Pfad:  Home > Online-Angebote > NS-Gauleiter

Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Heinrich Vetter (1890-1969)


von Ralf Blank



Ortsgruppenleiter in Hagen, 1925 - 1932
Leiter des Bezirks Lenne-Volme, 1926-1932
Kreisleiter in Hagen, Oktober 1932 - 1934
Gauinspektor in Westfalen-Süd, 1934 - 1936
Stellvertretender Gauleiter in Westfalen-Süd, Oktober 1936 - April 1945
Oberbürgermeister der Stadt Hagen, März 1933 - April 1945
Mitglied des Reichstags, September 1930 - Mai 1945



Jugend und Werdegang




Heinrich Vetter, 1930

Heinrich Hermann Vetter wurde am 10. September 1890 in Fulda als Sohn des Schuhmachers Nikolaus Vetter und seiner Ehefrau Maria, geb. Fuhrmann, geboren. Nach dem Umzug in das sauerländische Hobräck bei (Hagen-)Dahl, der Vater war bereit ein Jahr nach seiner Geburt verstorben, kam er mit fünf Jahren in ein von Nonnen geleitetes Waisenhaus in Paderborn, wo er bis zu seinem zwölften Lebensjahr blieb und die katholische Volksschule besuchte. Anschließend lebte Heinrich Vetter in Hohenlimburg bei seiner Mutter und den sechs Geschwistern.

Einen Beruf erlernte Vetter nicht, da er nach eigenen Angaben bereits als Vierzehnjähriger zur Ernährung der Familie beitragen mußte. Wohl aus diesem Grund nahm er eine Tätigkeit als ungelernter Fabrikarbeiter auf und trat 1906 für zwei Jahre als Mitglied dem Deutschen-Metallarbeiter-Verband bei. Von Oktober 1911 bis September 1913 leistete er im Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 seine Militärdienstzeit ab. Anschließend arbeitete Vetter bis zum Kriegsausbruch im August 1914 als Steinbruchsarbeiter in den Dolomitwerken in Hagen-Halden.

Im Ersten Weltkrieg war er überwiegend an der "Westfront" eingesetzt und erlitt Anfang 1917 schwere Verletzungen, die zum Verlust des rechten Fußes sowie zu Folgeschäden am linken Arm führten. Als Feldwebel sowie als Inhaber der Kriegsauszeichnungen des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Verwundetenabzeichens in Silber wurde er offiziell im März 1919 mit einer 60% Kriegsbeschädigung aus dem Heer entlassen. Am 1. Oktober 1917 trat er bei der Hagener Firma Funcke & Hueck eine Stellung als "Betriebsbeamter" bzw. Lohnbuchhalter (nach seinen Angaben) an, tatsächlich aber eine Tätigkeit als Pförtner, die er bis September 1930 ausübte.

1919 begann Vetter seine politische Laufbahn und trat der Deutschen Volkspartei (DVP) bei. 1921 zog er für die DVP in die Stadtverordneten-Versammlung in Hagen ein, die er 1923 wieder verließ. Im Frühjahr 1924 engagierte er sich schließlich im Völkisch-Sozialen-Block, der ein Sammelbecken für die zu dieser Zeit verbotenen NSDAP darstellte. 1923 hatte Vetter (in erster Ehe) Luise Bertram geheiratet. Mit ihr bezog er 1925 ein Eigenheim in Hagen-Emst.


Karriere in der NSDAP




Vetter und der NSDAP-Kreisleiter Trumpetter (r) vor dem Rathaus in Hagen, 1933

Unmittelbar nach der Aufhebung des Verbots der NSDAP trat Vetter am 9. Mai 1925 mit der Mitgliedsnummer 16447 in die Partei ein. An der Neugründung der Ortsgruppe Hagen zehn Tage später war er maßgeblich beteiligt. Vom damaligen Bezirksleiter der NSDAP, Josef Wagner, wurde Vetter zum Ortsgruppenleiter von Hagen ernannt. 1926 wurde er vom Gauleiter des "Großgaues Ruhr", Karl Kaufmann, zum Leiter des Bezirks Lenne-Volme (Stadt- und Landkreise Hagen, Altena, Iserlohn und Lüdenscheid) berufen.

