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Historisches Centrum
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Hagener Gedächtnislücken: Steinhoff - Sasse - Raabe - Weisser



Von Horst Kniese

HAGEN: „Ein VW aus Hagen fuhr vor das Haus Weisser". (1), es war in Göttingen kurz nach dem Kriege. Eine SPD-Delegation aus Hagen, Mittelpunkt: Heinrich Treichel, wollte Gerhard Weisser für die Position des Hagener Oberbürgermeisters alter Art gewinnen. Weisser musste ablehnen, weil ihn höhere Aufgaben erwarteten. Da wäre es um die Position des Kommunalrecken der in der Gründung befindlichen CDU gegangen. Nämlich um Ewald Sasse, den die Briten gerade zum Oberbürgermeister ernannt hatten. Wiederaufbau und Kommunalpolitik wären bei Erfolg dieser Aktion in eine ganz andere Richtung gebogen worden.. Weisser, der als kämpferischer Mann in der demokratischen Szene der Stadt Hagen vor der Nazizeit eine beliebte, umkämpfte und begehrte Persönlichkeit war, hätte auch bei den „Hagener Briten" gute Chancen gehabt. Das wussten die Sozialdemokraten. Doch in den höheren Sphären der Besatzungsmacht hatte man mit Weisser viel Wichtigeres vor. Er wurde deutscher Spitzenmann in der Verwaltung der gesamten britischen Zone.
Sein Vorleben war Demokratie pur: Auf Vermittlung des sozialdemokratischen Parteisekretärs Fritz Steinhoff war Weisser 1929 für den Posten des Bürgermeisters (SPD) an die Seite des Oberbürgermeisters Cuno Raabe (Zentrum) vorgeschlagen worden. Seit 1926 war der schon in Hagen als Bürgermeister tätig. Diese Koalition aus Schwarz und Rot hatte nicht nur gute Kommunalpolitik gestaltet, sondern auch einen überzeugenden Abwehrkampf gegen die populistischen Kampagnen der aufkommenden Nationalsozialisten und der Kommunisten geführt. In den Personalüberlegungen von Zentrum und späterer CDU kurz nach dem Kriege hat der Name Raabe ebenfalls eine nicht nur gelegentliche Rolle für Hagen gespielt. Doch der zog schon nach dem Zusammenbruch der Diktatur Fäden mit Adenauer in der Gründungsphase der CDU im Bund und in Hessen, aber auch in seinem Heimatort Fulda. Der frühere Hagener Oberbürgermeister war Freund des später hingerichteten Carl Goerdeler, war im Widerstand aktiv und dem Gestapogefängnis erst durch den Zusammenbruch entkommen. Weisser und Raabe waren schon damals „höhere Wahl". In Hagen drängte sich deshalb alles auf die Persönlichkeiten Sasse und Steinhoff zu.
Dem links geprägten aktiven Hagener Geschichtsverein hat es der schillernde Lebenslauf des Prof. Gerhard Weisser so angetan, dass der Wunsch aufkam, eine Hagener Strasse nach ihm zu benennen. Dessen Partner im Hagener Abwehrkampf gegen die braune Sturmflut, Dr. Cuno Raabe, kommt jedoch eine ebenso imposante geschichtliche Rolle zu.(2), mussten die linken Historiker ebenfalls ermitteln. Also will der Geschichtsverein seinen Vorschlag erweitern: Straßennamen für Dr. Raabe und Prof. Weisser. Die geschichtlichen Fakten sprechen dafür: und auch die parteipolitischen Gewichte in der Geschichte und in der Aktualität.