VL Museen

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Rezension

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Compania Media (Hg.):
Handbuch Museumsberatung: Akteure - Kompetenzen - Leistungen
Bielefeld: Transcript 2000, 468 Seiten, broschiert, DM 78,- /ÖS 555,- /SFr 89,- / Euro 39,88

Rezensiert von
Thomas Overdick
Freilichtmuseum am Kiekeberg

Im Zuge der allgemeinen Reformen der öffentlichen Verwaltung findet auch in der Museumswelt ein nicht mehr umkehrbarer Wandel der Organisationsstrukturen und damit einhergehend der Organisationskultur statt. Das Museum ist längst kein Musentempel mehr, der Bildungsort entwickelt sich zunehmend zum modernen, marktorientierten Unternehmen. Unter dem Schlagwort Museumsmanagement wird versucht, betriebswirtschaftliche Konzepte, Strategien und Instrumente auf den speziellen Bereich des Museums zu übertragen und sinnvoll anzupassen. Diese einschneidenden Veränderungsprozesse erfordern eine fachliche Begleitung und zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Die Bedeutung von Beratung im Sinne eines sach- und problembezogenen Kommunikationsprozesses zwischen internen und externen Experten wird dabei wichtiger denn je. Entsprechend ist in den letzten Jahren die Zahl freier Beratungsunternehmen, die mit einem immer weiter ausdifferenzierten Angebot neben die klassischen öffentlichen Beratungseinrichtungen der Museumsverbände und Landesstellen treten, sprunghaft angestiegen. Der 1998 gegründete Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V. deutet dabei eine allmähliche Institutionalisierung dieses noch jungen Arbeitsmarktes an.

Für die meisten Museen bedeutet die Zusammenarbeit mit freien Beratern jedoch nach wie vor unbekanntes Neuland. Das Verhältnis zwischen Auftraggeber und -nehmer ist, wie Christof Wolters unterstreicht, wegen fehlender Standards von Eigenverantwortung und letztendlich Vertrauen geprägt. Mit dem vorliegenden "Handbuch Museumsberatung" liegt nun erstmals eine umfassende Standortbestimmung des weiten Feldes der Museumsberatung vor, bei der es den Herausgebern gelungen ist, mit den versammelten Beiträgen die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der Museen, der Berater und nicht zuletzt auch der Besucher miteinander zu verknüpfen.

Das Handbuch ist in vier Teile untergliedert. Der erste Teil liefert verschiedene positionierende Überblicke und Perspektiven zur öffentlichen und freien Museumsberatung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im zweiten Teil werden einzelne Aufgaben- und Leistungssegmente, die Museumsberatung umfassen kann, kaleidoskopartig beleuchtet: von der betrieblichen Organisations- und Personalentwicklung über die Durchführung von Besucherbefragungen und Evaluationsprojekten, der Erarbeitung von Marketing- und PR-Konzepten unter besonderer Berücksichtigung der neuen Medien bis hin zu Kernaufgaben des Museums, worunter neben den klassischen "outgesourcten" Aufgaben wie Ausstellungsgestaltung und Restaurierung auch Projekte zur Dokumentation und Museumspädagogik fallen. Wie das Ganze in der Praxis ablaufen kann, veranschaulicht schlaglichtartig der dritte Teil anhand von Erfahrungsberichten verschiedener Museen. Den vierten Teil des Handbuchs bildet abschließend ein kleiner Branchenführer, in dem sich rund 70 im deutschsprachigen Raum tätige Beratungseinrichtungen und -firmen präsentieren.

Insgesamt vermittelt das Handbuch sowohl den beratungssuchenden Museen als auch den Museumsberatern (bzw. denen, die in diesem Feld aktiv werden wollen) vielfältige und vor allem praxisnahe Orientierungspunkte zu den Fragen, was Beratung leisten kann, welche Kompetenzen dafür notwendig sind, wie Beratung finanziert werden kann und nicht zuletzt welche Bedingungen eine erfolgreichen Beratungsprozeß auszeichnen. Damit ist eine solide Grundlage für eine vertiefende Diskussion geschaffen, die es im Hinblick auf die fortwährenden Veränderungsprozesse in den einzelnen Bereichen kritisch zu führen gilt.


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Dokument erstellt am 31.5.2000