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Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Albert Hoffmann (1907-1972


von Ralf Blank


Teil 2



Gauleiter in Westfalen-Sd




Albert Hoffmann als Gauleiter, Juni 1943 (Foto: H. Hoffmann, Mnchen)

Am 26. Januar 1943 bestimmte Adolf Hitler dem damals 35-jhrigen Albert Hoffmann zum geschftsfhrenden Gauleiter-Stellvertreter fr den Gau Westfalen-Sd. Hier sollte Hoffmann den im Juni 1942 nach Mnchen abgeordneten Gauleiters Paul Giesler ablsen.

Der amtierende Stellvertretende Gauleiter Heinrich Vetter war aus Sicht der Partei-Kanzlei nicht geeignet, die geschftsfhrende Gauleitung weiterhin zu erledigen. Am 10. Februar 1943 wurde Hoffmann von seinem Vorgnger Paul Giesler in das Amt des Gauleiter-Stellvertreters eingefhrt.

Das von Hoffmann ausgebte Parteiamt in Oberschlesien blieb bis Anfang 1944 unbesetzt. Erst im Mai 1944 bernahm Rudolf Metzner, von 1937 bis 1941 Kreisleiter im niederschlesischen Waldenburg und anschlieend Mitarbeiter in der Partei-Kanzlei, das Amt des Stellvertretenden Gauleiters in Oberschlesien.




Kreisparteitag in Ldenscheid, 25.8.1943 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Am 16. April 1943 erfolgte die Besttigung Hoffmanns als Reichsverteidigungskommissar. Einen Tag nach dem Besuch von Joseph Goebbels in Bochum und Dortmund wurde Albert Hoffmann am 19. Juni 1943 von Hitler in den Dienstrang eines Gauleiters erhoben. Mit gleichem Datum befrderte der Reichsfhrer-SS den neuen Gauleiter zum SS-Brigadefhrer.

Die offizielle Amtseinfhrung Hoffmanns als Gauleiter in Westfalen-Sd erfolgte erst am 3. Mai 1944 nach dem Tod Mnchener Gauleiters Adolf Wagner. Nun konnte auch Paul Giesler das im Juni 1942 vertretungsweise bernommenes Amt des Gauleiters in Mnchen und Oberbayern offiziell antreten.

In seinem Gau begann Hoffmann ab Frhjahr 1943 mit dem Aufbau eines eigenen Fhrerkorps. EIne Anzahl von jungen HJ-Fhrer wurden aus dem "Fronteinsatz" an die "Heimatfront" versetzt. Sie bernahmen wichtige Positionen in der Gauleitung Westfalen-Sd. Einige Kreisleiter wurde versetzt oder erhielten neue Aufgabenfelder. Auf dem Harkortberg im Ruhrtal bei Wetter lie sich Hoffmann durch die Organisation Todt (OT) eine verbunkerte Gaubefehlsstelle errichten. Sie wurde im Juni 1943 in Betrieb genommen und diente auch als Luftschutzzentrale fr das Gaugebiet.


Ttigkeiten



Aufgrund seiner whrend der "Battle of the Ruhr" im Frhjahr und Sommer 1943 erworbenen Erfahrungen galt Hoffmann auf dem Gebiet des Luftkriegs als Fachmann. Im Dezember 1943 wurde er auf Vorschlag des Reichsministers fr Volksaufklrung und Propaganda, Dr. Joseph Goebbels, von Hitler in das Amt des geschftsfhrenden Vertreters in der von ihm geleiteten "Reichsinspektion fr zivile Luftkriegsmanahmen" berufen.

Bereits vor seiner Ernennung hatte Hoffmann im Auftrag von Goebbels die Luftschutzmanahmen in Wien inspiziert. und kritisierte dabei die vermeintlichen Nachlssigkeiten des dortigen Gauleiters Baldur v. Schirach, was Goebbels zu einer Intrige gegen den ob seiner angeblichen Unfhigkeit politisch schwer angeschlagenen Schirach auszunutzen suchte.




