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24.11.2018 11:00

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Battle of the Ruhr


Angriffsplne im Ersten Weltkrieg




"Waffenschmiede des Reiches"




Der Langstreckenbomber Handley Page 0/400. Mit diesen Maschinen wurden die ersten strategischen Luftangriffe geflogen (National Air and Space Museum, Washington)

Das Ruhrgebiet stand bereits vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in dem Ruf, die "Waffenschmiede des Deutschen Reiches" zu sein. Aus diesem Grund nahm das Rhein-Ruhr-Gebiet in den britischen und franzsischen Planungen als Ziel fr Langstreckenangriffe eine wichtige Position ein.

Den ersten Bombenabwrfen in den beiden ersten Kriegsjahren, so z.B. 1914 auf Kln und 1915 auf Essen folgten Planungen zur systematischen Bombardierung der deutschen Industrieregionen an der Saar, am Rhein und im Ruhrgebiet. Allerdings waren die Vorstellungen der Entente-Mchte bis 1917 angesichts der unzureichenden technischen Mglichkeiten und organisatorischen Voraussetzungen wenig konsequent durchgefhrt und verwirklicht worden. Erst im April 1917 wurde die Royal Air Force als eine eigenstndige Teilstreitkraft gebildet.

Bis dahin unternahmen Maschinen des Royal Navy Air Staff, die britischen Marineflieger, sowie des Royal Flying Corps die Mehrzahl der Angriffsoperationen gegen das deutsche Hinterland und vor allem im frontnahen Raum. Erste Anstze zu einer koordinierten und planvollen Strategie der Alliierten gegen die Rstungsindustrie im Deutschen Reich wurden ab Herbst 1916 entwickelt. Einen Impuls erhielten sie im Frhjahr des folgenden Jahres u.a. durch den von Deutschland begonnenen uneingeschrnkten U-Bootkrieg sowie durch die wachsende Kriegsmdigkeit in der britischen ffentlichkeit.




Deutsche Propaganda-Karte eines Gotha-Bombers - "Englandflieger"

Hinzu kamen spter noch auenpolitische Grnde, nmlich der Abfall des stlichen Verbndeten nach der Russischen Revolution im November 1917 und dem Sonderfrieden von Brest-Litowsk zwischen Ruland und dem Deutschen Reich im Frhjahr des folgenden Jahres. Im Sommer 1917 unternahmen deutsche Gotha-Langstreckenbomber auch mehrere folgenschwere Angriffe auf London, die einen weiteren innenpolitischen und militrischen Hintergrund fr eine forcierte Bombenkriegspolitik der britischen Regierung darstellten.

Aufgrund des ffentlichen Drucks, der infolge deutscher Luftangriffe, dem anhaltenden U-Bootkrieg und die zunehmende Kriegsmdigkeit in der britischen Bevlkerung verstrkt wurde, entschlo sich das britische Kriegskabinett im Juli 1918 erstmalig zur Verabschiedung eines verbindlichen strategischen Angriffskonzepts. In diesem Bombenkriegsplan wurde das Rhein-Ruhr-Gebiet als besonders wichtige Zielregion eingestuft. Ein weiterer Hintergrund waren die erhofften "moralischen" Auswirkungen von Bombenangriffen auf die deutsche Zivilbevlkerung.


Angriffsziele an Rhein und Ruhr




Ein Ingenieur der AFA in Hagen mit einer riesigen Batteriezelle fr ein U-Boot, 1918

Die in den beiden letzten Jahren des Ersten Weltkriegs entstandenen Ziellisten waren bereits detailliert und nannten fr das Ruhrgebiet u.a. eine mutmassliche Fabrik fr "Gotha"-Bombenflugzeuge auf dem Flugplatz Gelsenkirchen-Rothensee, Maschinenbaubetriebe in Duisburg und Rheinhausen, die Essener Krupp-Werke, zwei grosse Stahlwerke in Dortmund, je eines in Oberhausen, Hagen und Mhlheim sowie die Accumulatoren Fabrik in Hagen.

Vor allem das Hagener Batterienwerk hatte neben den Krupp-Werken in Essen eine sehr hohe Zielprioritt erhalten. Hier wurden U-Bootbatterien hergestellt, die fr den Einsatz dieser Kriegsschiffe unerlsslich waren. Da dieses Werk der einzige bekannte Lieferant im Deutschen Reich war, htte die Zerstrung dieses Betriebs nach den Vorstellungen der britischen Zielplaner 1917 zu schwerwiegenden Auswirkungen auf den U-Bootbau und den operativen Einsatz dieser Kriegswaffe auf See gefhrt.




