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Rezension

 

Bärbel Auffermann /Gerd-Christian Weniger (Hg.):
Frauen - Zeiten - Spuren,
Mettmann: Neanderthal-Museum 1998,
380 S., 120 Abb., brosch., DM 28,-

Rezensiert von
Johannes Litzel, Eitensheim

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Mancher Anfang ist schwer: das gilt für Textbücher ebenso wie für Rezensionen. Der Titel trägt dabei wesentlich zum Erfolg bei: ist er griffig, spannend, ungewöhnlich, greift der homo sapiens sowohl in der femininen als auch in der masculinen Ausprägung schon aus purer - sicher genetisch manifestierter - Neugier zum Buch, und dann - getrieben vom sicherlich genetisch manifestiertem Mitteilungsdrang - zur Feder. Das vorgelegte Werk hat es da etwas schwerer gehabt, will heißen, der Titel kommt etwas spröde daher und macht das Zugreifen ein wenig zögerlich. Der Leser hat auch mit seinen Vorurteilen zu kämpfen: schon wieder ein Frauenthema, quosque tandem!

Nach überstandenem Geleitwort - wenn auch ministerial unterfertigt, nicht unbedingt ein literarischer Wurf - zeigt der Inhalt Überraschendes. Es spannt sich ein breiter Bogen von der Archäologie über Ethnologie, Anthropologie, Paläoanthropologie zur Historie, Volkskunde, Soziologie, Religionswissenschaften, Primatologie, Medizin, Kunstgeschichte. Interdisziplinarität, immer gefordert, selten verwirklicht, ist Buch geworden; den Leser freut's. Die Autorinnen- und Autorenliste ist ebenso lesenswert. Bekannte und etablierte Namen stehen neben jüngeren aufstrebenden Talenten: generationsübergreifende Publikationen finden sich auch nicht eben häufig. Der Leser ist sehr angetan und beginnt zu schmökern.

Wie von einem - guten - Ausstellungs-Textbuch nicht anders zu erwarten, sind die Texte, von ein paar seltenen unbedeutenden Ausrutschern, gut geschrieben, für das interessierte Publikum äußerst informativ, wenig wissenschaftlich verklausuliert, wenig Apparat, im besten Sinne unterhaltsam. Unverständlich schreibt man schließlich für Kollegen, sehr frei nach Heyerdahl zitiert; das stützt die Reputation.

Um eben das Publikum zu informieren (hoffentlich auch zu delektieren: dem Rezensenten war es leider nicht möglich, die Ausstellung zu sehen, und er kann darob keine Aussage machen), werden auch Themen behandelt, die nicht neu sind, oder die man bereits abgeschlossen und vergessen wähnte. Die jeweils angegebene Literaturliste ist auf einem recht aktuellen Stand; die Grafiken und Abbildungen sind fast durchweg anschaulich (das Cover sei bei dieser Beurteilung ausdrücklich ausgenommen). Das Fehlen von Farbbildern kann dadurch vom Leser gut verschmerzt werden; er wird wissen, daß auch in Mettmann die Budgets nicht in den Himmel wachsen.

Zusammenfassend: ein gut gemachter und geschriebener begleitender und vertiefender Textband zu einer Ausstellung, der sich an ein interessiertes und lesebereites Publikum richtet; informativ, spannend, im besten Sinne belehrend und bereichernd. Wenn nur nicht dieser Titel wäre ...


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Dokument erstellt am 27.10.1999