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24.11.2018 11:00

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Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet


Fritz Schleßmann (1899-1964)


von Ralf Blank



Stellvertretender Gauleiter in Essen, November 1939 - April 1945



Jugend und beruflicher Werdegang




Fritz Schleßmann, 1938

Fritz Schleßmann wurde am 11.3.1899 in Essen geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Realschule in Essen meldete er sich freiwillig zur Kriegsmarine bzw. U-Bootflotte. 1919 musterte Schleßmann als Marinesoldat auf einem Minensuchboot der Reichsmarine ab und begann eine Ausbildung als Techniker auf einer staatlichen Maschinenbauschule, die er 1922 beendete. Anschließend war er nach seinen eigenen Angaben als Konstrukteur und Betriebsassistent für verschiedene Firmen tätig.

Am 18.12.1922 trat Schleßmann erstmalig in die NSDAP ein und wurde nach deren Verbot am 15.12.1925 erneut Mitglied dieser Partei (Mitgliedsnr. 25246). In der sog. Kampfzeit war Schleßmann 1923/24 stellvertretender SA-Führer in Essen, seit 1925 Stellvertreter des Essener NS-Ortsgruppenleiters Terboven. Nach Gründung des NS-Gaues Essen 1928 avancierte er dort bis 1930 auch zum Stellvertretenden Gauleiter. 1927 zum SA-Standartenführer befördert, trat er im Mai 1930 der SS bei und wurde am 22.5.1930 Adjutant der 11. SS-Standarte in Essen.

Am 1.1.1931 wechselte Schleßmann vom NS-Gau Essen zum Gau Westfalen-Süd über. Dort übernahm er die Leitung der 22. SS-Standarte sowie kommissarisch auch die der 23. und 25. SS-Standarte. Am weiteren Aufbau der SS im Gau Westfalen-Süd war der 1934 zum SS-Oberführer beförderte Schleßmann maßgeblich beteiligt.


SS-Führer und Parteifunktionär



Von 1932 bis 1933 gehörte Schleßmann dem Preußischen Landtag an, seit dem 12.11.1933 war er auch Mitglied des Reichstags für den Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd). Im April 1934 folgte die Ernennung zum Polizeipräsidenten in Bochum sowie drei Jahre später die Berufung des SS-Brigadeführer Schleßmann zum Polizeipräsidenten von Essen.

1939 gab er diese Position jedoch zugunsten einer Parteilaufbahn als Stellvertretender Gauleiter auf. Hintergrund dieser Entscheidung war die Ablehnung der von Schleßmann angestrebten Verwendung als Höherer SS- und Polizeiführers West sowie SS-Oberabschnittsführers durch die SS-Reichsführung, und zwar aufgrund von mangelhaften "geistigen" Eigenschaften sowie des "fehlenden Formats zum Kommandeur".

Nach der Ernennung des Essener Gauleiters Terboven im April 1940 zum Reichskommissar für Norwegen übernahm Schleßmann dann als Stellvertretender Gauleiter bis Kriegsende die geschäftsführende und seit 1942 weitgehend eigenständige Leitung des NS-Gaues Essen, ohne jedoch von Hitler in den vier Jahren als Gauleiter offiziell bestätigt bzw. durch eine Ersatzperson (wie Anfang 1943 im Gau Westfalen-Süd durch Albert Hoffmann) abgelöst zu werden.

1943 hatte Hitler angeordnet, daß Stellvertretende Gauleiter zwar übergangsweise die Amtsvertretung übernehmen konnten, jedoch in ihrem Territorium nicht als Gauleiter eingesetzt werden durften. Bei Schleßmann kam ein weiterer Umstand hinzu. Nach einer internen Beurteilung im Juli 1943 durch die Partei-Kanzlei sowie durch den Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, fehlte es Schleßmann an der "intellektuellen und sonstigen Befähigung" zum Gauleiter.

Als SS-Führer, zuletzt als SS-Obergruppenführer (November 1944), gehörte Schleßmann seit 1940 dem Persönlichen Stab des Reichsführers-SS an. Mit Himmler führte der verheiratete Schleßmann, der von Goebbels zwar als "primitiver Mensch" angesehen, aufgrund seiner Parteiarbeit aber dennoch als Persönlichkeit geschätzt wurde, noch im Januar/Februar 1945 einen Schriftverkehr, der die Unterbringung seiner Geliebten und des gemeinsamen unehelichen Kindes in einem "Lebensborn-Heim" zum Gegenstand hatte.


Nachkriegszeit




US-Truppen fahren vor das Gebäude der Gauleitung in Essen, dem ehemaligen Dienstsitz von Fritz Schleßmann, 10.4.1945 (National Archives, College Park)

Unmittelbar vor dem Einmarsch von US-amerikanischen Truppen in Essen versuchte Schleßmann, der noch Tage zuvor öffentlich den Willen zum "Kampf bis zum letzten" beschworen hatte, unter dem im Rückblick etwas zweideutig klingenden Namen "Fritz Selig" gemeinsam mit seiner Geliebten in einer großzügig verproviantierten Mietwohnung unterzutauchen, die jedoch ausgerechnet in Essen-Steele lag.

Schleßmann wurde bereits am 15. April 1945 "enttarnt" und von amerikanischen Soldaten verhaftet. Nach der Unterbringung in einem provisorischen Internierungs-Lager erfolgte die Festsetzung im Camp Staumühle bei Paderborn. 1947 wurde Schleßmann durch das Spruchgericht Hiddesen zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Unter Anrechnung der Internierungszeit erfolgte am 13. Juni 1950 die Entlassung aus der Haftanstalt Esterwegen.

In dem sich anschließenden Entnazifizierungsprozess in Düsseldorf, zu dem Schleßmann noch nicht einmal persönlich erschien, wurde er in die Kategorie III (Minderbelasteter) eingestuft. Bis zu seinem Tod am 31. März 1964 lebte Schleßmann als Kaufmann in Essen.


Quellen

Zum Lebenslauf von Fritz Schleßmann; BA Berlin, Bestand Reich (ehem. Berlin Document Center), Personalunterlagen Fritz Schlessmann [SS-Offiziere]. Zur Rolle von Schleßmann beim Aufbau der SS im Gau Westfalen-Süd s. Friedrich Alfred Beck: Kampf und Sieg. Geschichter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei im Gau Westfalen-Süd von den Anfängen bis zur Machtübernahme. Bochum 1938. Hinweise auf Schleßmanns Tätigkeit als geschäftsführender Gauleiter von Essen 1941-1945 finden sich mehrfach in den von Elke Fröhlich i. A. des Instituts für Zeitgeschichte edierten Tagebüchern von Joseph Goebbels. Zum Schriftverkehr mit Himmler 1945 s. Helmut Heiber: Reichsführer! Briefe an und von Himmler. Stuttgart 1968, S. 304f. Zur Entnazifizierung von Schleßmann s. Wolfgang Krüger: Entnazifiziert! Zur Praxis der politischen Säuberung in Nordrhein-Westfalen. Wuppertal 1982, S. 145f. Entnazifizierungsakten F.Schleßmann im HStA Düsseldorf, Spruchgerichtsakten im BA Koblenz.



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