstigen Porträts der Zeit in Beziehung gesetzt werden.

Die Darstellungsmodi dieses aufstrebenden Berufsstandes waren nicht eindeutig definiert und erschweren daher die kunsthistorische Untersuchung (daß dies kein Problem des 17. Jahrhunderts beschreibt, läßt sich auch exemplarisch an Albrecht Dürers Selbstbildnis im Pelzrock von 1500, München, Alte Pinakothek, beobachten). Hier wäre es im Sinne einer tieferen Vermittlung, wenn die kunsthistorische Darstellung von Sachverhalten mehr Transparenz in ihre Argumentation bringen würde, sich also eher beschreibend dem Thema annähert als scheinbar sichere Feststellungen zu präsentieren. Besonders da der vorliegende Text für den interessierten Museumsbesucher gedacht sein dürfte.


This service is brought to you by Ralf Blank as part of  WWW Virtual Library Museums pages, maintained by Jonathan Bowen and supported by ICOM. The site is also a part of  VL-Deutschland, maintained by the University of Karlsruhe. This page is supported by:

Deutscher Museumsbund
Deutscher Museumsbund

ICOM

© VL Museen
Alle Rechte beim Autor und VL Museen
Dokument erstellt am 20.7.1999