Direkt zum Inhalt
Historisches Centrum
13 Besucher online

Ankndigungen

Focus Stadt Hagener Photographien

Vom 16. September 2014 bis 11. Januar 2015 im Stadtmuseum Hagen
Eine...

Aktuelles

21.09.2014 11:00

Als Hagen am quator lag

Besonderes Angebot zum Tag des Geotops
21.09.2014 15:00

Hagen in alten Fotografien

Fhrung zur Ausstellung "Focus Stadt - Hagener Photographien" im...
21.09.2014 15:00

Bltterhhle und Hnenpforte

Archologisch-geologische Exkursion rund um die Hnenpforte
28.09.2014 11:00

Tauchfahrt in die Vergangenheit

Exkursion in den Steinbruch Hohenlimburg
5.10.2014 11:00

Ausblick in und ber das Sauerland

Geologische Exkursion in den Steinbruch Ambrock
5.10.2014 15:00

ffentliche Erlebnisfhrung

Von der Urzeit ins Mittelalter

Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Paul Giesler (1895-1945)


von Ralf Blank




Ortsgruppenleiter und SA-Fhrer in Siegen, 1928-1934
Fhrer der SA-Brigade 63 (Oldenburg-Ostfriesland), 1935
Stabsfhrer der SA-Gruppe Hochland in Mnchen, 1936
Leiter der SA-Gruppe Alpenland in Linz, 1937-1938
Wehrdienst als Hauptmann der Infanterie, 1938-1941
Hauptdienstleiter in der Partei-Kanzlei, August 1940 - November 1941
Gauleiter in Westfalen-Sd, November 1941 - Januar 1943 (April 1944)
Gauleiter (geschftsfhrend) in Mnchen-Oberbayern, Juni 1942 - April 1944
Gauleiter in Mnchen-Oberbayern, April 1944 - Mai 1945
Ministerprsident von Bayern, November 1942 - Mai 1945
Mitglied des Reichstags, Januar 1933 - Mai 1945



Lebensweg und beruflicher Werdegang




Paul Giesler (links) mit seinem Stellvertreter Heinrich Vetter, Gaukulturtag in Hagen, 17.5.1942 (W. Lehmacher, Historisches Centrum Hagen)

Paul Giesler wurde am 15.6.1895 in Siegen als Sohn eines Architekten geboren. Im August 1914 meldete sich der Unterprimaner Giesler freiwillig zum Fronteinsatz und beendete den Ersten Weltkrieg als Leutnant und Kompaniefhrer eines Garde-Pionierbataillons. Zwischen 1919 und 1921 besuchte Giesler, der seit 1919 Mitglied des paramilitrischen Stahlhelms/Bund der Frontkmpfer war, die Hhere Landesbauschule in Darmstadt.

1922 wurde er nach eigenem Bekunden Mitglied der NSDAP-Ortsgruppe in Siegen und Mitbegrnder der SA im Siegerland. Giesler, seit 1922 freischaffender Architekt, bettigte sich seit 1924 als Partei- und Gauredner, SA-Fhrer und Ortsgruppenleiter. Der offizielle Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnr. 72741) ist jedoch erst fr den 1.1.1928 belegt. Am 5.3.1933 als Abgeordneter fr den Wahlkreis 18 (Westfalen-Sd) in den Reichstag gewhlt, war Giesler zwischen 1933 und Juni 1934 hauptamtlicher SA-Fhrer im Siegerland sowie Stadtrat in Siegen.


Karriere in der SA und Partei-Kanzlei



Im Zusammenhang mit der Niederschlagung des "Rhm-Putsches" entging Giesler am 30.6.1934 urlaubsbedingt nur knapp einer Verhaftung bzw. mglichen Ermordung. Am 30.7.1934 wurde er dann aber durch den Gauleiter in Westfalen-Sd, Josef Wagner, vor dem Obersten Parteigericht als mutmalicher Anhnger des zwischenzeitlich ermordeten frheren SA-Stabschefs Ernst Rhm angeklagt. Vom Parteigericht erfolgte jedoch am 10.4.1935 ein Freispruch Gieslers mangels Beweisen, aber mit der Auflage, sich von seinem Geburtsort Siegen sowie von seinem frheren Wirkungskreis fernzuhalten.