Nach der Stadtverordnetenwahl vom 17. November 1929 saß Vetter als einer von zwei Abgeordneten der NSDAP erneut in der Hagener Stadtverordneten-Versammlung; gleichzeitig war er auch Abgeordneter der Partei im Westfälischen Provinziallandtag. In der Reichstagswahl am 14. September 1930 erhielt Vetter für die NSDAP im Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd) einen Sitz im Reichstag. Am 1. Oktober 1932 wurde er durch den Gauleiter in Westfalen-Süd, Josef Wagner, zum Kreisleiter von Hagen berufen.

Noch im selben Jahr erfolgte die Ernennung zum "Reichsredner". Dabei handelte es sich um eine parteiamtliche Funktion für rhetorisch bzw. propagandistisch als besonders befähigt beurteilte Parteifunktionäre, die z.B. im Wahlkampf auf Massenveranstaltungen auftreten sollten. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Vetter am 24. April 1933 das Amt des Oberbürgermeisters von Hagen zunächst kommissarisch übertragen. Erst im Februar 1934 erfolgte durch das Preußische Ministerium des Innerendie offizielle Bestätigung Vetters als Oberbürgermeister.


Oberbürgermeister und Stellvertretender Gauleiter




Heinrich Vetter, Portrait, 1938

Zwischen 1934 und 1936 wurde er in Westfalen-Süd als Gauinspektor der NSDAP eingesetzt, wobei seine bisher wahrgenommene Tätigkeit als Kreisleiter zunächst auf den Ortsgruppenleiter von Hagen-Mitte, Albert Trumpetter, und nach dessen Absetzung wegen Unterschlagung 1936 auf den Ortsgruppenleiter von Altenhagen/Eckesey, dem Schmiedemeister August Schmidt, überging.

Auf Vorschlag von Josef Wagner wurde Vetter am 26. Oktober 1936 von Hitler zum Stellvertretenden Gauleiter und Nachfolger von Emil Stürtz ernannt. Gleichzeitig wurde Vetter zum Hauptdienstleiter der NSDAP befördert. In Vertretung von Josef Wagner, der als Gauleiter und Oberpräsident von Schlesien sowie als Reichskommissar für die Preisbildung im Gau Westfalen-Süd überwiegend abwesend war, erledigte Vetter die geschäftsführende Leitung des Gaues. Bis Ende 1941 nahm er regelmäßig auch an den Sitzungen des Reichsverteidigungsausschusses für den Wehrkreis VI im Oberpräsidium in Münster teil. Im Oktober 1940 wurde er in den neu gebildeten, sechsköpfigen "Haushaltsauschuß" für die Provinz Westfalen berufen.

Im "Dritten Reich" hatte die Kommunalverwaltung von Hagen nach verschiedenen, im Zusammenhang mit dem Spruchgerichtsverfahren gegen Vetter 1947-1948 vorgebrachten Aussagen weit über die Grenzen der Stadt einen denkbar schlechten Ruf, der anscheinend in zahlreichen Korruptionsaffairen und Personalskandalen begründet lag. In den diversen Vorkommnissen und Affairen war besonders auch Vetter persönlich involviert.

Beispielsweise wurde Vetter am 26. Juni 1943 durch den Hagener Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Lüsebrink aufgrund eines "irrsinnigen" persönlichen Auftritts in volltrunkenem Zustand während eines Fliegeralarms im Hochbunker Bergstraße, der die dort Schutzsuchenden in ernste Schwierigkeiten gebracht haben soll, angezeigt, was Lüsebrink hingegen eine ernste Ermahnung durch den Hagener Gestapo-Chef, Friedrich Hollborn, einbrachte.

