VL Museen

Rezension

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Jan Carstensen / Joachim Kleinmanns (Hg.): Freilichtmuseum und Sachkultur.
Festschrift für Stefan Baumeier. Münster/New York/München/Berlin: Waxmann,
2000, 328 S., zahlreiche Abbildungen, geb., EUR 29,90 , ISBN 3-89325-995-3.

Rezensiert von
Dr. Hubert Köhler, Westfälisches Freilichtmuseum Hagen - Landesmuseum
Handwerk und Technik
E-Mail: h.koehler@lwl.org

Anlässlich der Vollendung des 60. Lebensjahres von Stefan Baumeier, dem langjährigen Direktor des Westfälischen Freilichtlichtmuseums Detmold (Landesmuseum für Volkskunde), ist eine Festschrift unter dem Titel "Freilichtmuseum und Sachkultur" von Jan Carstensen und Joachim Kleinmanns im Jahre 2000 erschienen. Der Titel dieser Publikation kennzeichnet den zentralen Themenbereich der volkskundlichen Forschungen im Hinblick auf Fragestellungen der wissenschaftlichen Arbeit in Freilichtmuseen. Die in diesem Band gesammelten Aufsätze, die zu Themenblöcken zusammengefasst sind, vermitteln in Schwerpunkten die Forschungsergebnisse und -perspektiven des Themenkomplexes.

In ihrer Einführung zu dieser Festschrift für Stefan Baumeier gehen die beiden Herausgeber zunächst auf die Vita des Jubilars ein, in dem sie auf die wichtigsten Stationen seines Lebensweges und auf seine Forschungen eingehen. In ihren nachfolgenden Ausführungen stellen sie besonders des Ausbau des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold mit über 50 historischen Bauswerken seit 1976 heraus. Seit dieser Zeit wurden wissenschaftliche Abteilungen wie Baugeschichte, Ökologie und Museumspädagogik ins Leben gerufen. Ferner wurde die wissenschaftliche Dokumentation forciert. Jan Carstensen und Joachim Kleinmanns heben in der Lebensbeschreibung Stefan Baumeiers hervor, dass sich unter seiner Leitung das Westfälische Freilichtmuseum Detmold zu dem bedeutensten Institut für historische Sachkulturforschung in Westfalen entwickelt hat.

Die beiden Herausgeber beschreiben für den Leser kurz die Entstehung dieses Bandes, in dem sie bemerken, dass für die vorliegende Festschrift, Themen von Fachkollegen und Freunden Stefan Baumeiers zusammengetragen wurden, mit denen sich der Jubilar in seinem Berufsleben beschäftigt hat. Am Ende des Bandes sind die "Viten der Autoren" abgedruckt. Nachfolgend gehen die Herausgeber auf die Schwerpunktthemen des Jubiläumsbandes ein und beschreiben punktuell die Inhalte.

Es sind insgesamt fünf große Themenblöcke, die sich um das generelle Thema der Sachkulturforschung ranken. Zunächst die "Archäologie und Hausforschung" mit den Autoren und Themen: Hans-Georg Stephan (Die Brunsburg bei Höxter in Westfalen. Eine bedeutende stauferzeitliche Burg der Äbte von Corvey), Elmar Altwasser und Ulrich Klein (Heutiger Stand und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten einer Archäologie des Hauses), Heinrich Stiewe (Ländlicher Hausbau und Leinenhandel. Zwei frühe Wohn- und Geschäftshäuser aus der Grafschaft Lippe und ihre Besitzer), G. Ulrich Großmann (Architektur und Bauwesen als Thema des kulturgeschichtlichen Museums. Zum Wiederaufgreifen einer Gründungsidee im Germanischen Nationalmuseum zu Jahrtausenwende), Edwin Huwyler (Geordnetes Chaos - spartanische Leere. Gegensätzliche Methoden bei der Präsentation zweier Häuser im Schweizerischen Freilichtmuseum Ballenberg), Konrad Bedal (Das Haus in der Kiste. Zu Entwicklung und Bedeutung der Großteiltransferierung in den süddeutschen Freilandmuseen).

