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17.11.2019 15:00

Archologie hautnah

Fhrung mit einem Archologen durch das Museum
23.11.2019 11:00

Tauchfahrt in die Vergangenheit

Exkursion in den Steinbruch Hohenlimburg

Hagen 1939-1945


"Heimatfront" 1943





Avro Lancaster, 1943 (Imperial War Museum, London)

In den Abendstunden des 1. Oktober 1943 starteten 262 Maschinen des britischen Bomber Command gegen das Ruhrgebiet. Ihr Ziel war die Stadt Hagen. Der Hauptangriffsverband von 229 Lancaster und acht Mosquito bombardierte zwischen 22.00 und 22.15 Uhr das Hagener Stadtgebiet. ber der 'target area' lsten sie rund 1.200 Tonnen Spreng- und Brandbomben aus. Rund 20 Minuten nach dem Ende des ersten Angriffs bombardierten zwei Mosquitos erneut die Stadt Hagen.

Mit dem Angriff auf Hagen richtete sich das britische Bomben Command gegen die letzte noch unzerstrte Grostadt im Rheinland und Ruhrgebiet. Der rstungswirtschaftliche Zielwert von Hagen als 'naval target' war mit 'Priority 1+' zwar sehr hoch, aber bei den Planungen fr einen Luftangriff auf die Stadt hatten mehrere Faktoren eine Rolle gespielt.



Eine Fehleinschtzung "rettet" Hagen




Im Frhjahr und Sommer 1943 hatte das Bomber Command in der "Battle of the Ruhr" systematisch die Grostdte an Rhein und Ruhr bombardiert. Nur Hagen blieb verschont. Das britische Ministry of Economic Warfare und das US-amerikanische Board of Economic Warfare waren zu Beginn des Jahres 1943 zur (falschen) Erkenntnis gelangt, da ein Luftangriff auf das AFA-Werk Hagen keine kurzfristigen Rckwirkungen auf den Bau und den Einsatz von U-Booten zeigen wrde.

Nachkriegsuntersuchungen des United States Strategic Bombing Survey belegten jedoch, da sich die Alliierten in ihrer Beurteilung von Hagen geirrt hatten. Die Zerstrung des AFA-Werks in Hagen 1941-1942, auf dem Hhepunkt der "Schlacht im Atlantik", htte sich auf den U-Bootkrieg ausgewirkt.

Das britische Ministry of Home Security stellte in einem Anfang 1943 verfassten Bericht fest, da die industrielle Bedeutung der Stadt Hagen hoch sei. Die geringte Flche des bebauten Stadtgebiets und Einwohnerzahl machte Hagen jedoch zu keinem idealen "Flchenziel". Fr die Hagener Bevlkerung erwies es sich als groes Glck, dass ihre Stadt seit 1942 beim britischen Bomber Command nur 'secondary importance' besa.



Erster schwerer Luftangriff auf die Stadt





Lscharbeiten in der Elberfelderstrasse, 2.10.1943 (W. Lehmacher, StadtA Hagen)

Der erste schwere Luftangriff auf die Stadt Hagen war dennoch auerordenlich schwer in seinen Auswirkungen auf die Bevlkerung und das Gemeinwesen. Dr. Joseph Goebbels, Reichminister fr Volksaufklrung und Propaganda, verglich ihn in seinen Tagebuchaufzeichnungen mit dem verheerenden Angriff auf Wuppertal-Barmen im Juni 1943.

Obwohl das Zentrum der Stadt in Schutt und Asche versank, forderte der Angriff "nur" mindestens 266 Todesopfer. Im Sommer 1943 waren nmlich im Zuge der "erweiterten Kinderlandverschickung" (KLV) die Mehrzahl von Kindern, Frauen und ltere Menschen aus Hagen evakuiert worden.




Hagen - am 'Tag danach'. Blick auf die Rauch verhangene Innenstadt am Vormittag des 2.10.1943 (W. Lehmacher, Slg. Sollbach/Blank)

Doch auch andere Grnde hatten dafr gesorgt, dass der britische Flchenangriffe nicht hnlich katastrophale Auswirkungen zeigte, wie im Sommer 1943 in anderen Stdten des Reiches. Im Herbst 1943 verfgte die Stadt Hagen ber ein relativ gut ausgebautes System von Luftschutzbauten.

Aber auch das Wetter spielte eie Rolle. Zum Zeitpunkt des Angriffs lagerte eine dichte Wolkendecke ber der Stadt. Etwa die Hlfte des Angriffsverbands bombardierte mittels Radar nicht die Innenstadt und die Vororte, sondern Wlder und unbewohnte Feldflchen im Umkreis von Hagen.

Fr das britische Bomber Command war der Angriff dennoch kein "Mierfolg". Als groen Erfolg verbuchte das Air Ministry die Teilzerstrung des AFA-Werks in Hagen. In diesem besonders "kriegswichtigen" Betrieb waren schwere Sachschden entstanden. Die Produktion von U-Bootbatterien konnte jedoch grtenteils auf die Zweigwerke in Hannover und Posen verteilt werden. Der Wiederaufbau durch Tausenden von Zwangsarbeitern erfolgte unter Leitung der Organisation Tod (OT) und wurde im Mrz 1944 abgeschlossen.



Fortsetzung

1995 ff. Ralf Blank - Alle Rechte vorbehalten.