Im Sommer 1935 bernahm Giesler die Fhrung der SA-Brigade 63 (Oldenburg-Ostfriesland), um 1936 zum Stabsfhrer der SA-Gruppe Hochland in Mnchen ernannt zu werden. Am 9.2.1937 erfolgte die Befrderung zum SA-Gruppenfhrer (30.1.1943: SA-Obergruppenfhrer) und ein Jahr spter die Leitung der SA-Gruppe Alpenland mit Sitz in Linz an der Donau.

1938 meldete sich der Reserver-Offizier Giesler freiwillig zum Dienst in der Wehrmacht und nahm als Kompaniechef, zuletzt als Hauptmann eines "sterreichischen" Infanterie-Regiments, 1939 und 1940 am Angriffskrieg gegen Polen und am "Westfeldzug" gegen Frankreich teil.

Im August 1941 wurde der Wehrmachtsoffizier Giesler von Martin Bormann in die Partei-Kanzlei abgeordnet. Bereits im September 1941 avancierte er in den Dienstrang eines Stellvertretenden Gauleiters (Hauptdienstleiter der NSDAP). Bormann hatte Giesler zu diesem Zeitpunkt als mglichen Ersatz fr einen Gauleiter-Posten vorgesehen. Da die Intrige gegen Josef Wagner, die mageblich von Bormann betrieben wurde, ihrem Hhepunkt entgegensteuerte, knnte hier ein Zusammenhang bestehen.


Gauleiter in Westfalen-Sd und Mnchen-Oberbayern



Die von Hitler am 9.11.1941 in Mnchen in Gegenwart der dort versammelten Gau- und Reichsleiter sowie NS-Fhrungsspitzen in einer entwrdigender Weise vollzogene Absetzung des sdwestflischen Gauleiters Josef Wagner nach einer von Bormann, Himmler und Goebbels gemeinsam inszenierten Verschwrung, bedeutete fr Giesler den weiteren Aufstieg in der Parteihierarchie.

Giesler wurde von Hitler mit sofortiger Wirkung zum Nachfolger seines "alten Feindes" bestimmt, ein Hinweis darauf, dass der "Coup" von Bormann vorbereitet war, und zum Gauleiter von Westfalen-Sd sowie zum Preuischen Staatsrat ernannt. Gieslers rund achtmonatige Amtszeit im Gau Westfalen-Sd erweist sich im Rckblick als zu kurz, um grere und einschneidende Rckwirkungen hinterlassen zu haben. Die Erkrankung des einflureichen und mchtigen Gauleiters in Mnchen-Oberbayern, Adolf Wagner, lieen Giesler zu dessen potentiellen Nachfolger aufsteigen.

Am 23.6.1942 wurde Paul Giesler auf Empfehlung von Bormann durch Hitler als geschftsfhrender Gauleiter im "Traditionsgau" Oberbayern und Mnchen eingesetzt. Im November 1942 bernahm Giesler zustzlich das Amt des Reichsverteidigungskommissars sowie des federfhrenden Bayerischen Ministerprsidenten sowie des Bayerischen Wirtschafts- und Finanzministers.

Wohl aufgrund der Anhufung von mtern und Aufgaben in der Hand Gieslers erfolgte auf Betreiben von Bormann am 26.1.1943 mit Albert Hoffmann im Gau Westfalen-Sd die Einsetzung eines geschftsfhrenden Stellvertreters

Die stndige Vertretung Gieslers durch seinen Stellvertreter, dem Hagener Oberbrgermeister Heinrich Vetter, wie sie beispielsweise seit 1940 im Gau Essen praktiziert wurde, kam fr den Gau Westfalen-Sd nicht in Frage. Der im Dunstkreis von Skandalen und Affairen agierende Vetter war aus Sicht der Partei-Kanzlei fr die selbstndige Leitung eines Gaues nicht geeignet.


