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24.11.2018 11:00

Geokidz

Exkursion in den Steinbruch Hohenlimburg fr Kinder ab 4 Jahren

Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Heinrich Vetter (1890-1969)


von Ralf Blank



Ortsgruppenleiter in Hagen, 1925 - 1932
Leiter des Bezirks Lenne-Volme, 1926-1932
Kreisleiter in Hagen, Oktober 1932 - 1934
Gauinspektor in Westfalen-Sd, 1934 - 1936
Stellvertretender Gauleiter in Westfalen-Sd, Oktober 1936 - April 1945
Oberbrgermeister der Stadt Hagen, Mrz 1933 - April 1945
Mitglied des Reichstags, September 1930 - Mai 1945



Jugend und Werdegang




Heinrich Vetter, 1930

Heinrich Hermann Vetter wurde am 10. September 1890 in Fulda als Sohn des Schuhmachers Nikolaus Vetter und seiner Ehefrau Maria, geb. Fuhrmann, geboren. Nach dem Umzug in das sauerlndische Hobrck bei (Hagen-)Dahl, der Vater war bereit ein Jahr nach seiner Geburt verstorben, kam er mit fnf Jahren in ein von Nonnen geleitetes Waisenhaus in Paderborn, wo er bis zu seinem zwlften Lebensjahr blieb und die katholische Volksschule besuchte. Anschlieend lebte Heinrich Vetter in Hohenlimburg bei seiner Mutter und den sechs Geschwistern.

Einen Beruf erlernte Vetter nicht, da er nach eigenen Angaben bereits als Vierzehnjhriger zur Ernhrung der Familie beitragen mute. Wohl aus diesem Grund nahm er eine Ttigkeit als ungelernter Fabrikarbeiter auf und trat 1906 fr zwei Jahre als Mitglied dem Deutschen-Metallarbeiter-Verband bei. Von Oktober 1911 bis September 1913 leistete er im Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 seine Militrdienstzeit ab. Anschlieend arbeitete Vetter bis zum Kriegsausbruch im August 1914 als Steinbruchsarbeiter in den Dolomitwerken in Hagen-Halden.

Im Ersten Weltkrieg war er berwiegend an der "Westfront" eingesetzt und erlitt Anfang 1917 schwere Verletzungen, die zum Verlust des rechten Fues sowie zu Folgeschden am linken Arm fhrten. Als Feldwebel sowie als Inhaber der Kriegsauszeichnungen des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Verwundetenabzeichens in Silber wurde er offiziell im Mrz 1919 mit einer 60% Kriegsbeschdigung aus dem Heer entlassen. Am 1. Oktober 1917 trat er bei der Hagener Firma Funcke & Hueck eine Stellung als "Betriebsbeamter" bzw. Lohnbuchhalter (nach seinen Angaben) an, tatschlich aber eine Ttigkeit als Pfrtner, die er bis September 1930 ausbte.

1919 begann Vetter seine politische Laufbahn und trat der Deutschen Volkspartei (DVP) bei. 1921 zog er fr die DVP in die Stadtverordneten-Versammlung in Hagen ein, die er 1923 wieder verlie. Im Frhjahr 1924 engagierte er sich schlielich im Vlkisch-Sozialen-Block, der ein Sammelbecken fr die zu dieser Zeit verbotenen NSDAP darstellte. 1923 hatte Vetter (in erster Ehe) Luise Bertram geheiratet. Mit ihr bezog er 1925 ein Eigenheim in Hagen-Emst.


Karriere in der NSDAP




Vetter und der NSDAP-Kreisleiter Trumpetter (r) vor dem Rathaus in Hagen, 1933

Unmittelbar nach der Aufhebung des Verbots der NSDAP trat Vetter am 9. Mai 1925 mit der Mitgliedsnummer 16447 in die Partei ein. An der Neugrndung der Ortsgruppe Hagen zehn Tage spter war er mageblich beteiligt. Vom damaligen Bezirksleiter der NSDAP, Josef Wagner, wurde Vetter zum Ortsgruppenleiter von Hagen ernannt. 1926 wurde er vom Gauleiter des "Grogaues Ruhr", Karl Kaufmann, zum Leiter des Bezirks Lenne-Volme (Stadt- und Landkreise Hagen, Altena, Iserlohn und Ldenscheid) berufen.

