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Battle of the Ruhr

Die erste "Ruhrschlacht" 1943


Essen als Auftakt zur Luftoffensive



Angriffsfoto, Essen, 25./26.7.1943 (National Archives, London)
In den späten Nachmittagstunden des 5. März 1943 starteten auf Flugplätzen in Ost- und Mittelengland über 442 Maschinen des Bomber Command. Ihr Ziel war die Ruhrmetropole Essen, Sitz der weltberühmten Krupp-Werke und aus alliierter Sicht das Synonym für die deutsche Rüstungsindustrie.

Eine von dem OBOE-Zielfindungssystem an die Stadt Essen herangeführte zweimotorige Mosquito markierte gegen 21.00 Uhr am Abend dieses Tages durch farbige Kaskarden, die von der deutschen Bevölkerung als "Christbäume" bezeichnet wurden, die Krupp-Werke sowie die Essener Innnenstadt.

Anschließend bombardierten rund 360 Maschinen rund eine Stunde lang das Stadtgebiet. Sie lösten über dem "Zielgebiet" rund 1.100 Tonnen Spreng- und Brandmunition aus. Mindestens 457 Menschen fanden bei diesem ersten folgenschweren" Angriff auf die Stadt Essen den Tod. Über 3.000 Gebäude wurden völlig zerstört, Zehntausende Obdachlose standen über Nacht auf der Straße. Aber auch die bedeutenden Krupp-Werke nahmen erstmalig größeren Schaden.



Deutsches Aufklärungsfoto, Innenstadt Essen, 26.3.1943 (StadtA Essen)
Die Bilanz und die Rückwirkungen dieses ersten schweren britischen Bombenangriffs auf die Krupp-Stadt Essen läßt durchaus mit den Folgen des sogenannten 1000-Bomber-Angriffs auf Köln am 30./31. Mai 1942 vergleichen. Bis zum 5. März 1943 war der Angriff auf Köln der bisherige Höhepunkt der britischen Luftkriegsführung gegen das Deutsche Reich. Seit dem 5. März 1943 wiederholten sich derartig schwerwiegende Angriffsfolgen nicht nur in Essen.

Von nun an wurden auch in zahlreichen anderen Großstädten an Rhein und Ruhr, aber auch im in anderen Regionen des Deutschen Reichs große Zerstörungen und hohe Personenverluste bewirkt. Der Angriff auf Essen stellte aber darüber hinaus den Auftakt zu einer bis Mitte Juli 1943 währenden Luftoffensive des Bomber Command dar, die als "Battle of the Ruhr" Eingang in die Geschichtsschreibung fand. Ähnlich wie die deutsche Niederlage in Stalingrad im Januar 1943 war auch diese Luftoffensive ein Wendepunkt auf dem Weg des Deutschen Reichs in die militärische und politische Niederlage.

Im Herbst 1943 konstatierte der Führungsstab des Bomber Command rückblickend, daß es innerhalb der "Battle of the Ruhr" sogar eine eigene "Battle of Essen", nach damaliger britischer Formulierung "the blast furnaces of the devil", gegeben habe. Aber auch die Bevölkerung der rheinischen Großstädte Köln und Düsseldorf mußten zahlreiche schwere Bombardierungen über sich ergehen lassen. Doch auch Städte wie Aachen, Krefeld, Bielefeld, Münster, Mönchengladbach und Wuppertal lagen aus britischer Sicht in der "Ruhr area".
Verheerende Auswirkungen



Zerstörte Staumauer der Möhne-Talsperre, 17.5.1943 (StadtA Hagen)
In der Nacht zum 17. Mai 1943 gelang es einer Spezialeinheit in der Operation "Chastise" (Züchtigung) die massiv gebaute Staumauer der Möhne-Talsperre zu zerstören. Die mit einem Tsunami vergleichbare Hochwasserflut der Ruhr zerstörte zwischen Neheim-Hüsten und Hagen das gesamte Ruhrtal. Mehr als 1.600 Menschen fanden den Tod, darunter über 1.100 ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.



Start einer Lancaster gegen Dortmund, 23.5.1943 (Imperial War Museum, London)
Die "Battle of the Ruhr" führte erstmalig im Deutschen Reich zu nachhaltigen Schäden und Produktionsverlusten in der Rüstungsindustrie. Auch die Personenverluste stiegen stetig an. Der Höhepunkt während der Luftoffensive waren die Monate Mai und Juni 1943. In der Nacht des 4./5. Mai 1943 griff das Bomber Command mit dem bisher größten Verband aus viermotorigen Maschinen die Stadt Dortmund an. Die Metropole des östlichen Ruhrgebiets wurde schwer getroffen, über 690 Menschen verloren ihr Leben. Bei dem zweiten schweren Angriff auf Dortmund am 23./24. Mai 1943 warf das Bomber Command erstmalig über 2.000 Tonnen Bomben in einer Nacht auf eine deutsche Stadt.



Löscharbeiten in Wuppertal, 30.5.1943 (StadtA Bochum)
Bei einem konzentrierten Flächenangriff auf die bergische Metropole Wuppertal am 29./30. Mai 1943 entwickelte sich im Stadtteil Barmen ein Feuersturm, dem in der vom Krieg bis dahin kaum betroffenen Stadt rund 3.400 Menschen zum Opfer fielen.

Im eng bebauten Wuppertal zeigte sich damit erstmalig ein Phänomen, das nur wenige Monate später in Hamburg und dann im Februar 1945 in Pforzheim und Dresden eine der Ursachen für besonders hohe Bevölkerungsverluste war. Der Massenabwurf von Brandbomben liess dabei in Verbindung mit den klimatischen und thermischen Situation ein gewaltiges Großfeuer entstehen, das sich binnen kurzer Zeit in ein alles verschlingendes Flammenmeer entwickelte.



Köln, 29.6.1943 (StadtA Bochum)
Bei einem Flächenangriff von 540 Maschinen auf Köln fanden in der Nacht vom 28./29. Juni 1943 mindestens 4.377 Menschen den Tod. Eine ähnlich hohe Anzahl von Todesopfern als Folge eines einzigen Luftangriff war im Deutschen Reich bis dahin kaum vorstellbar gewesen. Mit Ausnahme der südwestfälischen Stadt Hagen hatte das Bomber Command im Frühjahr und Sommer 1943 alle Großstädte an Rhein und Ruhr bombardiert. Die Verluste unter der deutschen Bevölkerung und den ausländischen Arbeitskräften lagen bei etwa 15.000 Menschen.
Zum Thema

Blank, Ralf: Die "Battle of the Ruhr". Luftangriffe auf das Rheinland und das Ruhrgebiet im Frühjahr und Sommer 1943, in: historicum.net [26.10.2003], URL: www.bombenkrieg.historicum.net/themen/ruhrgebiet1943.html
Blank, Ralf: Die Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 - "Operation Züchtigung". Die Zerstörung der Möhne-Talsperre, in: Internet-Portal Westfälische Geschichte (Ereignis des Monats Mai 2006), Münster 2006. URL: www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/ku.php
Mauer, Benedikt: Düsseldorf im Bombenkrieg, in: historicum.net [10.12.2004], URL: www.bombenkrieg.historicum.net/themen/duesseldorf.html


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