Hoffmann und Mitarbeiter in der Gaubefehlsstelle Harkortberg, November 1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Wegen einer schweren Erkrankung von Hoffmann musste Goebbels im Januar 1944 die Leitung der Reichsinspektion allerdings neu organisierten. Der Ministerialdirektor Alfred-Ingemar Berndt (1905-1945) bernahm den berwiegenden Teil der Geschftsfhrung, ohne dass Hoffmann von seiner Funktion als Goebbels Stellvertreter in der Reichsinspektion formal entbunden wurde.

Hoffmann versuchte durch verschiedene Manahmen an der "Heimatfront", die "Volksgemeinschaft" zu mobilisieren. Hierzu zhlte eine umfassende Propaganda, die ab Sommer 1943 von dem frheren Goebbels-Mitarbeiter Kurt Krnzlein als Gaupropagandaleiter organisiert wurde, und die Mitwirkung der Partei in der Prvention, Bekmpfung und Schadensbeseitigung auf dem Gebiet des Luftkriegs. Im Gau Westfalen-Sd gelang es der NSDAP bis Ende 1944, einen eigenen Luftschutz neben den staatlichen Manahmen aufzubauen.

Im Rahmen der im Juli 1944 angelaufenden Manahmen zum Totalen Kriegseinsatz favorisierte Hoffmann, als frherer Mitarbeiter der "Heldenklau-Kommission" ein Spezialist auf diesem Gebiet, in seinem Gau eine konsequente und rcksichtlose Politik der "Auskmmung" von Arbeitskrften in Industriebetrieben, Behrden und sonstigen Einrichtungen. Noch im Mrz 1945 lie Hoffmann ber 4.000 "frei gewordene" Arbeitskrfte der Heeresgruppe B fr den "Fronteinsatz" berstellen.


Kriegsendphase




Besprechung in Erwitte, 12.11.1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Das offenbar ausgeprgte Kritikverhalten von Hoffmann sowie sein offen zutage tretender Ehrgeiz, gepaart mit einer gewissen Arroganz, fhrten nach Goebbels (Herbst 1944) zu einer offenen Ablehnung durch die anderen Gauleiter in Westdeutschland.

Der von Goebbels, Bormann und Speer ursprnglich vorgesehene Plan, Hoffmann im Oktober 1944 zum federfhrenden Reichsverteidigungskommissar fr das Rhein-Ruhrgebiet zu ernennen, scheiterte letztendlich aus diesem Grund an der Zustimmung Hitlers. Auch Robert Ley zog Ende 1944 unter anderem bei Goebbels gegen Hoffmann zu Felde, in dem er das von ihm und den anderen Gauleitern im Rhein-Ruhrgebiet als arrogant und rechthaberisch empfundene kritische Verhalten monierte.

Derweil sah Goebbels zu dieser Zeit in Hoffmann einen geeigneten Kandidaten fr hhere Staatsmter als die eines Gauleiters. Andererseits wurde Hoffmann im Oktober 1944 durch den Vertreter des Reichsschatzmeisters im Gau Westfalen-Sd widerrechtliche Entnahmen aus den Gaureserven bzw. Warenlager zugunsten seiner "Anhngerschaft" unterstellt, was anscheinend jedoch nicht aufgeklrt und untersucht wurde.


"Zusammenbruch"




Vereidigung des "Freikorps Sauerland" in Ldenscheid, 12.11.1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Im letzten halben Jahr des Weltkriegs hatte sich der alliierte Bombenkrieg besonders auch im Gaugebiet Westfalen-Sd verschrft. Ab Herbst 1944 gesellten sich zu den schweren Luftangriffen durch strategische Bomber auch Angriffe durch zweimotorige Mittelstreckenbomber und Jagdbomber ("Jabo").