Besonders aber die Affaire um den Hagener Stadtrat und Polizeidezernenten Dr. Alfred Müller, der an mehreren "Orgien und sexuellen Ausschweifungen" in einem "bordellartigen" Haus in der Körnerstraße teilgenommen hatte, führte in Hagen zu einem öffentlichen Skandal. Vetter und sein Personalchef, Friedrich Feldtscher, versuchten unter Einsatz von Rechtsbeugung und massiven Drohungen das vom Regierungspräsidenten in Arnsberg durchgeführte Dienststrafverfahren, das im Sommer 1944 mit der Entlassung von Müller endete, zu verhindern.

Eine weitere Strafverfolgung von Müller verschleppte Vetter dadurch, in dem er die Ermittlungsankten für eine "Rücksprache" mit dem Gauleiter Hoffmann auf der Befehlsstelle Harkortberg in Wetter anforderte. Nachfragen ließ er anschließend stets beantworten, daß die angebliche Rücksprache mit Hoffmann noch nicht stattgefunden habe. Schließlich wurden die Akten bei der Räumung der Gaubefehlsstelle auf dem Harkortberg im April 1945 vernichtet.


Gallionsfigur eines "Alten Kämpfers"




Heinrich Vetter, HJ-Führertagung in Lippstadt, März 1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Skandale und Affairen, aber wohl auch persönlicher Defizite galt Vetter innerhalb des NS-Führerkorps als völlig ungeeignet für die Position eines Gauleiters sowie für die Wahrnehmung der geschäftsführende Leitung eines Gaues, was die Partei-Kanzlei in einer Beurteilung ausdrücklich konstatiert hatte.

Martin Bormann legte als Leiter der Partei-Kanzlei nach einem Antrag von Albert Hoffmann auf sofortige Entlassung Vetters, die dem Gauleiter wohl auch im Zusammenhang mit der oben geschilderten "Affaire Dr. Müller" notwendig erschien, im November 1943 fest, daß die de facto beschlossene Absetzung in einem "ehrenvollen" Rahmen "nach dem Krieg" vorzunehmen sei.

Daraufhin wurde Vetter als "alter Kämpfer" anscheinend nur noch als eine Art von Gallionsfigur geduldet, obgleich er den Gauleiter 1944 auf einigen wichtigen Besprechungen offiziell vertrat sowie auch mehrere öffentliche Veranstaltungen abhielt. Auch während der mehrmonatigen Erkrankung des Gauleiters Hoffmann von Januar bis März 1944 fungierte er als offizieller Vertreter im Amt.

Im Dezember 1944 eskalierte der Skandal um den früheren Polizei-Dezernenten in Hagen nochmals. Nachdem Vetter den Landgerichtspräsidenten von Hagen und dessen Ehefrau unter fadenscheinigen Gründen inhaftieren ließ, kam es zu einer Beschwerde bei dem Reichsinnenminister und Reichsführer SS Himmler. Die Untersuchung der Vorfälle durch das Reichsinnenministerium legte den Verdacht auf Korruption und Machtmißbrauch nahe. Die Vorwürfe wurden auch dem Chef des Reichssicherheits-Hauptamts, Dr. Ernst Kaltenbrunner, zur weiteren Untersuchung vorgelegt.

Gauleiter Albert Hoffmann hatte die Entlassung Vetters bereits beschlossen und wohl auch mit der Partei-Kanzlei abgestimmt. Sein Nachfolger, der Gaustabsamtsleiter Hans Strube, sollte am 21.4.1945 ernannt werden. Das Gaugebiet Westfalen-Süd wurde jedoch bis zum 17.4.1945 von US-Truppen eingenommen, so dass Vetters Entlassung als Stellvertretender Gauleiter hinfällig geworden war.


Kriegsende, Internierung und "Entnazifizierung"



Wenige Stunden vor dem Einmarsch von US-amerikanischen Truppen in Hagen am 15. April 1945 tauchte Heinrich Vetter unter und versteckte sich auf einem Bauernhof im Umkreis von Breckerfeld. Vor seiner Flucht in das vorbereitete Verseckt forderte er von dem 'Kampfkommandanten' in Hagen, Oberstleutnant Hartmann, nachdrücklich die Verteidigung "seiner" Stadt Hagen mit "allen Mitteln" und bis zur "letzten Patrone". Die zwei Tage vorher erfolgte Auflösung der NSDAP und des Volkssturms durch Gauleiter Albert Hoffmann verurteilte er scharf als Verrat.

