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Historisches Centrum
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Ankndigungen

Battle of the Ruhr


Erste Bomben




Beginn des strategischer Bombenkriegs



In den Kriegsjahren 1940 und 1941 verfolgte der Zielplanungsstab des britischen Air Ministry das Konzept von Angriffen einzelner Maschinen sowie durch kleinere Bomberverbnde auf Militr-, Industrie- und Verkehrsanlagen. Je nach den strategischen Erfordernissen wechselten die Zielprioritten von der zunchst geplanten Zerschlagung der deutschen Energie- und Treibstoffversorgung sowie des Verkehrswesens bis hin zu vorgesehenen Angriffen auf die deutsche U-Bootproduktion und Flugzeugindustrie.




Bombentreffer vor dem Kunstmuseum in Hagen, 16.5.1940 (StadtA Hagen)

Die Angriffe auf Verschiebebahnhfe im Rhein-Ruhr-Gebiet sollten gleichzeitig die Produktivitt und Widerstandskraft der Industriearbeiterschaft schwchen. Deshalb zielten die britischen Luftangriffe bereits frh auch auf die "Kriegsmoral" inder Bevlkerung. Unmittelbar nach dem Beginn des deutschen "Westfeldzuges" am 10. Mai 1940 begannen nchtliche Luftangriffe auf das Rhein-Ruhr-Gebiet.

Am 15./16. Mai 1940 fhrte das britische Bomber Command mit 99 Maschinen den ersten grossen Schlag gegen das Ruhrgebiet und erffnete damit den strategischen Luftkrieg gegen das Deutsche Reich. In dieser Nacht standen vor allem die Hydrierwerke in Oberhausen, Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel, Dortmund, Gelsenkirchen und Bottrop auf den Zielanweisungen der britischen Bomberbesatzungen.

Die britische Luftkriegsfhrung wurde im Sommer 1940 wesentlich offensiver, was nicht zuletzt auch auf die Ernennung von Wiston Churchill, seit September 1939 Erster Lord der Admiralitt, am 10. Mai 1940 zum neuen Premierminister zurckzufhren war. Churchill sah nach der Kapitulation Frankreichs, in den Luftangriffen das einzige Mittel Grobritanniens, um den Krieg tief in das deutsche Reichsgebiet zu tragen.


Stndige Luftangriffe




Tragflche eines abgeschossenen Hampden-Bombers in Hagen, 17.8.1940 (StadtA Hagen)

Bis in den Winter 1940/41 starteten Nacht fr Nacht britische Bomber zu Einstzen gegen das Deutsche Reich, besonders aber gegen das Rhein-Ruhr-Gebiet. Die Luftangriffe richteten sich vorrangig gegen Industrie- und Verkehrsanlagen. Von der deutschen Propaganda wurde der vermeintliche "Terrorcharakter" der britischen Nachtangriffe auf die Zivilbevlkerung sowie Sachschden an zivilen und kulturgeschichtlich bedeutsamen Gebuden schon frh herausstellt.

Die Bombardierungen fhrten aber auch zu schweren Sachschden in Industriebetrieben. Es handelte sich jedoch um vereinzelt auftretende Schden, die 1940 nur relativ geringe Produktionsverluste zur Folge hatten. Gravierender waren dagegen die hufigen Fliegeralarme. Sie fhrten zu Schlafstrungen in der Bevlkerung.

Hinzu gesellten sich vielfltige psychologische Folgen. Im Mai und Juni 1940 erfolgten die Bombenangriffe hufig ohne einen vorherigen Fliegeralarm. In der Bevlkerung kam es daraufhin zu Unruhe und Diskussionen ber das Versagen des Luftwarnsystems. Im Reichsgebiet und besonders an Rhein und Ruhr kursierten auch Gerchte. Der Sicherheits-Dienst der SS (SD) registrierte beispielsweise im Sommer 1940 in Dortmund das Gercht ber den bevorstehenden Einsatz von Giftgas. Dieses Gercht verbreitete sich schnell und fhrte in Teilen der Bevlkerung zu einer Panikstimmung.


"Tarnkappe" ber der Ruhr




Hauptangriffsziele des Bomber Command im Ruhrgebiet 1940

Die bisherige Taktik, einzelne Maschinen und kleine Verbnde gegen einzelne Ziele zu senden, wurde im Winter 1940/41 aufgegeben. Seit Januar 1941 konzentrierte das Bomber Command seine Maschinen in geschlossenen Angriffsverbnden gegen ein Einzelziel. Dadurch sollte eine grere Schadenswirkung erzielt werden. Diese Taktik entsprach weitgehend dem Vorgehen der deutschen Luftwaffe bei ihren Angriffen auf britische Stdte.

Bereits in der Nacht des 9./10. Januar 1941 hatten die Besatzungen von 135 britischen Maschinen den Auftrag erhalten, im geschlossenen Verband die Hydrierwerke Scholven und Gelsenberg bei Gelsenkirchen zu bombardieren. Doch auch diese Operation konnte, wie schon die ber 30 vorausgegangenen Angriffen, nur geringe Schden anrichten.