Die stndigen Bombardierungen lieen die greren Stdte in Hoffmanns Gaugebiet in Schutt und Asche versinken. Bereits im September 1944 wurde im Gau Westfalen-Sd das "Freikorps Sauerland" gebildet. Im Oktober 1944 erfolgte die Eingliederung des "Freikorps" als eigene Gauverband in den "Deutschen Volkssturm". Die Manahmen zum Totalen Kriegseinsatz, der Luftkrieg und den Ausbau der Verteidigung im Gaugebiet.

In den letzten Kriegswochen arbeitete Albert Hoffmann als "leitender Reichsverteidigungskommissar West" mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Walter Model zusammen. Hoffmann blieb bis Kriegsende zumindest nach aussen ein fanatisch auftretender Nationalsozialist, gewissenhafter Befehlsempfnger der Partei-Kanzlei sowie ein "treuer Gefolgsmann" Hitlers.

Am 24. Mrz 1945 will es Rstungsminister Albert Speer bei einem Treffen mit den Gauleitern Hoffmann, Schlemann und Florian in Rummenohl bei Hagen gelungen sein, sie von einer Einstellung bzw. Abschwchung der Zerstrungsmanahmen im Zusammenhang mit Hitlers "Nero-Befehl" zu bewegen. Dennoch lie Hoffmann beim Herannahen der US-Truppen innerhalb seines ihm verbliebenen Einflugebiets zahlreiche Brcken und andere Bauwerke ohne Rcksicht auf die Bevlkerung sprengen.

Am Abend des 10. April 1945 wurde die verbunkerte Gaubefehlsstelle auf dem Harkortberg bei Wetter/Ruhr endgltig aufgegeben und gerumt. Seine provisorische Gaubefehlsstelle hatte Hoffmann zuvor im Hotel Dresel in Hagen-Rummenohl bezogen. Bereits am 13. April 1945 lste er auf der letzten improvisierten Kreisleiterkonferenz in seinem improvisierten "Befehlsstand" in Hasslinghausen bei Gevelsberg die NSDAP in seinem Gaugebiet und den "Volkssturm" auf. Dieser ungewhnliche Schritt ist durch mehrere zeitgenssische Quellen und Zeugen belegt. Er stand im vlligen Gegensatz zu den Anordnungen der Partei-Kanzlei und Hitlers, die ein solches Vorgehen als Verrat gedeutet htten.

Bereits etwa zwei Tage vor Hoffmanns Flucht hatten sich auch die Mitarbeiter des behelfsmigen Gaustabs fr Westfalen-Sd in Rummenohl beim Herannahen der amerikanischen Einheiten getrennt sowie in Zivilkleidung und mit falschen Papieren die Flucht ergriffen. Hoffmann versteckte sich nach dem 13. April 1944 zunchst fr rund zwei Wochen im Umkreis von Schwelm.


Internierung, Haft und Entnazifizierung



Am 3. Mai 1945 tauchte er unerwartet in Altena auf, wo sich seit Sommer 1943 im idyllisch gelegenen Dickenhagen der "bombensichere" Wohnsitz seiner Familie (Ehefrau Gretel, Sohn Bolko) befand. Zwei Schuverletzungen an der rechten Hand, die er zwei Tage zuvor bei einer Auseinandersetzung mit "plndernden Russen" erlitten hatte (dabei wurde sein Gaustabsleiter H. Strube gettet), lie er im Stdtischen Krankenhaus in Altena behandeln. Nach dem 5. Mai 1945 hielt sich Hoffmann zeitweise in den Waldungen im Umfeld seines frheren Wohnsitzes, mglicherweise in vorbereiteten Verstecken, verborgen.