Nach der Stadtverordnetenwahl vom 17. November 1929 sa Vetter als einer von zwei Abgeordneten der NSDAP erneut in der Hagener Stadtverordneten-Versammlung; gleichzeitig war er auch Abgeordneter der Partei im Westflischen Provinziallandtag. In der Reichstagswahl am 14. September 1930 erhielt Vetter fr die NSDAP im Wahlkreis 18 (Westfalen-Sd) einen Sitz im Reichstag. Am 1. Oktober 1932 wurde er durch den Gauleiter in Westfalen-Sd, Josef Wagner, zum Kreisleiter von Hagen berufen.

Noch im selben Jahr erfolgte die Ernennung zum "Reichsredner". Dabei handelte es sich um eine parteiamtliche Funktion fr rhetorisch bzw. propagandistisch als besonders befhigt beurteilte Parteifunktionre, die z.B. im Wahlkampf auf Massenveranstaltungen auftreten sollten. Nach der nationalsozialistischen Machtbernahme wurde Vetter am 24. April 1933 das Amt des Oberbrgermeisters von Hagen zunchst kommissarisch bertragen. Erst im Februar 1934 erfolgte durch das Preuische Ministerium des Innerendie offizielle Besttigung Vetters als Oberbrgermeister.


Oberbrgermeister und Stellvertretender Gauleiter




Heinrich Vetter, Portrait, 1938

Zwischen 1934 und 1936 wurde er in Westfalen-Sd als Gauinspektor der NSDAP eingesetzt, wobei seine bisher wahrgenommene Ttigkeit als Kreisleiter zunchst auf den Ortsgruppenleiter von Hagen-Mitte, Albert Trumpetter, und nach dessen Absetzung wegen Unterschlagung 1936 auf den Ortsgruppenleiter von Altenhagen/Eckesey, dem Schmiedemeister August Schmidt, berging.

Auf Vorschlag von Josef Wagner wurde Vetter am 26. Oktober 1936 von Hitler zum Stellvertretenden Gauleiter und Nachfolger von Emil Strtz ernannt. Gleichzeitig wurde Vetter zum Hauptdienstleiter der NSDAP befrdert. In Vertretung von Josef Wagner, der als Gauleiter und Oberprsident von Schlesien sowie als Reichskommissar fr die Preisbildung im Gau Westfalen-Sd berwiegend abwesend war, erledigte Vetter die geschftsfhrende Leitung des Gaues. Bis Ende 1941 nahm er regelmig auch an den Sitzungen des Reichsverteidigungsausschusses fr den Wehrkreis VI im Oberprsidium in Mnster teil. Im Oktober 1940 wurde er in den neu gebildeten, sechskpfigen "Haushaltsauschu" fr die Provinz Westfalen berufen.

Im "Dritten Reich" hatte die Kommunalverwaltung von Hagen nach verschiedenen, im Zusammenhang mit dem Spruchgerichtsverfahren gegen Vetter 1947-1948 vorgebrachten Aussagen weit ber die Grenzen der Stadt einen denkbar schlechten Ruf, der anscheinend in zahlreichen Korruptionsaffairen und Personalskandalen begrndet lag. In den diversen Vorkommnissen und Affairen war besonders auch Vetter persnlich involviert.

Beispielsweise wurde Vetter am 26. Juni 1943 durch den Hagener Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Lsebrink aufgrund eines "irrsinnigen" persnlichen Auftritts in volltrunkenem Zustand whrend eines Fliegeralarms im Hochbunker Bergstrae, der die dort Schutzsuchenden in ernste Schwierigkeiten gebracht haben soll, angezeigt, was Lsebrink hingegen eine ernste Ermahnung durch den Hagener Gestapo-Chef, Friedrich Hollborn, einbrachte.

