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Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Albert Hoffmann (1907-1972


von Ralf Blank



Propaganda- und Organisationsleiter in der Kreisleitung Bremen, April 1933 - August 1934
Sachbearbeiter im Stab des "Stellvertreters des Führers", August 1934-September 1935
Reichsamtsleiter im Stab des "Stellvertreters des Führers", September 1935 - April 1940
Stillhaltekommissar für Verbände und Organisationen in Österreich, im Sudentengau und im Protektorat Böhmen und Mähren, März 1938 - April 1940
Hauptamtsleiter in der Partei-Kanzlei, April 1940 - Februar 1941
Stellvertretender Gauleiter in Oberschlesien, Februar 1941 - Januar 1943
Gauleiter (geschäftsführend) in Westfalen-Süd, Februar 1943 - April 1944
Reichsverteidigungskommissar in Westfalen-Süd, April 1943 - April 1945
Gauleiter in Westfalen-Süd, Mai 1944 - April 1945
Leitender Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar-West, 24. März - 13. April 1945
Mitglied im Reichstag, März 1941 - Mai 1945



Jugend und beruflicher Werdegang




Albert Hoffmann, Gauhaus in Bochum, 23.5.1944 (W. Nies, StadtA Lippstadt)

Albert Hoffmann wurde am 24. Oktober 1907 in Bremen als Sohn des Gastwirts Albert Hoffmann und seiner Ehefrau Katharine, geb. Seekamp, geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volks-, Real- und Handelsschule erlernte Hoffmann in Bremen den Beruf des Rohtabak-Kaufmanns.

In den Jahren 1927 und 1928 erfolgte ein etwa einjähriger Aufenthalt als kaufmännischer Volontär in Amsterdam. Als Rohtabak-Kaufmann übte er bis Juli 1933, unterbrochen von einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit 1930, für verschiedene Tabakhäuser die Stellung eines "Reisenden" für das Deutsche Reich und die angrenzenden Länder aus.

Zwischen 1922 und 1925 war Hoffmann Mitglied in der paramilitärischen "Reichskriegsflagge" sowie von 1925 bis 1934 im "Freischar Lützow" gewesen. 1925 gehörte er der "Nationalsozialistischen Arbeiterjugend" an und war nach eigenem Bekunden (1934ff.) auch Mitbegründer der SA sowie der NSDAP-Ortsgruppe in Bremen. Der Eintritt in die NSDAP erfolgte nach Parteiunterlagen offiziell am 27. Juli 1926.


Beginn der Parteikarriere



Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begann Albert Hoffmanns in kurzer Zeit steil nach oben führende Parteikarriere. In der Kreisleitung Bremen fungierte Hoffmann seit dem 1.April 1933 als hauptamtlicher Kreispropagandaleiter.

Als Kreispropagandaleiter gestaltete Albert Hoffmann maßgeblich die erste "Mai-Feier" in Bremen mit. Mit Datum vom 1. Juli 1933 übernahm er in der Kreisleitung Bremen zusätzlich die Leitung des Organisation-, Presse- und Personalamts und gab erst mit diesem Datum seine bisherige Berufstätigkeit als Rohtabak-Kaufmann auf.




Albert Hoffmann als Amtsleiter in der Partei-Kanzlei, 1936 (BDC)

Am 1. August 1934 wurde Hoffmann als besoldeter Politischer Leiter in den Stab des Stellvertreters des Führers (StdF), Rudolf Hess, nach München berufen. Im "Braunen Haus" übernahm Hoffmann zunächst die Sachbearbeitung von Beschwerden aus der Bevölkerung. Seine direkten Vorgesetzten waren Helmuth Friedrichs, Leiter der Abteilung II, und der Stabsleiter des StdF, Martin Bormann.

Durch Bormanns Protektion machte Hoffmann in München schnell Karriere. In der Position eines Amtsleiters übernahm er am 5. September 1935 das wichtige Amt II A (Allgemeine Organisationsangelegenheiten der Partei, sozial-, wirtschafts-, verkehrs- und agrarpolitische Parteiangelegenheiten, Volkstumspolitik, Verbindungsstelle zu den Hauptämtern und den Parteigliederungen).

Am 9. November 1936 trat Hoffmann, der seine aktive Mitgliedschaft in der SA im Juli 1934 gelöst hatte, der SS bei (Mitgliedsnr. 278225). Mit Datum seines Eintritts wurde er zum SS-Obersturmführer befördert und dem SS-Hauptamt unterstellt. Vom 15. Mai 1939 bis zum 21. September 1942 gehörte Hoffmann dem Stab des SD-Hauptamts bzw. RSHA an. In diesem Zeitraum erfolgten in rascher Folge mehrere Beförderungen bis zum SS-Obersturmbannführer.


Als Stillhaltekommissar in Wien, Reichenberg und Prag



Anlässlich des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde Hoffmann zum "Stillhaltekommissar für Verbände und Organisationen" in Wien ernannt. Im Stab des von Hitler eingesetzten "Reichskommissars für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutsche Reich", dem Gauleiter Josef Bürckel, für die Organisation der NSDAP, für Vermögensabwicklungen sowie für die "Auflösung" von Vereinen tätig.

Vom 1. Oktober 1938 bis 31. März 1939 übernahm er zusätzlich die Position des "Stillhaltekommissars für Organisationen" sowie die eines "Beauftragten des Stellvertreters des Führers für den Parteiaufbau" im Stab des damaligen Reichskommissars und - ab Oktober 1938 - sudetendeutschen Reichsstatthalters und Gauleiters Konrad Henlein.

