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Rezension

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David Salle

David Salle
(Katalog zu den Ausstellungen Stedelijk Museum, Amsterdam, 24.4.-14.6.1999 /Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien, 1.7.-29.8.1999 /Museo d’Arte Contemporanea Castello di Rivoli, Turin, 223.9.1999-9.1.2000 /Guggenheim Museum, Bilbao, Februar - April 2000)
Ostfildern: Hatje Cantz 1999, 128 S., 90 Abb., davon 65 farb., brosch., DM 49,- /ÖS 358,- /SFr 47,-

Rezensiert von
Heike Fuhlbrügge
Stiftung Museum Schloß Moyland, Bedburg-Hau

Der begleitende Katalog zur ersten Retrospektive des amerikanischen Künstlers David Salle, 1999 im Stedelijk Museum in Amsterdam ausgestellt, ist ein gelungener Versuch, seismographisch sensibel sich dem reichen malerischen Repertoire des Künstlers anzunähern.
Als deutschsprachige Publikation gewährt sie vielfältigen Einblick in die Entwicklung des Künstlers, den man gemeinhin als den ‘shooting star’ des amerikanischen Kunstbetriebes der achtziger Jahre ansieht. David Salle scheint als Hauptvertreter einer Generation der neo-expressionistischen ‘New Yorker School’ in seiner Malerei den Gedanken des „Il faut etre absolument moderne“, wie ihn Arthur Rimbaud wegweisend für die Avantgarde forderte, zu resümieren. Die postmodern anmutenden Bilder Salles zeichnen sich aus durch eine Fülle unterschiedlicher Stilmittel, Zitate anderer Maler, Fragmenten aus Bildern vergangener Jahrhunderte und gestisch spontaner Kurvatur, die collageartig seine Begabungen protokollieren.

Die Autoren des Katalogs spüren dem Gedanken der ‘inventio’, der neuen künstlerischen Idee, Bilderfindung und -entdeckung im Oeuvre des Künstlers nach. Rudi Fuchs resümiert anhand eines imaginären Zwiegesprächs zwischen dem Renaissancekünstler Giovanni Bellini mit David Salle die künstlerischen Strategien beider. Einfallsreich charakterisiert der Autor auf beispielhaft lebendige Art die Unterschiede und, trotz unüberbrückbarer zeitlicher Grenzen, die zeitlose malerische Formulierung beider Künstler. Am vergleichenden Beispiel der Pietà Bellinis (ca. 1470) mit Bildwerken David Salles’ gelingt dem Autor, Aufbau und Organisation der Elemente im Werk beider Künstler als das verbindende Glied darzustellen.

Das Interview mit David Tuten zeichnet ein aufschlußreiches Porträt des Künstlers. Transparent legt Salle seine Einflüsse und Ansichten über die Bedeutung der Kunst von Heute und der Vergangenheit dar. Seine Technik der Bildzitate von Watteau über Cézanne bis zu Picabia erläutert er als neue simultane Form der Abfolge einer eigenen Bildgrammatik. Oft geht es dabei nur um korrespondierende Formen und Zerstörung einer kausalen Abfolge zugunsten einer Öffnung der Wahrnehmung. Diese Technik diene letztlich, so der Künstler, eine radikale Widerspiegelung des ‘individuellen Selbst’ zu finden. Rhythmus, Überraschung, Struktur und Ablenkung charakterisiere seine Arbeit als assoziatives Schaffen und einer Art Freisetzung des Menschen.

Die Biologin Arjen Mulder analysiert die Vorgehensweise David Salles’. Sie vergleicht die malerischen und fotografischen Bildelemente mit den psychischen Wirkungsweisen im Oeuvre des Künstlers. Es erscheint evident, daß die Kakophonie der verschiedenen bildnerischen Motive, wie unter einem Dach eines Gewächshauses von David Salle zu neuen Raumbildungen aus einem Geflecht wechselseitiger Einflüsse vereint werden.

Hauptsächlich die Werke der 80er und 90er, sortiert nach Gattungen und Themen, werden im Bildkatalog präsentiert. Narrativ, wie die Werke des Künstlers, sind Zitate von Künstlern zwischen die einzelnen Bildkapitel im Katalogteil gesetzt, die mehrdeutig und ironisch zum Oeuvre korrespondieren.


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Dokument erstellt am 01.02.2000