Besonders aber die Affaire um den Hagener Stadtrat und Polizeidezernenten Dr. Alfred Mller, der an mehreren "Orgien und sexuellen Ausschweifungen" in einem "bordellartigen" Haus in der Krnerstrae teilgenommen hatte, fhrte in Hagen zu einem ffentlichen Skandal. Vetter und sein Personalchef, Friedrich Feldtscher, versuchten unter Einsatz von Rechtsbeugung und massiven Drohungen das vom Regierungsprsidenten in Arnsberg durchgefhrte Dienststrafverfahren, das im Sommer 1944 mit der Entlassung von Mller endete, zu verhindern.

Eine weitere Strafverfolgung von Mller verschleppte Vetter dadurch, in dem er die Ermittlungsankten fr eine "Rcksprache" mit dem Gauleiter Hoffmann auf der Befehlsstelle Harkortberg in Wetter anforderte. Nachfragen lie er anschlieend stets beantworten, da die angebliche Rcksprache mit Hoffmann noch nicht stattgefunden habe. Schlielich wurden die Akten bei der Rumung der Gaubefehlsstelle auf dem Harkortberg im April 1945 vernichtet.


Gallionsfigur eines "Alten Kmpfers"




Heinrich Vetter, HJ-Fhrertagung in Lippstadt, Mrz 1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Skandale und Affairen, aber wohl auch persnlicher Defizite galt Vetter innerhalb des NS-Fhrerkorps als vllig ungeeignet fr die Position eines Gauleiters sowie fr die Wahrnehmung der geschftsfhrende Leitung eines Gaues, was die Partei-Kanzlei in einer Beurteilung ausdrcklich konstatiert hatte.

Martin Bormann legte als Leiter der Partei-Kanzlei nach einem Antrag von Albert Hoffmann auf sofortige Entlassung Vetters, die dem Gauleiter wohl auch im Zusammenhang mit der oben geschilderten "Affaire Dr. Mller" notwendig erschien, im November 1943 fest, da die de facto beschlossene Absetzung in einem "ehrenvollen" Rahmen "nach dem Krieg" vorzunehmen sei.

Daraufhin wurde Vetter als "alter Kmpfer" anscheinend nur noch als eine Art von Gallionsfigur geduldet, obgleich er den Gauleiter 1944 auf einigen wichtigen Besprechungen offiziell vertrat sowie auch mehrere ffentliche Veranstaltungen abhielt. Auch whrend der mehrmonatigen Erkrankung des Gauleiters Hoffmann von Januar bis Mrz 1944 fungierte er als offizieller Vertreter im Amt.

Im Dezember 1944 eskalierte der Skandal um den frheren Polizei-Dezernenten in Hagen nochmals. Nachdem Vetter den Landgerichtsprsidenten von Hagen und dessen Ehefrau unter fadenscheinigen Grnden inhaftieren lie, kam es zu einer Beschwerde bei dem Reichsinnenminister und Reichsfhrer SS Himmler. Die Untersuchung der Vorflle durch das Reichsinnenministerium legte den Verdacht auf Korruption und Machtmibrauch nahe. Die Vorwrfe wurden auch dem Chef des Reichssicherheits-Hauptamts, Dr. Ernst Kaltenbrunner, zur weiteren Untersuchung vorgelegt.

Gauleiter Albert Hoffmann hatte die Entlassung Vetters bereits beschlossen und wohl auch mit der Partei-Kanzlei abgestimmt. Sein Nachfolger, der Gaustabsamtsleiter Hans Strube, sollte am 21.4.1945 ernannt werden. Das Gaugebiet Westfalen-Sd wurde jedoch bis zum 17.4.1945 von US-Truppen eingenommen, so dass Vetters Entlassung als Stellvertretender Gauleiter hinfllig geworden war.


Kriegsende, Internierung und "Entnazifizierung"



Wenige Stunden vor dem Einmarsch von US-amerikanischen Truppen in Hagen am 15. April 1945 tauchte Heinrich Vetter unter und versteckte sich auf einem Bauernhof im Umkreis von Breckerfeld. Vor seiner Flucht in das vorbereitete Verseckt forderte er von dem 'Kampfkommandanten' in Hagen, Oberstleutnant Hartmann, nachdrcklich die Verteidigung "seiner" Stadt Hagen mit "allen Mitteln" und bis zur "letzten Patrone". Die zwei Tage vorher erfolgte Auflsung der NSDAP und des Volkssturms durch Gauleiter Albert Hoffmann verurteilte er scharf als Verrat.

