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Rezension

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Kornelia von Berswordt-Wallrabe (Hg.):
Pablo Picasso. Der Reiz der Fläche 
(Katalog zur Ausstellung Staatliches Museum Schwerin, 3.7.-26.9.1999)
Ostfildern 1999, 192 S., 82 Abb., davon 52 farb., engl. brosch., DM 68,- /ÖS 496,- /SFr 64,-

Rezensiert von 
Heike Fuhlbrügge
Stiftung Museum Schloß Moyland 

Eine gut recherchierte zweisprachige Buchpublikation in Deutsch und Englisch wurde 1999 zur Ausstellung „Pablo Picasso. Der Reiz der Fläche“ (Staatlichen Museum Schwerin) veröffentlicht. Darin findet sich eine pointierte Auswahl sowohl an Ölbildern, Zeichnungen, Skulpturen und keramische Arbeiten vom Kubismus über die Abstraktion bis zum Spätwerk aus allen Werkphasen des Künstlers.

Fünf Autoren diskutieren die Stellung des Künstlers als Neuerer und Konzeptualisten. Anhand von Picassos künstlerischer Auseinandersetzung mit Materialien und ihrer formalen Umsetzung in Fläche, Farbe und Linie werden die Arbeitsweisen, die Struktur der Bildlichkeit sowie konzeptuelle Ansätze im Schaffen des Künstlers aufgezeichnet.
In der radikalen Forderung Picassos nach Emanzipierung der Sehgewohnheiten entdeckt Sabine Fett eine Verbindung zu Marcel Duchamp. Wortgewaltig zeigt sie Gemeinsamkeiten auf, aber fokussiert dabei Diskrepanzen und unterschiedliche Ansätze im künstlerischen Schaffen beider Künstler. Beide Künstler verbindet ein „inneres Modell“, das die freie Entfaltung individueller Vorstellungskraft proklamiert. Die Autorin beweist u.a. am Beispiel des ‘papier collé’ Picassos und des ‘ready mades’ von Duchamp, wie beide von unterschiedlichen Ansätzen kommend „geistiges Sehen“ zum Paradigma erheben. 

Duchamp, so die Autorin, arbeite mit der künstlerischen Absicht der Demontage, die ein Thema bloßlegen will, ( am Beispiel „Akt, eine Treppe herabsteigend“, 1912). Im Gegensatz dazu steht die Zusammenschau verschiedener Ansichten und Perspektiven als Formanalyse der Kubisten. Brauche Picasso beispielsweise die Nähe zum gefundenen Gegenstand, um darin die imaginierte Wandelbarkeit eines Sattels und Lenkers in einen Stierkopf mit Hörnern aufzuspüren, verhalte sich Duchamp den Gegenständen gegenüber absichtslos und distanziert. Innovativ, folgert die Autorin, sei jedoch beiden eine analytische Sicht auf die Dinge als konstitutive Methode des Bewußtwerdungsvorganges.
Gerhard Graulich erkennt in der Flächenauffassung, der wenig beachteten späten Flächenskulptur Picassos, daß diese nicht als losgelöste Gattung im Werk des Künstlers zu sehen ist. Ihr Stellenwert ist innerhalb des Oeuvres, vergleichbar dem eines Laboratoriums und Versuchsortes, an dem noch spürbar werde, so Graulich, daß der Künstler das Bestreben hat, den Kubismus in der Skulptur durch eine gegenteilige Konstitution der Figur und eines veränderten Flächenkonzeptes weiterzuentwickeln. Durch einen Vergleich der Gattungen Malerei und Skulptur sowie Früh- und Spätwerk deckt der Autor die Strategie des Künstlers auf. Daß sein Spiel von Kalkül und Zufall, Formgebung und Deformation sowie Räumlichkeit und Flächigkeit, Picasso durch ihr Wechselgespräch zur Methode erhebe.

Eine Auswahl der wichtigsten und neueren Publikationen zu Picasso, eine Bibliographie persönlicher und künstlerischer Eckdaten sowie eine jede Abbildung begleitende Werkbibliographie mit Ausstellungsverzeichnis komplettieren diese Publikation.


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Dokument erstellt am 29.2.2000