Der zweite Themenblock beschäftigt sich mit dem eigentlichen Hauptthema dieses Bandes, der "Sachkultur" mit folgenden Autoren und Themen: Kurt Dröge (Sachkulturforschung unter erschwerten Bedingungen. Flachsbrechen in Pommern), Klaus Freckmann (Handwerk auf dem Lande. Der schriftliche Nachlaß der Nordpfälzer Schreinerfamilie Schäfer), Katharina Schlimmgen-Ehmke (Wohntextilien - ein neuer Sammlungsschwerpunkt. Von Strohsäcken und Seidengardinen), Wolfgang Könenkamp (Wider den Spaß. Oder: Längst bekannte Argumente für museale Sacharbeit), Hinrich Siuts (Überlegungen zur schwierigen Aufgabe des Museums).

Im dritten Abschnitt mit dem Thema "Landschaftsökologie" wird von folgenden Autoren bearbeitet: Frauke Brinkel und Roswitha Kirsch-Stracke (Alte Natursteinmauern im Südsauerland. Verbreitung - Bauweise - Ökologie), Agnes Sternschulte (Regionale Heckenformen. Erforschung und Anlage im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold).

Das vierte Thema ist die "Vermittlung" in Museen: Kilian Keilinger (Der "ehrliche Weg": Optimierung der Didaktik oder Überforderung des Besuchers? Zur Präsentation der drei jüngsten Architekturexponate im Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten). Edmund Ballhaus (Altes Medium in neuem Gewand. Film und Interaktivität im Museum), Herbert Galle, Stephan Pahs und Gabriele Wilpers (InnenLeben: Haus der Gefühle. Gegenwartskunst als Mittel der Musealisierung).

Das fünfte Kapitel trägt die Überschrift "Perspektiven". Folgende Autoren haben sich mit diesem abschließenden Thema des Jubiläumsbandes für Stafen Baumeier beschäftigt: Merike Lang (Das Estnische Freilichtmuseum. Ein Opfer mehrmaliger Brandstiftungen), Miklós Cseri (Herausforderungen und Resultate im Ungarischen Freilichtmuseum in Szentendre), Jürgen Knauss (Freilichtmuseen in der ehemaligen DDR. Das Beispiel des Agrar- und Freilichtmuseums Schloß Blankenhain in Sachsen), Ruth-E. Mohrmann (Perspektiven der Sachkulturforschung zwischen Museum und Universität), Jan Vaessen (Fudament oder Fassade. Thesen zum gegenwärtigen Museumsboom).

Das weitgefasste Themenspektrum der Autorenbeiträge in dem vorliegenden Band zur Sachkultur in Museen, dokumentiert den facettenreichtum dieses Themas in unserer schnelllebigen Zeit. Die Sachkultur in musealen Bereichen scheint an ihrer Aktualität nichts verloren zu haben. Sicherlich gehören auf dem Grundriß dieser Diskussionen auch die Forschungen im Bereich der Alltagskultur für die Museumspraxis in Gegenwart und Zukunft.

Der Jubiläumsband schließt mit dem Kapitel "Ansichten", in dem dokumentarisch interessante und künstlerisch überzeugende Fotografien von Berthold Socha widergegeben sind. Diese Schwarz-Weiß-Fotos ergänzen den Band sinnvoll. Einige der (wichtigen) Lebensstationen Stefan Baumeiers, wie etwa seine Familie (1979), die Eröffnung des Paderborner Dorfes (1981) oder die Einweihung der Schule aus Thöningsen (1983) sind hier mit der Kamera festgehalten und erstmals veröffentlicht.

Nicht unerwähnt bleiben soll am Ende dieser Besprechung das "Schriftenverzeichnis Stefan Baumeier" (zu Beginn des Bandes zusammengestellt von Jan Carstens), welches anhand der Chronologie der Veröffentlichungen das reiche Schaffen des Jubilars widerspiegelt. Der vorliegende Jubiläumsband ist somit ein erkenntisreiches Lese- und Bilderbuch für alle, die sich mit dem Forschungthema der Sachkultur in Freilichtmuseen auseinandersetzen möchten.



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Dokument erstellt am 4.9.2002