Am 24. April 1945 wurde Vetter in seinem Versteck von US-Soldaten aufgesprt und verhaftet. Anfglich erfolgte seine Festsetzung im Untersuchungsgefngnis Hagen sowie gegen Ende April 1945 in einem provisorischen Internierungszentrum in Ldenscheid. Seit dem 4. Mai 1945 wurde Vetter aufgrund seiner Zugehrigkeit zum politischen Fhrerkorps fr rund drei Jahre im britischen Internierungslager C.I.C. 5 (Civil Internment Camp No 5 = Lager fr Zivilinternierte Nr. 5, d. V.) in Paderborn-Staumhle interniert.

Am 6. November 1948 kam es zu einer zweitgigen Verhandlung gegen Vetter vor dem Entnazifizierungs-Hauptausschuss in Hagen. Vetter trat vor dem Ausschuss als ein "kompromiloser Anhnger seines Fhrers" auf . Dennoch wurde er in die Kategorie III (Minderbelasteter) eingestuft, da ihm Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie die Kenntnis von solchen Taten nicht nachgewiesen werden konnten.

Der Hagener Entnazifizierungs-Ausschuss konstatierte ausdrcklich, das "zusammenfassend festgestellt werden [kann], dass es sich bei Vetter um einen fanatischen Anhnger der nationalsozialistischen Lehre handelt, der nie bereit sein wird, sich einem neuen demokratischen Staatsgefge anzupassen. [...] Unter Demokratie versteht er den Staatsaufbau des Dritten Reiches. Er wird auf unbegrenzter Zeit ein Gegner der demokratischen Staatsauffassung sein und diese bekmpfen, wo ihm die Gelegenheit dazu gegeben ist."

Der Vorsitzende des Entnazifizierungs-Ausschusses stellte in seinem Urteil zustzlich heraus, dass er in der Person von Heinrich Vetter "eine Gefahr fr den reibungslosen Aufbau eines neuen deutschen Staatswesens" sah. Bei Heinrich Vetter erwies sich die Einstufung in die Kategorie III, der hchsten von den deutschen Behrden zu vergebenen Kategorie, als vllig unzureichend, denn eigentlich htte er aufgrund seines "Fanatismus" und im Hinblick auf sein fortgesetztes politisches Wirken in die Kategorie II (Aktivisten und Nutznieer) eingestuft werden mssen. Eine solche Einstufung konnte jedoch nur von der britischen Militr-Regierung festsetzt werden.

Am 30. November 1948 tagte auch das Spruchgericht Hiddesen in Hagen. In der Bevlkerung wurde die viertgige Verhandlung gegen Heinrich Vetter nach Presseberichten kaum wahrgenommen und anscheinend auch weitgehend ignoriert. Im Sitzungssaal des Landgerichts Hagen waren ausser den mit dem Verfahren befassten Personen kaum Interessenten anwesend. Whrend der Verhandlung wiederholte Vetter seine bereits in den vorausgegangenen staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen getroffenen Aussagen.

Der ffentliche Anklger beantragte nach Abschluss der Beweisaufnahme fr Vetter eine Haftstrafe von sieben Jahren. Das Gericht hingegen stellte am 3. Dezember 1948 eine Gesamtstrafe von vier Jahren und zwei Monaten fest, unter vollstndiger Anrechnung der Internierungszeit. Da kein Haftbefehl erlassen wurde, konnte Vetter das Gericht als freier Mann verlassen.


"Bewegung Reich"



Nach der Entlassung aus dem Internierungslager nahm Heinrich Vetter den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern des NS-Fhrerkorps auf. Bereits 1947 stand er unter der Beobachtung des britischen Militr-Geheimdienstes. In der Straenbahn, in Geschften, auf der Strae und in Gesprchen suggerierte Vetter, dass die damalige Entwicklung nur vorbergehend sei. Die NSDAP wrde wieder erstehen, so Vetter, und sich die Bedingungen fr Deutschland dann wieder gnstiger gestalten.

