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Battle of the Ruhr


Flächenangriffe




Neue Luftkriegsstrategie




Viermotoriger Short Stirling-Bomber, 1942 (Imperial War Museum, London)

Bis Anfang 1942 standen Auswirkungen der britischen Luftangriffe gegen das Deutsche Reich in keinem Verhältnis zum Aufwand und den Personalverlusten. Das hatte der "But-Report" mit seiner detallierten Auswertung von Angriffs- und Aufklärungsfotos im August 1941 eindringlich dolumentiert.

In den politischen Gremien in Großbritannien setzte sich die Auffassung durch, dass den gezielten Luftangriffen auf einzelne Verkehrs- und Industrieanlagen kein Erfolg beschieden war. Von Politikern und Militärs wurde ein Wechsel in der Luftkriegsstrategie gefordert.

Bereits ab Sommer 1941 hatte das Bomber Command mit den ersten Luftangriffen begonnen, die auf die Infrastruktur und Wohngebiete in deutschen Städten zielten. Im Herbst 1941 entstanden Pläne für Flächenangriffe. Sie sollten sich gegen alle Großstädte und eine Anzahl von Mittelstädten im Deutschen Reich richten.

Die Freigabe von Flächenangriffen durch den britischen Verteidigungsausschuß am 14. Februar 1942 erweist sich als eine konsequente Schlußfolgerung aus der militärischen und politischen Situation Großbritanniens. Am 22. Februar 1942 wurde Arthur T. Harris zum neuen Chef des Bomber Command berufen. Harris galt als ein Anhänger von Flächenangriffen. Er war seit Kriegsbeginn in verschiedenen Führungspositionen innerhalb des Bomber Command eingesetzt.



Elektronische Kriegsführung



Im Frühjahr 1942 vollzog sich auch ein technologischer Wandel. Das Navigationssystem 'Gee' ermöglichte den Navigatoren in den Maschinen zum ersten Mal die relativ genau Bestimmung ihrer Position. Dadurch wurde die Planung von Flugrouten und die Lokalisierung des Angriffsziels vereinfacht. Gleichzeitig begann die Royal Air Force mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Streitmacht aus viermotorigen Maschinen der Typen Avro Lancaster, Handley Page Halifax und Short Stirling. Im Juli 1942 gelangte im Bomber Command die zweimotorige De Havilland Mosquito in den Einsatz.

Aber auch die Abwurfmunition wurde erweitert: Neben Sprengbomben unterschiedlicher Kaliber zählten nun auch schwere "Luftminen" sowie Stab- und Flüssigkeits-Brandbomben zur standardisierten Bombenlast für Flächenangriffe auf deutsche Städte. Im Sommer 1942 wurden auch verschiedene Verfahren entwickelt, um ein Angriffsziel zu markieren. Dem eigentlichen Angriffsverband flogen besonders geschulte Besatzungen voraus. Ihre Maschinen kennzeichneten das Ziel mit großkalibrigen und langbrennenden Brandbomben.

Auf den Abwurf von Flugblättern verzichtete das britische Bomber Command auch bei ihren Flächenangriffen nicht. Das Gegenteil war der Fall: Seit 1942 vergrößerte sich die Menge der regelmäßig über dem Deutschen Reich und den von deutschen Truppen verbreiteten Flugblättern und Flugblattzeitungen immer mehr.





Britische Flugblätter, abgeworfen im Juni 1942, aufgefunden und gesammelt in Hagen


Das Ruhrgebiet im Fokus




Eine Lancaster wird mit Abwurfbehälter für Stabbrandbomben beladen (Imperial War Museum, London)

Zu den Hauptzielen der ab März 1942 aufgenommenen Flächenangriffe zählte vor allem die Industriestädte an Rhein und Ruhr. Köln, Düsseldorf, Duisburg und besonders Essen führten 1942 die Prioritätenliste des Bomber Command an. Ähnlich wie die Deutschen bei ihren Flächenangriffen auf englische Städte 1940/41, versprachen sich die an den Planungen beteiligten britischen Militärs und Politiker umfangreiche Rückwirkungen in allen denkbaren Bereichen des öffentlichen Lebens. Die britische Luftoffensive richtete sich gleichermaßen gegen die Zivilbevölkerung und die Infrastruktur in den Großstädten sowie auch gegen die Rüstungsindustrie an Rhein und Ruhr.

Während die Angriffe auf Städte im Rheinland, vor allem auf Köln, Düsseldorf und Duisburg, erstmalig zu schweren Zerstörungen und größeren Personenverlusten führten, blieben die häufigen Luftoperationen gegen Essen weniger "erfolgreich". Sie waren vielmehr Fehlschläge, da ein Großteil der eingesetzten Maschinen die Stadt nicht bombardieren oder erreichen konnten. Die am Rhein gelegenen Städte, hier besonders Köln, Düsseldorf und Duisburg, wurden dagegen im Jahresverlauf 1942 immer wieder schwer getroffen. Unter der Bevölkerung entstanden hohe Verluste, wie sie bis dahin im Deutschen Reich durch britische Luftangriffe nicht registriert wurden.

Ähnlich gestalteten sich die einzelnen britischen Flächenangriffe auf Dortmund und Bochum im Frühjahr 1942. Der Grund lag in den damals noch fehlenden Möglichkeiten, ein Ziel bei Bewölkung und schlechten Sichbedingungen auszumachen, aber auf an den unzureichenden Navigationsverfahren.




Bombenschütze in der Kanzel einer Lancaster (Imperial War Museum, London)

Luftmarschall Harris und der britische Premierminister Winston Churchill erhofften sich von einer kontinuierlichen Bombardierung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets auch Auswirkungen auf die moralische Widerstandskraft der dort lebenden Industriearbeiterschaft sowie ebenfalls eine Lahmlegung der wichtigsten Rüstungsbetriebe. Gleichzeitig sollten die fortgesetzten Luftangriffe, so die allzu optimistischen Vorstellungen der britischen Zielplaner im Winter 1942/43, auch den zentralistisch organisierten Verwaltungsapparat in staatlichen und kommunalen Behörden paralysieren.

Zu Beginn des Jahres 1943 war das britische Bomber Command für die Durchführung von größeren Angriffsvorhaben gerüstet. Moderne Radar- und Zielfindungssysteme, wie OBOE und das H2S-Panorama-Bordradar (dt. Rotterdam-Gerät), sowie die Umstellung auf viermotorige Langstreckenbomber ermöglichten die Aufnahme einer seit mehreren Monaten geplanten Luftoffensive gegen das Rhein-Ruhrgebiet.



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