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Herausgegeben vom Historischen Centrum Hagen | ISSN 1618 - 9752


Zur Verleihung der Preuischen Stdteordnung an Hohenlimburg 1903


von Ralf Blank

Teil 3 | Inhalt


Grundlagen einer stdtischen Entwicklung




1808 endete die Souvernitt der Grafschaft Limburg und damit auch die direkte Landesherrschaft der Grafen von Bentheim-Tecklenburg.[11] Doch durch die Gebietsgliederung nach franzsischem Verwaltungsmuster ergaben sich fr Limburg neue Impulse. Die nach der franzsischen Gemeindeordnung vom 17. Februar 1800 eingerichtete Mairie (Brgermeisterei) Limburg war Teil des Arrondissement (Kreisgebiet) Hagen im Ruhr-Departement, das zum Groherzogtum Berg im Knigreich Westfalen gehrte.[12] Als Verwaltungssitz des Kanton (Gerichtsbezirk) Limburgs besa der Ort eine zentrale Bedeutung fr das Umland.[13] Die im 18. Jahrhundert vom Bentheimer Grafenhaus begrndete Funktion Limburgs als Hauptort der Grafschaft fand whrend der franzsischen Herrschaft eine Entsprechung in der regionalen Territorialverwaltung. Die franzsische Munizipal-Verfassung kannte keinen Unterschied zwischen Stadt und Land. Insofern erwies sich die franzsische Kommunalverfassung fr Limburg als durchaus vorteilhaft, da nicht - wie bisher auf Grundlage mittelalterlicher Rechtsnormen im Reich blich - zwingend die Vergabe des Stadtrechts notwendig war, um ein stdtisches Gemeinwesen zu entwickeln und zu verwalten. Daher kann die franzsische Herrschaft als eine wesentliche Grundlage fr die kommunale Fortentwicklung Limburgs im 19. Jahrhundert angesehen werden.

Nach dem Ende der franzsischen Herrschaft im Herbst 1813 erfolgte vier Jahre spter die Bildung des preuischen Landkreises Iserlohn, zu dem Limburg im Gemeindeverband mit Elsey und Letmathe als Brgermeisterei angehrte. Bereits 1808 war durch Friedrich Carl vom Stein eine Stdteordnung vorgelegt worden, die zunchst in den damals dem Knigreich Preuen verbliebenen Gebieten eingefhrt wurde. In den preuischen Westprovinzen erfolgte bei der Gebietsneugliederung im Jahr 1817 keinesfalls auch die Einfhrung der Steinschen Stdteordnung. Vielmehr behielten die Gemeinden ber Jahre hinweg die in franzsischer Zeit eingefhrte liberale Kommunalverfassung bei,[14] so auch Limburg. Durch die Herausgabe der Revidierten Stdteordnung vom 17. Mrz 1831 legte die preuische Landesverwaltung eine neue Kommunalverfassung vor.[15] Doch auch diese Stdteordnung wurde in den preuischen Westprovinzen nur zgerlich aufgegriffen. Sie war das Ergebnis der seit 1813 in Preuen betriebenen Restaurationspolitik. Die von den Stadtverordneten gewhlten Brgermeister und der Magistrat entsprachen staatlichen Organen. Hagen fhrte beispielsweise erst im Oktober 1837 einen Magistrat nach der Stdteordnung von 1831 ein. Auf dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft und in Limburg besa das 1817 gefrstete Haus Bentheim-Tecklenburg im 19. Jahrhundert noch Gerichtsrechte und standesherrliche Privilegien, die sich noch bis 1848 auf die Ortspolizei, Ernennung bzw. Besttigung von Brgermeistern und die Zivilgerichtsbarkeit erster Instanz erstreckten.[16] Fr die Limburger Einwohner gab es in der ersten Hlfte des 19. Jahrhundert somit zwei Obrigkeiten: das Frstenhaus Bentheim und die Kniglich-Preuische Regierung, die beide mit ihrem Verwaltungsapparat "vor Ort" vertreten waren. Doch bereits zu dieser Zeit galt Limburg als Stadt, auch wenn keine Stdteordnung als Rechtsgrundlage vorhanden war. So wurde Limburg 1827 als stimmberechtigte Stadt des Mrkischen Wahlbezirks fr den Westflischen Landtag genannt.[17]