Die von der Alliierten Militrregierung und rtlichen Besatzungskommandantur nach einer Meldung des Hoffmann behandelnden Arztes im Raum Altena sofort veranlaten Fahndungsmanahmen blieben jedoch erfolglos. Gegen Ende Mai 1945 setzte er sich zu seiner bereits einen Monat zuvor aus Altena "abgereisten" Frau, Dr. phil. Gretel Hoffmann, geb. Sommer, nach Minden ab. Erst am 4. Oktober 1945 wurde Albert Hoffmann als "Landarbeiter" von der britischen Militrregierung in Marienau bei Hameln aufgegriffen sowie zunchst in Iserlohn inhaftiert und vernommen, um anschlieend im Camp Recklinghausen interniert zu werden. Die britische Militrregierung berstellte ihn im Frhjahr 1946 der amerikanischen Verfgungs- und Vollzugsgewalt.

Fr mehrere Monate war Hoffmann neben dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann und dem Gauleiter von Schwaben, Karl Wahl, 1946 als Zeuge u.a. im Verfahren gegen das NS-Fhrerkorps und die NSDAP beim Internationalen Militrtribunal gegen die Hauptkriegsverbrecher sowie als potentieller Angeklagter im Gerichtsgefngnis von Nrnberg inhaftiert. Dort spielte besonders Hoffmanns "Fliegerbefehl" vom 25. Februar 1945 eine wichtige Rolle bei der Bewertung der zahlreichen Lynchmorde an alliierten Militrangehrigen sowie bei der Rekonstruktion der Befehlsstrukturen und Verantwortlichkeiten.

Aber auch seine Zeugenaussagen im Zusammenhang mit der NS-Kirchenpolitik, der Euthanasie sowie ber den SD (seine eigene Mitgliedschaft im SD wurde hingegen weder von Hoffmann, noch von den Alliierten und im deutschen Spruchgerichtsverfahren thematisiert) kamen in Nrnberg an verschiedenen Verhandlungstagen zur Sprache. In zwei britischen Militrstrafprozessen wurde gegen Hoffmann in Recklinghausen (Oktober 1946) und Hamburg (Dezember 1948) im Zusammenhang mit dem "Fliegerbefehl" sowie der Ermordung von auslndischen Zwangsarbeitern und Staatsangehrigen verhandelt. In diesen Verfahren konnte Hoffmann eine Verantwortung nicht zweifelsfrei nachgeweisen werden, so da er "mangels Beweise" freigesprochen werden mute.

Nach der Internierung durch die alliierte Militrregierung erhielt er im Spruchkammerverfahren im Dezember 1948 in Benefeld-Bomlitz bei Walsrode eine Gesamtstrafe von vier Jahren und neun Monaten, die er - nach Anrechnung der Internierungszeit sowie Bercksichtigung einer Begnadigung durch den niederschsischen Ministerprsidenten - bis April 1950 im Strafgefngnis Esterwegen verbrachte. Von weiteren Strafverfahren blieb Hoffmann indessen verschont, obschon er als Zeuge in verschiedenen Prozessen, so in Mordprozessen gegen Gestapo-Angehrige in Dortmund und Hagen 1950 bzw. 1952, auftrat und seine Position als Gauleiter und RVK z.B. bei den Mordaktionen in der Endphase des Kriegs mehr als nur eine Frage aufwirft. Von der bundesdeutschen Justiz dennoch unbehelligt, lebte er bis zu seinem Tod am 26. August 1972 in Heiligenrode bei Bremen als erfolgreicher Unternehmer in seiner Geburtsstadt.


Quellen



Ralf Blank: Albert Hoffmann. Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar in Westfalen-Sd 1943-1945, in: Westflische Lebensbilder 17, Mnster 2005 [= Verffentlichungen der Historischen Kommission fr Westfalen XXVII A, 17], S. 255-290.

Ralf Blank: Albert Hoffmann als Reichsverteidigungskommissar im Gau Westfalen-Sd, 1943-1945. Eine biografische Skizze, in: Beitrge zur Geschichte des Nationalsozialismus 17 (2001), S. 189-210.

Ralf Blank: "... der Volksemprung nicht zu entziehen". Gauleiter Albert Hoffmann und der "Fliegerbefehl", in: Mrkisches Jahrbuch fr Geschichte 98 (1998), S. 255-296.



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