Seit Mai 1939 war Hoffmann in gleicher Funktion im neu gebildeten "Protektorat Böhmen und Mähren" tätig. Als "Stillhaltekommissar" war Hoffmann in die Verfolgung von politischen Gegnern und Juden sowie an der "Arisierung" beteiligt. In Wien und Prag arbeitete er eng mit der Gestapo und dem SD zusammen.

Vom 1. September bis 25. November 1939 nahm Hoffmann als Unteroffizier in einer Kradschützen-Schwadron der 1. Gebirgsjägerdivision (Generalmajor Ludwig Kübler) am Angriffskrieg gegen Polen teil. Zum Wachtmeister befördert und mit der Auszeichnung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse wurde Hoffmann bereits im November 1939 aus dem Wehrdienst entlassen.

Nach dem "Fronteinsatz" übernahm er wieder seine alte Funktion als Reichsamtsleiter im Stab des Stellvertreters des Führers. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte die Abwicklung der Aufgaben des "Stillhaltekommissars" im Sudetengau sowie im Protektorat Böhmen und Mähren. Im April 1940 erfolgte die Ernennung von Albert Hoffmann zum Hauptamtsleiter der NSDAP-Reichsleitung.


Stellvertretender Gauleiter in Oberschlesien



Am 10. Februar 1941 wurde Hoffmann von Hitler zum Stellvertretenden Gauleiter im neu gebildeten Gau Oberschlesien ernannt. Am 3. Juni 1941 erhielt er zudem das durch den Tod des vorherigen Inhabers freigewordene Reichstagsmandat für den Wahlkreis 17 (Breslau) zugesprochen.

In der Gau-Hauptstadt Kattowitz wirkte Albert Hoffmann maßgeblich an der Politik des Gauleiters und oberschlesischen Oberpräsidenten Fritz Bracht (1899-1945) mit. Im Gau Oberschlesien übernahm er die Position des hauptamtlichen Gauwirtschaftsberaters und die Leitung des Gauamts der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Außerdem war Hoffmann als Vorsitzender der "Neuen Heimat" und als "Beauftragter des Gauleiters für das Siedlungsgebiet Auschwitz" tätig.

Hoffmanns Vorgesetzter Bracht hatte sich im Juli 1942 in Begleitung von Heinrich Himmler eine Vergasungsaktion von Juden im Konzentrationslager Auschwitz vorführen lassen. Bracht galt als extremer Antisemit vom Schlage eines Julius Streicher, dem Herausgeber des Hetzblattes "Der Stürmer".

Wie Hoffmann in Vernehmungen gegenüber US-amerikanischen und britischen Offizieren nach dem Krieg aussagte, besuchte er ebenfalls einige Male das Konzentrations- und Vernichtungslager, auch in Begleitung von Bracht und auch Himmler. In Oberschlesien war Albert Hoffmann auch an der Ausgrenzungspolitik und "Germanisierung" beteiligt.


In der "Heldenklau"-Kommission"



Ab dem 5. Mai 1942 erfolgte ein fünfmonatiger Einsatz von Hoffmann als "Beauftragter des Reichsleiters M. Bormann im OKW/Stab z.b.V." in der Kommission des von Hitler eingesetzten Sonderbeauftragten zur Überprüfung von Dienststellen der Zivilverwaltung und Wehrmacht, Generalleutnant Walter von Unruh. Bis September 1942 nahm er an der Überprüfung von Wehrmachtsdienststellen, Staats- und Zivilbehörden in den Reichskommissariaten Ostland und Ukraine sowie im Generalgouvernement teil.

Im "Stab Unruh" ("Heldenklau"-Kommission) war Albert Hoffmann für die Überprüfung der zivilen Dienststellen von Partei, Ministerien und Behörden verantwortlich. Gleichzeitig amtierte er als Stellvertreter des Generals. Im Verlauf der Reisen der Sonderzugs durch die "Ostgebiete" gewann Hoffmann tiefe Einblicke in die Judenvernichtung, Germanisierungs-Politik und die brutalen Maßnahmen zur Rekrutierung von "OstarbeiterInnen".

Von führenden Vertretern der "Endlösung", darunter der Generalgoverneur Hans Frank und Odilo Globocnik dem Leiter der "Aktion Reinhardt", ließ er sich die Arbeitsabläufe und "Erfolge" schildern. In seinen Berichten an Bormann, die auch Goebbels und Hitler zur Kenntnis gelangten, zeichnete Hoffmann das Bild einer rücksichtslosen Besatzungspolitik.

Nach seinem Einsatz im "Stab Unruh" wurde Hoffmann am 20. September 1942 zum SS-Oberführer befördert. Mit gleichem Datum erfolgte die Versetzung aus der Zuständigkeit des SD in den Persönlichen Stab des Reichsführers-SS. In Kattowitz setzte Hoffmann seine Aufgaben als Stellvertretender Gauleiter, Leiter der DAF sowie als Gauwirtschaftsberater fort. Bis zum Jahresende 1942 bereitete er die Reisen des "Stabs Unruh" zur Überprüfung von Dienststellen und Behörden im Reichsgebiet vor, an die er auf Unruhs und Hitlers Wunsch ab Januar 1943 wieder teilnehmen sollte. Es kam anders.



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