Stadt ohne Stdteordnung

1835 verfolgten das Landratsamt in Iserlohn und die Regierung in Arnsberg konkrete Planungen, die amtlich bereits seit vielen Jahren als "Stadt" bezeichnete Gemeinde Limburg nach der Revidierten Stdteordnung von 1831 verwalten zu lassen.[18] Dem zwischen Mrz und August 1835 gefhrten Schriftverkehr ist zu entnehmen, dass Limburg im April des Jahres insgesamt 1858 Einwohner zhlte.[19] Zum Vergleich: Hagen besa im Jahr 1839 rund 4400 Einwohner. Groen Wert legte das Landratsamt auf die genaue Darstellung der Finanzlage und der bisherigen Verwaltungskosten. In einem Schreiben vom 18. Mai 1835 bermittelte Brgermeister Holtschmidt dem Iserlohner Landrat detaillierte Angaben ber den bisherigen Etat sowie ber die Ausgaben.[20] Fr die Polizeidiener in Limburg, Elsey und Letmathe wurden im Vorjahr bei einem Gesamtetat der drei Gemeinden von 2488 Taler jhrlich insgesamt 219 Taler ausgegeben. Die Brgermeisterei verursachten Kosten in Hhe von 157 Taler. Am 20. Mai 1835 berieten die Limburger "Stadtvertreter" auf Einladung des Brgermeisters Holtschmidt im Gasthof Bra an der Lennebrcke ber den Vorschlag des Iserlohner Landrats. Sie mussten darber befinden, ob Limburg zuknftig nach der Revidierten Stdteordnung oder aber wie bisher im Verbund mit den lndlichen Gemeinden verwaltet werden sollte. Offenbar bestand Konsens unter den Limburger Gemeindevertretern, die Stdteordnung und damit das preuische Stadtrecht verliehen zu bekommen.

Mit Datum vom 17. Juni 1835 meldete sich dann aber die Regierung in Arnsberg und stellte fest, dass hinsichtlich der vorgelegenten Einnahmen und Ausgaben einige Unklarheiten bestehen, die geklrt werden mussten, bevor eine Verleihung der Stdteordnung in Erwgung gezogen werden konnte.[21] Das Vorhaben scheiterte letztlich nicht am Willen der preuischen Regierungsstellen und der Limburger "Stadtvertreter". Vielmehr stand vermutlich die etwas unbersichtliche Finanzlage sowie auch die geringe Zahl von stimmberechtigten Einwohnern in Limburg einer Verleihung der Stdteordnung von 1831 entgegen. Doch offenbar tat dies jedoch der Geltung Limburgs als "Stadt" keinen Abbruch, wie der Schriftverkehr von Regierungsstellen belegt. Limburg fhrte seit Jahrzehnten bereits die Bezeichnung "Stadt" und wurde von offizieller Seite auch als solche angesprochen und rechtlich wahrgenommen. Unklar ist allerdings, inwieweit die Ansprche des Frsten zu Bentheim-Tecklenburg auf die rtliche Rechtspflege und Standesherrschaft, die erst 1848 vollstndig aufgehoben wurden, sich fr die Verleihung der Stdteordnung als problematisch erwiesen hatten.

Nach Einfhrung der Landgemeinde-Ordnung fr die Provinz Westfalen vom 31. Oktober 1841, die ebenfalls ein Produkt restauratorischer Bestrebungen und unzeitgemer Selbstverwaltungsdefinitionen war, erfolgte in Limburg am 3. Februar 1844 die Grndung eines eigenen Amtsbezirks (ab 1879: Amt Hohenlimburg), der aus den Gemeinden Limburg, Elsey und Letmathe bestand. Am 31. Oktober 1841 war ergnzend festgelegt worden, dass in Stdten ber 2500 Einwohnern die Revidierte Stdteordnung von 1831 als verbindlich eingefhrt werden soll.[22] In anderen Stdten, wie beispielsweise in Limburg, war die Landgemeinde-Ordnung anzuwenden, sofern nicht die Stadtverordneten-Versammlung ausdrcklich die Verleihung der Stdteordnung wnschten. Die fr Limburg geltende Landgemeinde-Ordnung vom 19. Mrz 1856 fhrte zu keinen nennenswerten Vernderungen.[23] Die Kommune wurde gem diesen beiden Landgemeinde-Ordnungen als Titularstadt gefhrt, eine Verleihung von Stadtrechten nach der Stdteordnung von 1856 erfolgte jedoch nicht. Als Titularstadt besa Limburg eine eigene Stadtverordneten-Versammlung und hatte ihre Verwaltung an die Stdteordnung angepasst. Anders als vor 1844, wo ein Brgermeister Limburg vorstand, leitete bis 1903 ein preuischer Amtmann, der vom Regierungsprsidenten ernannt und nicht von den "Stadtverordneten" gewhlt wurde, die Verwaltung der Gemeinde und des Amtsbezirks. Das Amt Limburg umfasste Limburg sowie die Landgemeinden Elsey und Letmathe. Als sich im Mrz 1848 auch in Limburg die Revolution bemerkbar machte, war auf auf den Statuten der Brgerwehr "Stadt Limburg" zu lesen. Der Sicherheitsausschuss war fr die Stadt Limburg zustndig und der vom preuischen Militr im Mai 1849 ausgesprochene Belagerungszustand richtete sich gegen die Stadt Limburg im Kreis Iserlohn.



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Copyright Ralf Blank und Historisches Centrum Hagen, alle Rechte vorbehalten. URL: <http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=186> Version vom 4.3.2003