Ab 1948 war Vetter mageblich am Aufbau einer rechtsextremen Gruppierung beteiligt, die unter wechselnden Bezeichnungen in Nordrhein-Westfalen durch das Verbreiten von Flugblttern und ausgestanzten Hakenkreuzen in Erscheinung trat. Die "Bewegung Reich", so der Name dieser Gruppierung ab 1949, arbeitete mit dem frheren Stuka-Flieger Hans-Ulrich Rudel sowie dem ehemaligen Wehrmachtsoffizier und willfhiger militrischer Exekutor des 20. Juli 1944, Ernst Otto Remer, zusammen.

Im November 1952 wurde Vetter als politischer Kopf der rechtsextremen "Bewegung Reich" verhaftet und fnf Monate spter zu einer zweijhrigen Haftstrafe verurteilt, von der er jedoch nur wenige Wochen "absitzen" mute. Als Mitwirkender in rechtsextremen Publikationen und Aktivitten, die u.a. von seiner zweiten Ehefrau herausgegeben wurden, trat er bis zu seinem Tod am 30. Dezember 1969 immer wieder in Erscheinung.

Seine 1992 posthum verffentlichen "Erinnerungen" zeigen Vetter als einen unbelehrbaren Nazi, der bis ins hohe Alter "seinen Fhrer" huldigte und die historischen Fakten leugnete. Vetter definierte in seinen "Memoiren" das "Dritte Reich" rckblickend als die beste Zeit seines Lebens. Die "Memoiren" des einstigen Hagener Oberbrgermeisters und Stellvertretenden Gauleiters in Westfalen-Sd verschwanden glcklicherweise sehr bald aus dem Buchhandel.

Heinrich Vetter war ein besonders extremes Beispiel fr einen "Alten Kmpfer" der NSDAP. Verwurzelt in der nationalsozialistischen Ideologie und mit den Ansichten eines kleingeistigen Spiebrgers reprsentierte er ber Jahre die Kultur und Politik in der sdwestflischen Grostadt Hagen sowie auch in der Region. Obwohl nicht direkt in massive Verbrechen verstrickt, war Vetter an der Verfolgung von politischen Gegnern sowie am Terror, an der Ausplnderung und der Ermordung von Juden im NS-Gau Westfalen-Sd aktiv beteiligt. Vor einer weitergehenden Strafverfolgung in der Nachkriegszeit rettete ihn seine Kriegsverletzung, die zurckhaltende deutsche Justiz und sicherlich auch sein provokativ-dreistes Auftreten vor Gericht.

Im Gegensatz zur berwiegenden Mehrheit seiner frheren Amtskollegen aus dem NS-Fhrerkorps, die das Kriegsende berlebt hatten, verschwand Vetter nach 1945 nicht in der "Versenkung" oder passte sich der neuen politischen Situation an. Vetter agierte besonders zu Beginn der 1950er Jahre auf einer Weise, die vermuten lsst, dass er diesen Abschnitt der deutschen Geschichte als eine neue "Kampfzeit" der nationalsozialistischen "Bewegung" wahrgenommen hatte. Diese vllig realittsferne Deutung der politischen Situation in der Nachkriegszeit begleitete Vetter bis in die letzten Jahre seines Lebens, das 1969 in einem finanziellen und persnlichen Desaster endete.


Quellen

Ralf Blank: Zur Biografie des Hagener Oberbrgermeisters und stellvertretenden Gauleiters in Westfalen-Sd, Heinrich Vetter (1890-1969), in: Westflische Zeitschrift 151/152 (2001/2002), S. 414-447.

Blank, Ralf: "... ein fanatischer Anhnger der nationalsozialistischen Lehre". Heinrich Vetter und die Vergangenheitsbewltigung in Hagen, in: Hagener Jahrbuch 4 (1999), S. 149-172.




Ralf Blank. Alle Rechte vorbehalten.