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Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Josef Terboven (1898-1945)


von Ralf Blank



Ortsgruppenleiter in Essen, 1925-1927
Leiter des Bezirks Essen, 1927-1929
Gauleiter in Essen, August 1929 - April 1945
Reichskommissar für Norwegen, April 1940 - Mai 1945
Mitglied des Reichstags, September 1930 - Mai 1945



Jugend und Werdegang




Josef Terboven, 1934 (Sammelbild)

Josef Antonius Heinrich Terboven wurde am 23.5.1898 in Essen als Sohn eines Landwirts geboren. Als kriegsfreiwilliger Unterprimaner nahm er vom 22.6.1915 bis 22.12.1918 am Ersten Weltkrieg teil und wurde als Leutnant der Reserve entlassen. Zwischen 1919 und 1921 absolvierte Terboven ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und Freiburg auf, das er jedoch ohne Abschluß abgebrochen hatte.

Von 1923 bis 1925 folgte eine Ausbildung als Bankkaufmann in Essen, anschließend die Übernahme als Bankbeamter. Terboven trat erstmalig 1923 und nach ihrem Verbot am 4.8.1925 erneut in die NSDAP (Mitgliedsnr. 25247) sowie in die SA ein und war zunächst Ortsgruppenleiter der Stadt Essen. 1927 wurde er als NSDAP-Bezirksleiter für den Bezirk Essen eingesetzt.

Am 1.8.1929 erfolgte durch Hitler die Ernennung Terbovens zum Leiter des neugebildeten NS-Gaues Essen, im gleichen Jahr gründete er die Nationalzeitung in Essen. Seit dem 14.9.1930 besaß Terboven als Abgeordneter für den Wahlkreis 23 (Düsseldorf-West) ein Reichstagsmandat. Nach der Beförderung zum SA-Gruppenführer (9.11.1936: SA-Obergruppenführer) am 1.3.1933 und später zum Preußischen Staatsrat, erfolgte 1935 die Übernahme der Aufgabe des Oberpräsidenten der Rheinprovinz.

Bei Terbovens kirchlicher Hochzeit in Essen am 28.6.1934 war auch Adolf Hitler anwesend, der unmittelbar nach dieser Feier nach München reiste, um den vermeintlichen Röhm-Putsch niederzuschlagen. Am 1.9.1939 wurde Terboven zum Reichsverteidigungskommissar im Wehrkreis VI ernannt (im April 1940 durch den Gauleiter von Köln-Aachen, Josef Grohé, abgelöst).


Reichskommissar in Norwegen




Terboven (r) mit Goebbels bei dessen Besuch in Norwegen, 28.11.1940 (Universität Bergen)

Durch Erlaß Hitlers vom 24.4.1940 erfolgte unter Beibehaltung der Position als Gauleiter von Essen die Ernennung von Josef Terboven zum Reichskommissar für Norwegen, staats- und besoldungsrechtlich vergleichbar mit der Position eines Reichsministers als Oberste Reichsbehörde. Mit der Führung der laufenden Amtsgeschäfte wurde gleichzeitig der Stellvertretende Gauleiter von Essen, Fritz Schleßmann, beauftragt.

Im März 1942 erfolgte die Entbindung von Terboven von den Aufgaben des RVK für den Wehrkreis VI. Die Aufgaben als Gauleiter von Essen wurden von Terboven, seit November 1942 zumindestens nominell auch RVK des Gaues Essen, anläßlich gelegentlicher Besuche in seinem Gaugebiets sowie in Form von Gesprächen mit führenden NS-Politikern wahrgenommen, z.B. nach Bombenangriffen auf seine "Gauhauptstadt", über die er von Schleßmann regelmäßig informiert wurde.

Als Reichskommissar für Norwegen konnte Terboven mit Unterstützung der "Nasjonal Samling" von Vidkun Quisling ein gegenüber SS und Wehrmacht weitgehend autonomes sowie fast absolutistisches Regime errichten. Der Name Terboven stand im besetzten Norwegen synonym für eine brutale Besatzungs- und Terrorherrschaft gegenüber der Zivilbevölkerung und besonders gegen die norwegische Widerstandsbewegung.

Anläßlich der deutschen Kapitulation am 8.5.1945 verübte Terboven mittels Sprengstoff in einem Bunker am Kronprinzenschloss Skaugum bei Oslo Selbstmord.


Quellen

Zum Lebenslauf und zur Parteikarriere Terbovens; BA Berlin, Bestand Reich (ehem. Bestand Berlin Document Center), Personalunterlagen Josef Antonius Heinrich Terboven, s. auch Kurzbiographie bei Hüttenberger 1969, S. 219 sowie Höffkes 1986, S. 345-348. Zu Terbovens Funktion als Reichskommissar für Norwegen s. Hans-Dietrich Loock: Quisling, Rosenberg und Terboven. Zur Vorgeschichte und Geschichte der nationalsozialistischen Revolution in Norwegen. Stuttgart 1970 sowie Rebentisch 1989, S. 299-302.



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