Ein Angriff auf Gelsenkirchen am 14./15. Mrz 1941 war wesentlich erfolgreicher. Das Hydrierwerk Scholven wurde von zahlreichen Spreng- und Brandbomben getroffen und fr zwei Wochen teilweise lahmgelegt. Dieses Ergebnis zhlte fr das Bomber Command zu den Ausnahmen.

Eine detaillierte Analyse von Angriffs- und Aufklrungsphotos durch Mr. Butt, einem zivilen Angestellten der britischen Regierung, stellte im Juni 1941 das eigentlich schon seit lngerer Zeit in den Fhrungsstben des Bomber Command bekannte Problem heraus: Die britischen Luftangriffe hatten nicht das erreicht, was von ihnen erhofft wurde.

Ein Hauptgrund war: ber der Rhein-Ruhr-Region lagerte fast immer eine dichte und wolkenartige Schicht aus Industriesmog und Bodennebel. Sie machte gezielte Angriffe aus der Luft und dann auch noch unter Nachtflugbedingungen schwierig. Bis zur Einfhrung von Radar und Funkleitverfahren 1942 war diese "Tarnkappe" ber dem Rhein-Ruhr-Gebiet fr die britischen Bomber ein erheblich greres Hindernis, als die massive Abwehr durch Flak-Batterien in dieser Region.


Hinwendung zu Flchenangriffen




Ergnzung zur "Atlantic Directive", 14.3.1941 (National Archives, London)

Im Mrz 1941 erhielt das Bomber Command eine neue Direktive. Der operative Schwerpunkt sollte nach dieser "Atlantic Directive" auf deutsche U-Boot-Sttzpunkte, -werfen und -Zulieferindustren liegen. Von der Bombardierung der wichtigen Zulieferindustrien im Binnenland erhoffte sich das Air Ministry auch Auswirkungen auf die "Kriegsmoral" der Bevlkerung.

Mit dem deutschen berfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 (Unternehmen "Barbarossa") hatte sich auf dem europischen Kriegsschauplatz eine neue politische und strategische Situation ergeben. Das Bestreben des britischen Premiers Churchills war es nun, dem neuen sowjetischen Verbndeten glaubwrdige Erfolge der bis dahin wenig erfolgreichen britischen Luftkriegsfhrung gegen Deutschland zu demonstrieren. Vor diesem Hintergrund stand auch die schon seit mehreren Monaten vorbereitete "Verkehrs-Direktive" gegen das westdeutsche Eisenbahnnetz.

Seit Monatsbeginn Juni 1941 griff das Bomber Command verstrkt Eisenbahnanlagen in Westdeutschland an. In der "Transport Directive" vom 9. Juli 1941 wurden der operative Fokus auf wichtige Eisenbahnzentren, wie vor allem in Kln, Dsseldorf, Duisburg, Hamm, Soest, Osnabrck und Schwerte, gelegt. Durch die Luftangriffe sollte mit Blick auf die neu entstandene Kriegslage in Europa, wie Churchill gegenber Stalin betonte, auch der Nachschubverkehr zwischen Westdeutschland und der damals noch erfolgreichen deutschen Wehrmacht auf dem Kriegsschauplatz im Osten behindert werden.

Die Zielanweisung vom 9. Juli 1941 ist jedoch aus einem weiteren Grund ebenfalls bemerkenswert. hnlich unmiverstndlich wie schon in der "Atlantic Directive" aus dem Mrz 1941, in die auch 'naval targets' im Binnenland, wie Hagen, Mannheim, Stuttgart und Kln, aufgenommen wurden, legte die "Transport Directive" fest, dass mit den Bombardierungen auch die "Kriegsmoral" der Bevlkerung in den ausgewhlten Stdten getroffen werden sollte.



Wegen der damals noch unzureichenden elektronischen Navigations- und Zielfindungsverfahren musste sich das Bomber Command vor allem auf Angriffe gegen Stdte im Rheinland beschrnken. Mehrfach bombardiert wurden im Sommer und Herbst 1941 z.B. Kln, Dsseldorf und Duisburg. Die Stadt Hamm hingegen mit ihrem grossen Verschiebebahnhof sowie die in der "Verkehrs-Direktive" ebenfalls hoch eingestuften Eisenbahnanlagen von Schwerte und Soest wurden im Sommer 1941 nur selten angeflogen.

Die britischen Angriffe auf Industrieanlagen und Grostdte im Rhein-Ruhr-Gebiet erwiesen sich zudem als keineswegs so erfolgreich, wie es die optimistischen Prognosen der Zielplaner sowie die Schlagzeilen der britischen Presse verkndeten. Diese "Erfolge" standen zu dieser Zeit nmlich in keinem Verhltnis zum personellen und materiellen Einsatz des Bomber Command.



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1994 ff. Ralf Blank - Alle Rechte vorbehalten.