Viermotoriger Langstreckenbomber Handley Page 1500. Maschinen dieses Typs sollten 1918/19 die strategische Luftoffensive gegen Deutschland erffnen (National Air and Space Museum, Washington)

Einen Zusammenhang mit dem deutschen U-Bootbau bescheinigten die britischen Zielplaner 1917/18 aber auch den Krupp-Werken in Essen sowie den Hasper Eisen- und Stahlwerken bei Hagen. Ausschlaggebend fr eine diese Einschtzung war die Produktion von Spezialstahl, der zu Aussenhllen und Druckkrper der U-Boote verarbeitet wurde. Der am 9. Januar 1917 von Deutschland erklrte uneingeschrnkte U-Bootkrieg stellte fr die alliierte Seefahrt eine ernste Bedrohung dar. Das verdeutlich auch die selektive Zielauswahl der britischen Planungsstbe fr Luftangriffe.

Die damals gebruchlichen groen Doppeldecker-Maschinen waren fr Langstreckenflge noch lngst nicht ausgereift. Hinzu kamen politische DIfferenzen ber die Zielsetzungen der Luftangriffe. Heftig diskutiert wurden z.B. vlkerrechtliche Fragen aufgrund der geplanten Bombardierung von bevlkerungsreichen Stdten. Alles das verhinderte die Umsetzung der militrisch vorbereiteten Luftkriegskonzepte.

Da mit dem Aufbau einer schlagkrftigen Luftflotte in Grobritanien aber erst begonnen wurde, sah der im Juli 1918 vom britischen Kriegskabinett beschlossene Plan den Beginn einer umfassenden Luftoffensive erst fr das Frhjahr 1919 vor. Der Waffenstillstand im November 1918 beendete schlielich den Beginn der Operationen, die auch Langstreckenangriffe auf weit enfernt liegende Ziele wie Berlin eingeplant hatten.


Deutsche Luftverteidigung 1915-1918




Anordnung ber "luftschutzmiges" Verhalten, Sommer 1916 (StadtA Mlheim/Ruhr)

Im Deutschen Reich bereitete sich die militrische Fhrung seit 1915 verstrkt auf Luftangriffe gegen das Rhein-Ruhrgebiet vor. Auf groen Plakaten und in der Presse wurde die Bevlkerung der gefhrdeten Stdte ab Sommer 1916 auf mgliche Luftangriffe vorbereitet und zu einem "luftschutzmssigen" Verhalten aufgefordert. Im Frhjahr 1917 kam es dann zu ersten umfangreichen Verdunklungsmassnahmen.

Im September 1917 ordnete das VII. Armeekorps in Mnster eine generelle nchtliche Verdunklung im Bereich der Stdte am Rhein und im westlichen Ruhrgebiet an. Die Verdunklung der Stdte sowie der Industrie- und Verkehrsanlagen im Rhein-Ruhrgebiet wurden mehrfach berprft. Zu diesem Zweck berflog beispielsweise das Luftschiff LZ 93 der kaiserlich-deutschen Marine im Mai 1917 in mehreren aufeinanderfolgenden Nchten die Region, um bestehende Schwachstellen und zustzliche Tarnmassnahmen zu lokalisieren.

Doch wurde nicht nur der passive Luftschutz seit 1916 forciert betrieben. Auch die Stationierung von Flugabwehr-Einheiten und fliegenden Jagdverbnden erhielt eine hohe Prioritt. Im Herbst 1917 befanden sich in Essen, Dortmund und Dsseldorf drei "Flugabwehrkanonengruppen", die durch "Feuerleitung" mit den wichtigsten Industrie-, Verkehrs- und Kommunalbetrieben in ihren Gebieten verbunden waren.

ber dem gesamten Ruhrgebiet mit seinen angrenzenden Regionen erstreckte sich damals ein umfassendes System von Luftmelde- und Alarmierungseinrichtungen. Doch zu den von deutscher Seite befrchteten schweren Luftangriffen kam es dann aber nicht. Die Plne der britischen Zielstbe verschwanden in den Schubladen und Archive, nicht aber aus den Kpfen der verantwortlichen Militrs, allen voran Lord Hugh M. Trenchard, der 1918 zum ersten Stabschef der Royal Air Force ernannt worden war.


Zum Thema

Blank, Ralf: Strategischer Bombenkrieg gegen Deutschland 1914-1918, in: Clio-Online - Themenportal Erster Weltkrieg, Berlin 2004. URL: www.erster-weltkrieg.clio-online.de/_Rainbow/documents/einzelne/Luftkrieg14_181.pdf



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1994 ff. Ralf Blank - Alle Rechte vorbehalten.