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Rezension

 

overdick99-2.jpg (15528 Byte) Ivo Maroevic:
Introduction to Museology. The European Approach
München: Verlag Dr. Christian Müller-Straten 1998,
360 S, brosch., englisch, DM 78,-

Rezensiert von
Thomas Overdick,
Institut für Volkskunde der Universität Hamburg
Freilichtmuseum am Kiekeberg

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Wie jede Wissenschaft im ausgehenden 20. Jahrhundert verfolgt auch die Museologie als Wissenschaft von der Musealität ein komplexes Erkenntnisinteresse. Wer die einschlägigen Bibliographien studiert, stößt auf eine schier unüberschaubare Menge an Literatur, die zumeist weit verstreut in Sammelbänden in Aufsatzform bestimmte Teilbereiche unter äußerst speziellen Fragestellungen untersucht. Da entfachen sich hochspezialisierte Diskurse zu Konzepten der Sammlung und Dokumentation, zur Evaluations- und Besucherforschung, zum Zeitphänomen Musealisierung oder – in jüngster Zeit immer mehr – zum Museumsmanagement als praktischer Strategie der Museumsorganisation. Grundlegende Arbeiten, die den Zugang zu diesen ohne Frage spannenden Feldern erleichtern, auf die aber auch vertiefende Beiträge und Untersuchungen aufbauen und verweisen können, sind rar.

Allen voran wäre da natürlich Friedrich Waidachers "Handbuch der Allgemeinen Museologie" zu nennen, das man zu recht als Standardwerk bezeichnen kann und das mittlerweile in der dritten Auflage vorliegt. Einen ähnlich pragmatischen Ansatz verfolgen Timothy Ambrose und Crispin Paine in ihrem Buch "Museum Basics". Weitaus theoretischer ausgerichtet war die Schriftenreihe zur Museologie des DDR-Museologen Klaus Schreiner, die leider vergriffen bzw. aus ideologischen Gründen vom Markt genommen wurde. Eine anschauliche Positionierung des Faches bietet das von Katharina Flügel und Arnold Vogt herausgegebene Buch "Museologie als Wissenschaft und Beruf in der modernen Welt". Nicht unerwähnt bleiben soll der von Hermann Auer herausgegebene Tagungsband "Museologie. Neue Wege – Neue Ziele", der einen interessanten Querschnitt neuer Perspektiven der Museologie der späten 1980er Jahre liefert. Nichtsdestotrotz ist die Literaturlage zu den allgemeinen Grundlagen der Museologie mehr als dürftig. Um so mehr ist dem Verlag Dr. Christian Müller-Straten zu danken, der sich um die Veröffentlichung der englischen Übersetzung von Ivo Maroevics "Introduction to Museology. The European Approach" verdient gemacht hat.

Ivo Maroevic ist Professor für Museologie am Fachbereich Informationswissenschaften der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb /Kroatien. Sein Ansatz faßt die Museologie als Teil der Informationswissenschaften (wie z.B. Bibliotheks- und Archivwissenschaften) auf. Forschungsgegenstand ist das museale Objekt als Informationsträger und Kommunikationsmittel. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen damit theoretische wie praktische Aspekte der Musealisierung als spezifische Strategie der Auseinandersetzung mit und Aneignung von Umwelt – natürlicher wie kultürlicher. Das Museum selbst wird damit als Institution der Musealität als Medium verstanden.

Maroevic skizziert anschaulich die Geschichte des Museums und der damit einher gehenden Entwicklung der Museologie und Museographie. Vor diesem Hintergrund entfaltet er seine auf verschiedenen Ansätzen der Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie der Semiotik aufbauende Theorie der Museologie, die er nachfolgend auf den traditionellen musealen Aufgabenkanon – Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren – überträgt. Aspekte der Innen- und Außenorientierung der praktischen Museumsarbeit, wie sie u.a. in den Ansätzen des Museumsmanagements diskutiert werden, bleiben dabei allerdings ausgespart. Maroevics Konzeption versteht die Museologie vorrangig als zentrale wissenschaftliche Disziplin, deren Erkenntnisse und Konzepte für einen sinnvollen und zielgerichteten musealen Umgang mit dem Kultur- und Naturerbe unerläßlich sind.

"Introduction to Museology" ist eine wirkliche Bereicherung auf dem Markt museumskundlicher Literatur. Trotz seines mitunter hohen Reflexionsgrades verliert Maroevic nie den Bezug zur Praxis aus den Augen, womit ihm dank der klaren Gliederung des Textes, zahlreicher Schaubilder und nicht zuletzt seiner angenehm kommunikativen Sprache ein anschauliches Einführungswerk in die Museologie gelungen ist. Wünschenswert im Sinne einer einfacheren Handhabung des Buches wäre einzig eine etwas differenziertere (und vor allem stimmigere!) Seitennumerierung im Inhaltsverzeichnis gewesen sowie die Hinzufügung eines Stichwortverzeichnisses.


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Dokument erstellt am 27.10.1999