Pfad:  Home > Online-Angebote > Battle of the Ruhr 1939 - 1945

Battle of the Ruhr


Der Ruhr Plan 1937-1939




Kraftwerke und Kokereien




Das Koepchen-Speicherkraftwerk am Hengsteysee bei Hagen, um 1931

Die seit 1935 forcierte Aufrüstungspolitik des Deutschen Reichs, die Besetzung des Rheinlands im folgenden Jahr und das gleichzeitige militärische Eingreifen Deutschlands in den Spanischen Bürgerkrieg sowie die deutsche Flottenrüstung liessen besonders britische Politiker und Militärs eine latente Bedrohung des Friedens im Herzen Europas erkennen. In diesem Zusammenhang stand 1935 auch die Gründung des Bomber Command der Royal Air Force als offensive Luftstreitmacht bei möglichen militärischen Konflikten mit dem Deutschen Reich.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 lagen bereits eine Anzahl von britischen Bombardierungsplänen vor. Unter ihnen befand sich auch der von 1937 bis 1938 ausgearbeitete "Ruhr-Plan". Er sah gezielte Angriffe auf 19 Elektrizitätswerke und 22 Grosskokereien im Rhein-Ruhr-Gebiet vor. Darunter befanden sich das Koepchen-Kraftwerk und das benachbarte Laufwasser-Kraftwerk am Hengsteysee bei Hagen, das "Gerstein-Werk" an der Lippe bei Werne und das Großkraftwerk der VEW in Dortmund. Aber auch Verschiebebahnhöfe in Hamm, Schwerte und Duisburg, die Hafenanlagen von Dortmund und Duisburg sowie mehrere Stahlwerke an Rhein und Ruhr standen bereits 1937/38 auf der Ziellisten des britischen Air Ministry für das Bomber Command der Royal Air Force.

Nach den Vorstellungen der britischen Zielplaner sollte bei Ausbruch eines militärischen Konflikts mit dem Deutschen Reich, die Rüstungsindustrie im Rhein-Ruhr-Gebiet durch massive Luftangriffe sofort ausgeschaltet werden. Von diesen Bombardierungen erhoffte sich das britische Air Ministry im "Ernstfall" die Schwächung der Schlagkraft der deutschen Truppen bei einem Angriff gegen Frankreich. Allerdings überschätzten die britischen Zielplaner die möglichen Auswirkungen ihres Konzepts erheblich. Zur Durchführung der so genannten Western Air Plans fehlte es noch im Sommer 1939 an Maschinen, Personal und geeigneten Bomben.


Flugblätter und Luftaufklärung




Whitley-Bomber unternahmen am 3./4.9.1939 die ersten Flugblatt-Einsätze über dem Ruhrgebiet (Imperial War Museum, London)

Nach der britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 3. September 1939 musste sich die britische Luftkriegsführung zunächst auf Flugblattabwürfe und Aufklärungseinsätze beschränken. Die Beweggründe dafür waren vor allem politischer Art. Bereits in der Nacht des 3./4. September 1939 flogen zweimotorige Whitley-Bomber den ersten Einsatz. Über dem Rheinland und das Ruhrgebiet wurden Millionen von Flugblätter mit dem Titel "Warnung - Großbritannien an das deutsche Volk" abgeworfen.

Die Aufklärungsflüge und einzelne Bombereinsätze auf militärische Ziele, wie zum Beispiel norddeutsche Marinewerften, Schiffsconvoys im Kanal und Flugplätze auf den Nordseeinseln, im Herbst 1939 und Winter 1939/40, bestätigten, dass die allzu optimistischen Planungen der Vorkriegsjahre bezüglich einer Luftkriegsführung nicht den Realitäten entsprachen.

Die grösseren Luftangriffe am Tag, wie z.B. am 18. Dezember 1939 gegen den deutschen Marinestützpunkt Wilhelmshaven, erwiesen sich für das Bomber Command als verlustreich. Dagegen versprachen Nachtangriffe einen gewissen Schutz vor der deutschen Jagdabwehr und Flak. Aufgrund der konsequent durchgeführten Verdunklung über dem Deutschen Reich kam es jedoch zu erheblichen Navigations- und Orientierungsprobleme.



Zielwechsel



Zu Beginn des Kriegsjahres 1940 vermuteten die britischen Zielplaner, dass die damals hoch eingestufte Priorität der Elektrokraftwerke und Kokereien in den Vorkriegsjahren überbewertet waren. Im April 1940 wurde vom Air Ministry eine neue Direktive herausgegeben. Nun führten Hydrierwerke zur Herstellung von synthetischem Treibstoff sowie Verschiebebahnhöfe im Rhein-Ruhr-Gebiet die britischen Ziellisten an. Durch die Angriffe auf die Verschiebebahnhöfe und einer häufigen Alarmierung in den Nachtstunden sollte auch die "Kriegsmoral" der Bevölkerung und Industriearbeiter getroffen werden.

Mit dieser Zielpriorität eröffnete das Bomber Command dann einen Monat später, am 15./16. Mai 1940, nach dem deutschen Luftangriff auf Rotterdam, den strategischen Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich. Bis in den Winter 1940/41 standen Verschiebebahnhofe in Hamm, Soest, Schwerte, Osnabrück, Münster, Duisburg, Köln und Düsseldorf immer wieder in den Angriffsbefehlen der Einsatzstaffeln des Bomber Command. Aber auch Hydrierwerke, Kokereien, Flugzeugwerke und andere Betriebe der Rüstungsindustrie, wie vor allem die Krupp-Werke in Essen, wurden angeflogen.



Wichtige Hydrierwerke und chemische Betriebe im Ruhrgebiet


 Firma Produktion 
Gelsenkirchen Gelsenberg Benzin AG 480.000 t 
Gelsenkirchen Hydrierwerk Scholven AG 240.000 t 
Bottrop-Welheim Ruhröl AG 160.000 t 
Oberhausen-Holten Ruhrbenzin AG 80.000 t 
Moers-Meerbeck Treibstoffwerke Rheinpreußen 70.000 t 
Castrop-Rauxel Klöckner-Wintershall AG 40.000 t 
Dortmund Hoesch Benzin GmbH 40.000 t 
Wanne-Eickel Krupp Treibstoffwerke GmbH 65.000 t 
Bergkamen Essener Steinkohle AG 85.000 t 
Duisburg-Meiderich Gesellschaft für Teerverwertung GmbH 200.000 t 
Duisburg-Homberg Schmierölwerke Rheinpreußen > 3.600 t Schmieröl 


Quellen und weitere Recherchen zu den Hydrierwerken im Zweiten Weltkrieg:
Reports




zurück zum Inhaltsverzeichnis

© 1994 ff. Ralf Blank - Alle Rechte vorbehalten.


Bitte beachten Sie das Copyright und Urheberrecht der Artikel, Abbildungen und sonstigen Inhalte. Jegliche kommerzielle und sonstige Nutzung von Artikeln und Inhalten, auch in Teilen, ist untersagt.