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Battle of the Ruhr


Kriegsendphase




Verschärfter Luftkrieg




Halifax-Bomber bei einem Angriff auf das Hydrierwerk in Wanne-Eickel, 12.10.1944 (Imperial War Museum, London)

Nach der für die Alliierten erfolgreich verlaufenden Invasion am 6. Juni 1944 in der nordfranzösischen Normandie erfolgte ein scheinbar unaufhaltsamer Vormarsch alliierter Truppen in Frankreich. Die alliierten Luftstreitkräfte setzten ihre schweren Angriffe auf das Deutsche Reich fort. Führende militärische und politische Kreise der Westalliierten, darunter auch hohe Militärs im Alliierten Oberkommande, rechneten noch im Sommer des Jahres mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes vor Jahresende 1944.

Als die Alliierten dann aber während ihres kombinierten Boden- und Luftlandeunternehmens "Market-Garden" im Raum Arnheim (17.-27. September 1944) auf heftigen Widerstand der deutschen Truppen stießen, erwieses sich die Hoffnungen auf einen "Kollaps" des NS-Regimens als Irrtum. Dieser Erkenntnis folgte die in der SHAEF-Direktive vom 25. September 1944 festgelegten Entscheidung für eine Intensivierung der strategischen Luftangriffe auf Industrie- und Bevölkerungszentren im Deutschen Reich.

Der britische Luftmarschall Arthur W. Tedder, der seit Januar 1944 einer der Stellvertreter des alliierten Oberkommandierenden, General Dwigth D. Eisenhower, war, forderte nachdrücklich die Bombardierung von Verschiebebahnhöfen an Rhein und Ruhr. Seine Forderungen unterstrich Tedder Anfang Oktober 1944 mit dem Wunsch nach Steigerung von Flächenangriffen auf Industriestädte und die Bevölkerung des Ruhrgebiets.

In der SHAEF-Direktive für die alliierten Luftstreitkräfte vom 1. November 1944 erhielten die Eisenbahnanlagen im Rhein-Ruhr-Gebiet in die zweite Zielpriorität. Gleichzeitig wurde diese Region zu einem wichtigen Operationsraum erklärt. Der am 7. November 1944 in Kraft getretende "Transportplans" machte die Eisenbahnanlagen an Rhein und Ruhr schließlich zu erstrangigen Angriffszielen.


Zweite "Luftschlacht über der Ruhr"




Nikolaus-Feier in einem Luftschutzstollen in Hattingen, 6.12.1944 (StadtA Hattingen)

Ab August 1944 flog das britische Bomber Command mit seinen schweren Langstreckenbombern auch am Tag in das Reichsgebiet ein. Die britischen Maschinen wechselten sich über Westdeutschland mit der 8. USAAF ab. Zusätzlich erfolgten nun auch Angriffe durch die taktischen Luftstreitkräfte der Alliierten. Sie setzten Jagdbomber und zweimotorige Mittelstreckenbomber ein.

Doch auch die Flächenangriffe des Bomber Command gingen weiter. Ein schwerer Flächenangriff von 498 Maschinen auf die Stadt Dortmund in den Abendstunden des 6. Oktober 1944 markierte den Beginn einer zweiten "Battle of the Ruhr". Allein dieser Bombenangriff forderte mindestens 1148 Todesopfer. Er stand jedoch nur am Anfang einer Serie von schweren Luftangriffen, die bis zum Jahresende 1944 alle bedeutenden Industriestädte im Rheinland und in Westfalen erfasste.

Die Stadt Essen wurde in der Nacht des 23./24. sowie am 25. Oktober 1944 das Ziel für rund 1.800 Maschinen des Bomber Command. Mindestens 1.163 Menschen verloren in Essen ihr Leben. In den Abendstunden des 4. November 1944 traf es dann Bochum. Mehr als 700 schwere Bomber legten die südwestfälische "Gauhauptstadt" in Schutt und Asche. Im 'Bochumer Verein' und in anderen Betrieben entstanden große Zerstörungen, nicht weniger als 994 Menschen fanden in Bochum den Tod. Im Dezember 1944 folgten weitere schwere Luftangriffe auf Hagen, Soest, Siegen, Witten und Essen.