Am 24. April 1945 wurde Vetter in seinem Versteck von US-Soldaten aufgespürt und verhaftet. Anfäglich erfolgte seine Festsetzung im Untersuchungsgefängnis Hagen sowie gegen Ende April 1945 in einem provisorischen Internierungszentrum in Lüdenscheid. Seit dem 4. Mai 1945 wurde Vetter aufgrund seiner Zugehörigkeit zum politischen Führerkorps für rund drei Jahre im britischen Internierungslager C.I.C. 5 (Civil Internment Camp No 5 = Lager für Zivilinternierte Nr. 5, d. V.) in Paderborn-Staumühle interniert.

Am 6. November 1948 kam es zu einer zweitägigen Verhandlung gegen Vetter vor dem Entnazifizierungs-Hauptausschuss in Hagen. Vetter trat vor dem Ausschuss als ein "kompromißloser Anhänger seines Führers" auf . Dennoch wurde er in die Kategorie III (Minderbelasteter) eingestuft, da ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie die Kenntnis von solchen Taten nicht nachgewiesen werden konnten.

Der Hagener Entnazifizierungs-Ausschuss konstatierte ausdrücklich, das "zusammenfassend festgestellt werden [kann], dass es sich bei Vetter um einen fanatischen Anhänger der nationalsozialistischen Lehre handelt, der nie bereit sein wird, sich einem neuen demokratischen Staatsgefüge anzupassen. [...] Unter Demokratie versteht er den Staatsaufbau des Dritten Reiches. Er wird auf unbegrenzter Zeit ein Gegner der demokratischen Staatsauffassung sein und diese bekämpfen, wo ihm die Gelegenheit dazu gegeben ist."

Der Vorsitzende des Entnazifizierungs-Ausschusses stellte in seinem Urteil zusätzlich heraus, dass er in der Person von Heinrich Vetter "eine Gefahr für den reibungslosen Aufbau eines neuen deutschen Staatswesens" sah. Bei Heinrich Vetter erwies sich die Einstufung in die Kategorie III, der höchsten von den deutschen Behörden zu vergebenen Kategorie, als völlig unzureichend, denn eigentlich hätte er aufgrund seines "Fanatismus" und im Hinblick auf sein fortgesetztes politisches Wirken in die Kategorie II (Aktivisten und Nutznießer) eingestuft werden müssen. Eine solche Einstufung konnte jedoch nur von der britischen Militär-Regierung festsetzt werden.

Am 30. November 1948 tagte auch das Spruchgericht Hiddesen in Hagen. In der Bevölkerung wurde die viertägige Verhandlung gegen Heinrich Vetter nach Presseberichten kaum wahrgenommen und anscheinend auch weitgehend ignoriert. Im Sitzungssaal des Landgerichts Hagen waren ausser den mit dem Verfahren befassten Personen kaum Interessenten anwesend. Während der Verhandlung wiederholte Vetter seine bereits in den vorausgegangenen staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen getroffenen Aussagen.

Der öffentliche Ankläger beantragte nach Abschluss der Beweisaufnahme für Vetter eine Haftstrafe von sieben Jahren. Das Gericht hingegen stellte am 3. Dezember 1948 eine Gesamtstrafe von vier Jahren und zwei Monaten fest, unter vollständiger Anrechnung der Internierungszeit. Da kein Haftbefehl erlassen wurde, konnte Vetter das Gericht als freier Mann verlassen.


"Bewegung Reich"



Nach der Entlassung aus dem Internierungslager nahm Heinrich Vetter den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern des NS-Führerkorps auf. Bereits 1947 stand er unter der Beobachtung des britischen Militär-Geheimdienstes. In der Straßenbahn, in Geschäften, auf der Straße und in Gesprächen suggerierte Vetter, dass die damalige Entwicklung nur vorübergehend sei. Die NSDAP würde wieder erstehen, so Vetter, und sich die Bedingungen für Deutschland dann wieder günstiger gestalten.

