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Hagen 1939-1945


Verschärfter Bombenkrieg




Die Stadt Hagen wurde erst wieder über ein Jahr nach dem schweren Angriff vom 1. Oktober 1943, und zwar in den Abendstunden des 2. Dezember 1944, das Ziel eines britischen Großluftangriffes. Im Mai 1944 waren bereits die Eisenbahnanlagen von Hagen-Eckesey auf die Zielvorschlagslisten der 8. United States Army Air Force (8. USAAF) gesetzt worden. Der Hintergrund für diese Luftangriffe waren die strategischen Vorbereitungen für die Invasion im Juni des Jahres.

Hagen blieb im Frühjahr und Sommer 1944 von einem US-amerikanischen Tagesangriff verschont. Am 31. Mai 1944 bombardierte die 8. USAAF den Verschiebebahnhof im benachbarten Schwerte. Ein Dossier des Alliierten Oberkommandos (SHAEF) konstatierte im Mai 1944, dass die Stadt Hagen zu den wichtigsten Angriffszielen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet zählt. Auch wurde die Bedeutung des AFA-Werks in Hagen für den deutschen U-Bootbau in diesem Zusammenhang herausgestellt.


Im Fokus der alliierten Zielplaner




Mit dem Beginn der bis Jahresende andauernden zweiten "Battle of the Ruhr" im Oktober 1944 plante das britische Bomber Command an mehreren Tagen schwere Luftangriffe auf Hagen, die aufgrund von ungünstigen Wetterbedingungen und "höherwertigen" taktischen Gründen wiederholt abgesetzt werden mußten. Nachdem das Rhein-Ruhrgebiet im Oktober und November 1944 massiven Bombardierungen durch die 8. USAAF und das Bomber Command ausgesetzt gewesen war, blieb es hingegen in Hagen relativ ruhig.

Erst in der zweiten November-Hälfte setzte das Bomber Command in zwei Nächten kleine Mosquito- Schnellbomberverbände gegen die Stadt an der Volme ein. Sie sollten vermutlich die Stärke der in Hagen stationierten Flugabwehr testen, die vergleichsweise gering war. Im April und Mai 1944 war nämlich ein Großteil der im Raum Hagen stationierten Flakbatterien abgezogen worden, um den Flakschutz von Treibstoffwerken im ostdeutschen Gebiet sowie im Rheinland und Ruhrgebiet zu verstärken.


Der zweite "Großangriff" auf Hagen





Handley Page Halifax, 1944 (Imperial War Museum, London)

Doch am 2. Dezember 1944 rettete weder das Wetter noch taktischen Gründe die Stadt Hagen. In den frühen Nachmittagstunden fiel im Hauptquartier des Bomber Command die endgültige Entscheidung für einen Großangriff auf Hagen. Dieser Angriff wurde als schwerer Flächenangriff geplant. Die Zielplaner erhofften sich auch eine neuerliche Zerstörung der AFA-Werke im Stadtteil Wehringhausen sowie der großen Eisenbahnanlagen in Hagen-Eckesey/Altenhagen.

Im Gegensatz zum Angriff am 1. Oktober 1943 nahmen die 504 am Angriff beteiligten viermotorigen Lancaster und Halifax-Bomber diesmal hauptsächlich schwere Minen- und Sprengbomben in ihre Schächte auf. Etwa 20 Prozent der Abwurfmunition bestand aus Stabbrandbomben. Gegen 17.00 Uhr am späten Nachmittag des 2. Dezember 1944 starteten die ersten schweren Bomber auf ihren ostenglischen Flugplätzen. Der Zielanflug auf Hagen erfolgte aus südwestlicher Himmelsrichtung.




Zerstörte Johanniskirche, 3.12.1944 (L. Neuhoff, StadtA Hagen)

Der Angriff auf Hagen setzte ab 20.55 Uhr ein. Dichte Wolken verhinderten eine sichtbare Zielmarkierung, so dass die schweren Bomber mittels Bordradar angreifen mußten. Bis 21.15 Uhr wurden in Hagen und in der Umgebung der Stadt rund 1.800 Tonnen Spreng- und Brandbomben abgeworfen.

Die Sachschäden in der Stadt waren wiederum schwer, auch erlitt das AFA-Werk erneut umfangreiche Zerstörungen. Bis Anfang des folgenden Jahres lag der Betrieb fast vollständig still. Tausende Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene mussten den Betrieb wieder notdürftig aufbauen.

Viel schlimmer als die Sachschäden waren jedoch die hohen Personenverluste. Über 620 Menschen fanden in der Stadt und ihrer näheren Umgebung den Tod. Darunter befanden sich mindestens 100 ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.



Fortsetzung

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