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Rezension

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Jens Kraus:
Chromglanz und Ölgeruch. Automobil- und Motorradmuseen in
Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hrsg. v. Peter Kurze
Süstedt: Verlag Susanne Schönholz 1998, 192 S., 212 Abb., Paperback
DM 29,80 /ÖS 220,- /SFr 29,80; ISBN 3-927485-19-5

Rezensiert von
Heiko Hesse, Brandenburg
Heiko-Hesse@t-online.de

Die Magie des alten Eisens

"Chromglanz und Ölgeruch" nennt Automobil- und Zweiradmuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die alten Kisten besitzen magische Anziehungskräfte. Wo immer ein Veteran der Automobilgeschichte durch die Straßen knattert, zieht er die Blicke auf sich. Oldtimer-Ralleys gar locken stets Hunderte von Schaulustigen an. Ältere Beobachter lassen sich gern von den alten Autos in ihrer Kinder- und Jugendzeit versetzen. Und teilen auch mit den jüngeren Staunern die einhellige Meinung, dass diese Fahrzeuge noch Charakter besaßen, derweil die heutigen Autos stillos und austauschbar seien. Ein Irrtum, wie jeder weiß, der sich ein wenig mit dieser Materie beschäftigt. So gelingt es nur dem Kenner, viele Kraftwagen aus den zwanziger Jahren zum Beispiel voneinander zu unterscheiden.

Nun muß der Interessierte nicht erst zum passionierten Schrauber werden und die einschlägige Fachliteratur wälzen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Dafür gibt es dutzende Museen und öffentliche Oldtimer-Sammlungen. Jens Kraus hat sich die Arbeit gemacht, die deutschen, österreichischen und Schweizer Auto- und Motorrad-Expositionen zusammen zu stellen. In "Chromglanz und Ölgeruch" stellt Kraus auf 192 Seiten die einzelnen Häuser kurz vor und versieht die Informationen mit diversen Service-Hinweisen - von der Anschrift samt Telefonnummer über den Eintrittspreis, den Rollstuhl gerechten Zugang bis hin zu Anzahl der Exponate.

Dass sich der Autor zuvorderst an das allgemeine Publikum wendet, dem er einen speziellen Reiseführer ans Herz legen möchte, macht Kraus in seinem Vorwort deutlich. "Haben Sie am nächsten Sonntag nachmittag schon etwas vor?", fragt er und offeriert den Besuch eines naheliegenden Auto- oder Motorradmuseum. Naheliegend darf hier in zweierlei Hinsicht verstanden werden. Denn eine Sammlung historischer Zwei- oder Vierräder kann sich in der Nähe des Wohnortes befinden oder unweit des Urlaubsdomizils.

Doch auch den Kenner der Materie spricht das Büchlein an. Offenbar gelingt es keinem noch so akribischen Rechercheur, einen vollständigen Überblick über diese Museenlandschaft zu bieten. Von den rund 125 Auto- und Motorradmuseen in den drei Ländern listet Kraus 67 deutsche, zehn österreichische und sieben Schweizer Häuser auf. Gleichsam ergibt sich erst aus der Summe diverser Publikationen, etwa des ADAC oder der aktuellen Auflage des Oldtimer-Adressen-Lexikons aus dem Hause Heel, ein weitestgehend geschlossenes Bild. Die umfangreichen Zweirad-Ausstellungen im brandenburgischen Werder und im holsteinischen Ostrohe finden sich indes im Kraus'schen Buch.

Und auch dies lassen andere Museumsüberblicke vermissen: Jens Kraus nimmt sich den Platz und geht auf den Werdegang und das Profil der einzelnen Museen ein. Zum Beispiel erschließt sich allein aus dem Namen "Automuseum Störy", wie er in vielen Listen kurz erwähnt ist, nicht, dass sich dahinter die größte Kleinwagenausstellung der Welt verbirgt. Hier kommt auf die Kosten, wer die Mini-Legenden von Kleinschnittger oder Messerschmitt aus nächster Nähe beäugen möchte. Auch hinter dem allgemeinen Titel "Motoradmuseum Schloß Augustusburg" steckt ein Profil von globaler Bedeutung, was sich dem Unkundigen in "Chromglanz und Ölgeruch" erschließt. In der sächsischen Burg zwischen Dresden und Chemnitz befindet sich unter anderem eine international anerkannte Fachabteilung "Zweitaktmotorräder".

Der Leser sei jedoch davor gewarnt, ohne weiteres eines der beschriebenen Museen zu besuchen. Schließlich unterliegt auch diese Szene einem steten Wandel, werden Sammlungen aufgelöst, wie das Raule-Automobilmuseum im hessischen Eppstein, oder ziehen an einen anderen Ort, etwa das Zweiradmuseum Werder, dass Jens Kraus noch im benachbarten Glindow wähnt. Überdies liegt der Redaktionsschluss mittlerweile zwei Jahre zurück. Seither hat sich manches verändert. Ein kurzer Anruf beim jeweiligen Museum vorab verhindert unnötigen Ärger.


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Dokument erstellt am 15.9.1999