Ab 1948 war Vetter maßgeblich am Aufbau einer rechtsextremen Gruppierung beteiligt, die unter wechselnden Bezeichnungen in Nordrhein-Westfalen durch das Verbreiten von Flugblättern und ausgestanzten Hakenkreuzen in Erscheinung trat. Die "Bewegung Reich", so der Name dieser Gruppierung ab 1949, arbeitete mit dem früheren Stuka-Flieger Hans-Ulrich Rudel sowie dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier und willfähiger militärischer Exekutor des 20. Juli 1944, Ernst Otto Remer, zusammen.

Im November 1952 wurde Vetter als politischer Kopf der rechtsextremen "Bewegung Reich" verhaftet und fünf Monate später zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, von der er jedoch nur wenige Wochen "absitzen" mußte. Als Mitwirkender in rechtsextremen Publikationen und Aktivitäten, die u.a. von seiner zweiten Ehefrau herausgegeben wurden, trat er bis zu seinem Tod am 30. Dezember 1969 immer wieder in Erscheinung.

Seine 1992 posthum veröffentlichen "Erinnerungen" zeigen Vetter als einen unbelehrbaren Nazi, der bis ins hohe Alter "seinen Führer" huldigte und die historischen Fakten leugnete. Vetter definierte in seinen "Memoiren" das "Dritte Reich" rückblickend als die beste Zeit seines Lebens. Die "Memoiren" des einstigen Hagener Oberbürgermeisters und Stellvertretenden Gauleiters in Westfalen-Süd verschwanden glücklicherweise sehr bald aus dem Buchhandel.

Heinrich Vetter war ein besonders extremes Beispiel für einen "Alten Kämpfer" der NSDAP. Verwurzelt in der nationalsozialistischen Ideologie und mit den Ansichten eines kleingeistigen Spießbürgers repräsentierte er über Jahre die Kultur und Politik in der südwestfälischen Großstadt Hagen sowie auch in der Region. Obwohl nicht direkt in massive Verbrechen verstrickt, war Vetter an der Verfolgung von politischen Gegnern sowie am Terror, an der Ausplünderung und der Ermordung von Juden im NS-Gau Westfalen-Süd aktiv beteiligt. Vor einer weitergehenden Strafverfolgung in der Nachkriegszeit rettete ihn seine Kriegsverletzung, die zurückhaltende deutsche Justiz und sicherlich auch sein provokativ-dreistes Auftreten vor Gericht.

Im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit seiner früheren Amtskollegen aus dem NS-Führerkorps, die das Kriegsende überlebt hatten, verschwand Vetter nach 1945 nicht in der "Versenkung" oder passte sich der neuen politischen Situation an. Vetter agierte besonders zu Beginn der 1950er Jahre auf einer Weise, die vermuten lässt, dass er diesen Abschnitt der deutschen Geschichte als eine neue "Kampfzeit" der nationalsozialistischen "Bewegung" wahrgenommen hatte. Diese völlig realitätsferne Deutung der politischen Situation in der Nachkriegszeit begleitete Vetter bis in die letzten Jahre seines Lebens, das 1969 in einem finanziellen und persönlichen Desaster endete.


Quellen

Ralf Blank: Zur Biografie des Hagener Oberbürgermeisters und stellvertretenden Gauleiters in Westfalen-Süd, Heinrich Vetter (1890-1969), in: Westfälische Zeitschrift 151/152 (2001/2002), S. 414-447.

Blank, Ralf: "... ein fanatischer Anhänger der nationalsozialistischen Lehre". Heinrich Vetter und die Vergangenheitsbewältigung in Hagen, in: Hagener Jahrbuch 4 (1999), S. 149-172.




© Ralf Blank. Alle Rechte vorbehalten.



Bitte beachten Sie das Copyright und Urheberrecht der Artikel, Abbildungen und sonstigen Inhalte. Jegliche kommerzielle und sonstige Nutzung von Artikeln und Inhalten, auch in Teilen, ist untersagt.