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24.11.2018 11:00

Geokidz

Exkursion in den Steinbruch Hohenlimburg fr Kinder ab 4 Jahren

Battle of the Ruhr


Rckwirkungen




Propaganda und Evakuierungen




Schler warten auf dem Bahnhof Wanne-Eickel auf ihren Abtransport im Rahmen der Kinderlandverschickung, Juli 1943

Die Rckwirkungen der "Battle of the Ruhr" zeigten sich auf vielfltige Weise. In den damals geheimen Lageberichten des Sicherheitsdienstes (SD) des Reichsfhrers SS wurde im Frhjahr und Sommer 1943 mehrfach auf eine groe Beunruhigung innerhalb der Bevlkerung Westdeutschlands hingewiesen.

Der nationalsozialistische Reichsminister fr Volksaufklrung und Propaganda, Dr. Joseph Goebbels, in Personalunion gleichzeitig auch Vorsitzender des im Januar 1943 gegrndeten Interministeriellen Luftkriegsschdenausschusses (ILA), versuchte die moralischen Auswirkungen der Bombardierungen in einer verstrkten Propagandaoffensive aufzufangen. Im April 1943 besuchte Goebbels das Rheinland und die Stadt Essen.

Die NS-Fhrung setzte ab Frhjahr 1943 u.a. auf eine verschrfte antisemitische Propaganda, durch die versucht werden sollte, die Juden als die vermeintlichen "Hintermnner" des alliieren Bombenkriegs hinzustellen. Gleichzeitig verstrkte sich die Hapropaganda gegen die alliierten Bomberbesatzungen, und hier besonders die US-amerikanischen Flieger. Sie wurden als "Luftpiraten", "Mrderbanden", "Gangstertypen" und "Terrorflieger" verunglimpft. Eine Folge dieser Propaganda waren die zahlreichen Lynchmorde an allliierten Fliegern, die vor allem ab Sommer 1943 in fast allen Teilen des Reichsgebiets stattfanden.












Farbfotografien aus der zerstrten Innenstadt von Dortmund, August 1943 (W. Lehmacher, Sollbach/Blank)


Eine von Goebbels im Frhjahr des Jahres initiierte Aktion zur gezielten Verbreitung von Gerchten ber den bevorstehenden Einsatz von "neuen Waffen" sollte den "Durchhaltewillen" in der Bevlkerung und ihren Glauben an einen "Endsieg" Deutschlands strken. Unter diesem Tenor stand auch ein weiterer Besuch von Goebbels im Rhein-Ruhr-Gebiet am 18. Juni 1943.

Nach einer Groveranstaltung in Dsseldorf nahm Goebbels als Redner an der Trauerfeier fr die Todesopfer des Luftangriffs auf Wuppertal-Barmen (29./30. Mai 1943) teil. Der Hhepunkt seiner Reise war jedoch eine Groveranstaltung in der Dortmunder Westfalenhalle am Abend desselben Tages.Vor rund 20.000 Teilnehmern hielt Goebbels hier eine Propagandarede, die der Bevlkerung im Ruhrgebiet und besonders in der durch zwei Luftangriffe schwer mitgenommenen Stadt Dortmund Mut machen und Hoffnung auf eine kommende, von ihm visionr versprochene "Vergeltung" strken sollte.




Luftwaffenhelfer, Hagen, 02.1944 (StadtA Hagen)

Fr die deutsche Bevlkerung stellten die Versprechungen der NS-Fhrer tatschlich den sprichwrtlichen Strohhalm dar, an dem sich die Menschen angesichts der katastrophalen Kriegslage und der immer schlimmer werdenden Bombenangriffe klammerten.

Im Juli 1943 begannen umfangreiche Evakuierungen aus den "luftgefhrdeten" Stdten an Rhein und Ruhr. Die sogenannte Erweiterte Kinderlandverschickung erfasste alle schulpflichtigen Kinder und Jugendliche. Sie wurden mit ihren Schulklassen in damals als "luftsichere" Regionen in Ost- und Sddeutschland sowie bis nach Ungarn "verschickt".

Mittel- und Oberschler der Geburtsjahrgnge 1926-1927 ersetzten ab Februar 1943 in Flakstellungen als "Luftwaffenhelfer" dagegen regulre Luftwaffensoldaten. Im Januar/Februar 1944 folgte der Geburtsjahrgang 1928, im Sommer 1944 wurden auch Lehrlinge und Berufsschler eingezogen.


Schadensbeseitigung




In Bombenrum-Kommandos muten KZ-Hftlinge Blindgnger entfernen, Bochum, 10.7.1943

Den umfangreichen Sachschden in der Rstungsindustrie wurde durch den erstmaligen Einsatz der Organisation Todt (OT) im Deutschen Reich und im August 1943 mit der Bildung eines dem Reichsminister fr Bewaffnung und Munition, Albert Speer, unterstellten "Ruhrstab" begegnet. Bereits im Mai 1943 war die Verlegung von ber 5.000 Angehrigen der OT vom "Atlantikwall" zur Beseitigung der im Ruhrtal entstandenen Schden und fr den Wiederaufbau der Mhne-Talsperre in das Ruhrgebiet erfolgt.

Mit der Einrichtung der OT-Einsatzruppge Rhein-Ruhr blieb diese Bautruppe bis Kriegsende fest im westdeutschen Raum stationiert. Bis Mrz 1944 waren die meisten der im Sommer 1943 entstandenen Sachschden in den Industriebetrieben an Rhein und Ruhr beseitigt. Der Wiederaufbau der Staumauer der Mhne-Talsperre wurde bereits am 3. Oktober 1943 abgeschlossen.




Blick in die zerstrte Innenstadt von Hagen, 2.10.1943 (StadtA Hagen)

Abgesehen von den kontinuierlich erfolgenden Luftangriffen durch kleinere Verbnde zweimotoriger Mosquito-Schnellbomber blieb das Ruhrgebiet im Sptsommer und Herbst 1943 sowie im Winter 1943/44 von schweren Flchenangriffen verschont. Am 29./30. September und 1./2. Oktober 1943 waren die Stdte Bochum und Hagen das Ziel von greren Bombardierungen.

Das Hauptgewicht der Angriffsttigkeit des britischen Bomber Command lag zwischen November 1943 und Mrz 1944 auf der Reichshauptstadt - die "Battle of Berlin". Ab Sommer 1943 griff aber auch die 8. United States Army Air Force (USAAF) in den Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich ein. Die im Januar 1943 auf der Konferenz in Casablanca zwischen Grobritannien und den USA beschlossene "kombinierte Bomberoffensive" nahm damit konkrete Formen an.


Zum Thema



Blank, Ralf: Die "Battle of the Ruhr". Luftangriffe auf das Rheinland und das Ruhrgebiet im Frhjahr und Sommer 1943, in: historicum.net [26.10.2003], URL: www.bombenkrieg.historicum.net/themen/ruhrgebiet1943.html
Sollbach, Gerhard E.: "Schler-Soldaten" Der Einsatz von Luftwaffenhelfern, in: historicum.net [15.10.2003], URL: www.bombenkrieg.historicum.net/themen/luftwaffenhelfer.html
Sollbach, Gerhard E.: Der groe Abschied. Die erweiterte Kinderlandverschickung (KLV), in: historicum.net [15.10.2003], URL: www.bombenkrieg.historicum.net/themen/luftwaffenhelfer.html




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1994 ff. Ralf Blank - Alle Rechte vorbehalten.