"Endkampf"



Bis zum Ende des "Dritten Reiches" spielte Giesler immer wieder im Personalkarussell die Rolle eines Ersatzkandidatens fr hohe Staats- und Parteimter. Nach dem Tod des SA-Stabschefs Victor Lutze im Mai 1943 bei einem Verkehrsunfall kam es bei Hitler zu berlegungen, dieses vakant gewordene Amt Hermann Giesler zu bertragen. Auch als Anwrter fr die mgliche Nachfolge des bei Hitler in Ungnade gefallenen Baldur v. Schirach als Gauleiter in Wien wurde Giesler favorisiert.

Nach Adolf Wagners Tod im April 1944 wurde Giesler als Gauleiter von Mnchen-Oberbayern sowie Bayerischer Ministerprsident besttigt und in die mter eingefhrt. In Mnchen hatte sich Giesler bereits im Winter 1942/43 bei der Niederschlagung der Widerstandsbewegung "Weie Rose" und der Ermordung ihrer Mitglieder einen Namen als Verfechter brutaler Terrormethoden gemacht.

In Kriegsendphase war Giesler in Planungen des Reichssicherheits-Hauptamtes zur Ermordung von Hftlingen des Konzentrationslagers Dachau und seiner Auenkommandos in Bayern einbezogen. Im April 1945 erfolgte Gieslers Ernennung zum federfhrenden Reichsverteidigungskommissars-Sd im sddeutschen Raum.

Mit Hilfe von SS-Einheiten schlug Giesler am 28./29.4.1945 in Mnchen die "Freiheitsaktion Bayern" unter dem Hauptmann Dr. Rupprecht Gerngro brutal nieder. Wenige Stunden und Tage von dem Einmarsch von US-Truppen wurden auf Gieslers Veranlassung zahlreiche Menschen ermordet, allein 16 in der "Penzberger Mordnacht".

In Hitlers politischen Testament vom 29.4.1945 wurde Giesler in der Nachfolger aus der Partei und SS ausgestoenen Heinrich Himmler mit dem Amt des Reichsinnenministers in einer lngst nicht mehr existenten deutschen Reichsregierung bedacht. Am 8.5.1945 wurde Paul Giesler auf der Flucht vor den US-Truppen in einem Lazarett bei Berchtesgaden gemeinsam mit seiner Frau nach einem milungenen Selbstmordversuch von einem seiner Adjutanten erschossen.


Quellen

Zum Lebenslauf und zur Parteikarriere von Paul Giesler; BA Berlin, Bestand Reich (ehem. Bestand Berlin Document Center), Personalunterlagen Paul Giesler; Akten der Partei-Kanzlei, 103 006614: Schreiben des Generalbevollmchtigen fr die Reichsverwaltung an Gauleiter Giesler v. 13.4.1943 betr. Entbindung von der Funktion des Reichsverteidigungskommissars fr Westfalen-Sd. Zur angeblichen Verstrickung Gieslers in die sog. Rhm-Affaire s. Httenberger 1969, S. 87f. sowie zur Absetzung von Josef Wagner s. Httenberger 1989, S. 208 u. Rebentisch 1989, S. 197f. Zum Tod Giesler u. sein Verhalten in der Endphase der Krieges sowie zur "Freiheitsbewegung Bayern" s. Hffkes 1986, S. 89f. sowie Hildebrand Troll: Aktionen zur Kriegsbeendigung im Frhjahr 1945. In: Bayern in der NS-Zeit, Bd. IV. Mnchen 1981, hier bes. S. 669; Ziegler, Walter: Die nationalsozialistischen Gauleiter in Bayern. Ein Beitrag zur Geschichte Bayerns im Dritten Reich, in: Zeitschrift fr Bayerische Landesgeschichte 58 (1995), S. 427-460.



Ralf Blank. Alle Rechte vorbehalten.