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Geologie und Paläontologie


Der Ziegelei-Steinbruch in Hagen-Vorhalle


Nationaler Geotop





Fossilfundstelle Hagen-Vorhalle (Geologischer Dienst NRW)

Die Stadt Hagen freut sich, dass die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e.V. den ehemaligen Ziegelei-Steinbruch in Hagen-Vorhalle als eines der bedeutendsten Geotope Deutschlands mit der Auszeichnung "Nationaler Geotop" versehen hat. Am 12. Mai 2006 wurde der Stadt Hagen im Niedersächsischen Landtag in Hannover das Privileg verliehen, zukünftig die Bezeichnung "Nationaler Geotop" zu führen. Gleichzeitig hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erlaubnis erteilt, das offizielle Logo "planeterde® - Welt der Geowissenschaften" für die Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden.






Nationaler Geotop



Die Auszeichnung "Nationaler Geotop" wurde an 77 der bedeutendsten geologischen Aufschlüsse in Deutschland vergeben. In der eindrucksvollen Liste der ausgewählten Geotope befindet sich der ehemalige Ziegelei-Steinbruch Hagen-Vorhalle in einer eindrucksvollen Reihe mit Fossilienfundstellen und Landmarken. Neben Hagen-Vorhalle sind die für ihre Schwimmsaurier berühmten Steinbrüche im baden-württembergischen Holzmaden, die Grube Messel bei Darmstadt, wo unter anderem auch das Ur-Pferdchen entdeckt wurde, und die Steinbrüche der Solnhofener Plattenkalke im Altmühltal, die Fundorte des Ur-Vogels Archaeopterix waren, unter den bedeutendsten Geotopen vertreten.

Ausgezeichnet wurden aber auch geologischen Landschaftsräume und markante Naturdenkmäler, wie beispielsweise der Meteoritenkrater im Nördlinger Ries, die Bruchhauser Steine im Sauerland, die Externsteine in Ostwestfalen, das Felsenmeer bei Hemer, das Randecker Meer auf der Schwäbischen Alb, die Mainschleife bei Volkach, das Neandertal bei Mettmann, die Insel Helgoland und die von Caspar David Friedrich gemalte Kreideküste im Nationalpark Jasmund auf Rügen.


Eine der wichtigsten Fossilfundstellen




Der ehemalige Ziegelei-Steinbruch in Hagen-Vorhalle ist eine der wichtigsten Fossilfundstellen in Deutschland. Die hier aufgeschlossenen Sedimente des unteren Oberkarbon (Namur B) wurden vor etwa 319 Millionen Jahren im Bereich einer Lagune und eines großen Flußdeltas abgelagert. In der geologischen Fachwelt ist der Aufschluss auch wegen der hier anzutreffenden Faltenbilder und Gebirgsstörungen bekannt.

Günstige Erhaltungsbedingungen führten dazu, dass in den Schiefertonen ein einzigartiger Ausschnitt der marinen und terristischen Fauna und Flora überliefert wurde. Seit den 1990er Jahren steht der Steinbruch unter Bodendenkmalschutz. Das bedeutet, dass das Sammeln von Fossilien ohne Genehmigung nicht erlaubt ist und unter Umständen empfindliche Strafen zur Folge haben kann.

Bei den wissenschaftlichen Grabungen des Westfälischen Museums für Naturkunde in Münster wurden unter anderem die weltweit ältesten Fluginsekten in einer ausgezeichneten Erhaltung entdeckt. Darunter finden sich große Urnetzflügler und Libellenarten. Aber auch die Funde von Einhornhaien, Quastenflosser und anderen Tieren sind ebenfalls international bedeutend. Hinzu kommen Pflanzenreste, die in ihrem ausgezeichneten Erhaltungszustand sogar feinste Details erkennen lassen.

Eine repräsentative Auswahl von Fossilien aus dem früheren Ziegelei-Steinbruch sind im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen in Hagen-Vorhalle, in unmittelbarer Nähe zur Fundstelle, und im Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt.


Betreuung der Fundstelle




Das Museum zeigt eine in der vorliegenden Form und vom Forschungsstand weltweit einmalige Rekonstruktion einer riesigen Ur-Libelle, wie sie vor 320 Millionen Jahren in Hagen durch die Lüfte schwirrte. Der bekannte Präparator Werner Kraus aus Aachen berücksichtigte bei dieser Rekonstruktion neueste Erkenntnisse der Forschung. Die Versteinigung der Ur-Libelle mit dem Namen Namurotypus sippeli und einer Flügelspannweite von über 30 cm ist in einer Vitrine mit der lebensechten Plastik zu sehen. Bei der Rekonstruktion handelt es sich um eine Schenkung der Behrendt-Stiftung in Hagen.

Die Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e.V. hat den Begriff Geotop folgendermaßen definiert: "Bei den Geotopen handelt es sich um natürliche oder vom Menschen geschaffene Gesteinsaufschlüsse, um Landschaftsformen oder um Beispiele für das Wirken geologischer Kräfte oder um die Spuren des vorzeitlichen Lebens." Das Bundesministerium für Bildung und Forschung brachte anlässlich der Auszeichnung in Hannover die Erwartung zum Ausdruck, "dass diese besonders auffälligen und außergewöhnlichen und zum Teil spektakulären geologischen Sehenswürdigkeiten der Öffentlichkeit nahe gebracht werden."

In der Stadt Hagen ist diese Perspektive auf fruchtbaren Boden gefallen. Das sich als Publikumsmagnet erweisende Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen wird der nationalen und internationalen Bedeutung der Fossilfundstelle Hagen-Vorhalle mehr als gerecht.



Mit der Auszeichnung "Nationaler Geotop" wurde die Bedeutung der Hagener Fundlandschaft, die bereits im 18. und 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Arbeitsgebieten von Geologen und Archäologen in Europa zählte, eindrucksvoll bestätigt. Nicht zuletzt auch deshalb ist Hagen ein Teil des Projekts "GeoPark Ruhrgebiet".



Weiterführende Informationen

Die Fossilien von Hagen-Vorhalle (Geologischer Dienst NRW)
Geologie und Paläontologie im Historischen Centrum Hagen
Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen
Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e.V.
Planet Erde - Welt der Geowissenschaften



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