Operation "Hurricane"






Bombenabwurf einer Lancaster während der Operation "Hurricane" am 15.10.1944 über Duisburg (Imperial War Museum, London) Von links: 1. Abwurf einer 4000 lb-Minenbombe und 30 lb-Flüssigkeitsbrandbomben, 2. Abwurf von 4 lb-Stabbrandbomben, 3. Blick auf das Zielgebiet fallende Sprengbomben


Die Operation "Hurricane" am 14. und 15. Oktober 1944 war einer der Höhepunkte in der zweiten "Battle of the Ruhr". In den Nachtstunden des 14. und am Vormittag des 15. Oktober 1944 bombardierten rund 1.800 britische Maschinen die Verkehrsanlagen und das Stadtgebiet von Duisburg. Sie lösten binnen weniger Stunden über 9.000 Tonnen Sprengbomben über der ohnehin schon schwer angeschlagenen Großstadt und ihrer Bevölkerung aus. Mehr als 2.500 Todesopfer und gewaltige Sachschäden waren die Folgen dieser konzentrierten Angriffsserie auf Duisburg.

Ein Verband von 18 Lancaster-Bomber griff am 15. Oktober 1944 mit fünf Tonnen schweren "Tallboys" den massiven Erd- und Betondamm der Sorpe-Talsperre im Sauerland an. Der große Damm, der bereits am 16./17. Mai 1943 einem britischen Luftangriff widerstanden hatte, konnte wiederum nicht zerstört werden. Die amerikanische 8. US-Luftflotte konzentrierte sich in der Operation "Hurricane" auf zwei Bombenangriffe von 899 bzw. 914 Maschinen auf Verkehrsanlagen in Köln. Hier entstanden schwere Zerstörungen und hohe Personenverluste.


Kombinierte Tages- und Nachtangriffe




Zerstörungen und Rauchwolken nach einem Tagesangriff am 12.9.1944 in Gelsenkirchen

Ab September 1944 verstärkte die 8. USAAF ihre Angriffe auf das Rhein-Ruhr-Gebiet. Im Oktober und November 1944 unternahmen die US-amerikanischen Verbände immer wieder schwere Luftangriffe auf die Hydrierwerke in Gelsenkirchen, Bottrop und Oberhausen. Das Bomber Command beteiligte sich an diesen Bombardierungen mit schweren Tages- und Nachtangriffen auf die Hydrierwerke an Rhein und Ruhr.

Für die deutsche Treibstoffversorgung war die Fortsetzung der im Mai 1944 von den Alliierten in Mittel- und Ostdeutschland begonnene "Oil Offensive" nun auch im Rhein-Ruhr-Gebiet ein schwerer Schlag. Die Hydrierwerke und Bertriebe der Kohlenchemie an Rhein und Ruhr lieferten neben Flugbenzin vor allem wertvolle Schmierstoffe. Ohne einen ausreichenden Nachschub dieser Erzeugnisse war zum Beispiel der Einsatz der neuartigen Düsenjäger Me 262 nicht möglich.

Im Herbst 1944 gerieten auch wieder die Kokereien in den Fokus der alliierten Zielplaner. Sie waren den Steinkohlezechen angeschlossen und produzierten neben Koks vor allem auch wichtige chemische Produkte, wie zum Beispiel Benzol, Stickstoff, Kohlenwasserstoff und Teer.




Das Bahngelände in Hamm, April 1945 (National Archives, College Park)

Der Verschiebebahnhof in Hamm war in den letzten Monaten 1944 mehrfach das Ziel für US-amerikanischer Bomberverbände. Hamm und Gelsenkirchen gehörten neben den Leuna-Werken in Merseburg und die Reichshauptstadt Berlin zu den wichtigsten Angriffszielen der 8. USAAF auf dem europäischen Kriegsschauplatz.

Das verzweigte Gleisnetz in Hamm funktionierte wie eine riesige Drehscheibe. Über Hamm wurde ein Großteils des Güterverkehrs aus dem Ruhrgebiet und in Richtung Westen abgewickelt. Deshalb standen die Bahnalagen schon 1938 auf den Ziellisten des Bomber Command. Zwischen Mai 1940 und August 1941 unternahmen britische Maschinen in über 100 Nächten den Versuch, den Bahnhof zu treffen.

Auch bei der 8. USAAF gehörte Hamm zu den "top targets". Anfang 1943 starteten an vier Tagen US-amerikanische Bomberverbände vergeblich, bis am 19. März 1943 zum ersten Mal der Bahnhof Hamm bombardiert werden konnte. Im Kriegsjahr 1944 kamen die Reparatur-Trupps in Hamm kaum noch nach, um die Schäden der häufigen Tagesangriffe der 8. USAAF zu beseitigen.



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