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Gauleiter der NSDAP im Ruhrgebiet



Biographien


Gauleiter



Paul Giesler, Westfalen-Süd, 1941-1943
Albert Hoffmann, Westfalen-Süd, 1943-1945
Dr. Alfred Meyer, Westfalen-Nord, 1930-1945
Josef Terboven, Essen, 1929-1945
Josef Wagner, Westfalen-Süd, 1930-1941



Stellvertretende Gauleiter



Fritz Schleßmann, Essen, 1939-1945
Heinrich Vetter, Westfalen-Süd, 1936-1945



Bibliographie



Einleitung


von Ralf Blank
Das politische Führerkorps der NSDAP




NS-Funktionäre auf dem Marsch durch die Stadt, Hagen, 1937

Das nationalsozialistische Regime stützte sich bereits vor der "Machtübernahme" 1933 auf die regionalen "Hoheitsträger" der Partei. Als Angehörige der "Frontgeneration" (Detlev Peukert) des Ersten Weltkriegs hatten viele von ihnen einen großen Anteil am Aufstieg der NSDAP in den 1920er Jahren.

An der Konsolidierung der Partei und Gleichschaltung nach 1933 wirkten sie maßgeblich mit. Häufig waren sie auch politische Identifikationsfiguren in einer Region, deren Handeln und Wirken von der NSDAP nach 1933 historisierend verklärt wurde. Die Organisation der NSDAP auf kommunaler Ebene und in einer Region war dem "Führerprinzip" untergeordnet.

Die unterste hierarchische Stufe nahmen die Block-, Zellen- und Ortsgruppenleiter ein, gefolgt von den Kreisleitern, die Hoheitsträger der mittleren Funktionebene waren. Besonders wichtig für die nationalsozialistische Herrschaftsausübung in einer Region waren jedoch die Gauleiter. Vielfach besaßen sie neben ihrer Funktion als Gauleiter weitere hohe Partei- und Staatsämter.

In der Nachkriegszeit wurden die führenden Repräsentaten des NS-Regimes in einer unterschiedlichen Weise rezipiert: Während beispielsweise dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann ein politischer "Sonderweg" attestiert wurde, fielen andere NS-Spitzenfunktionäre, wie z.B. die südwestfälischen Gauleiter Josef Wagner und Albert Hoffmann, weitgehend dem öffentlichen Vergessen anheim.

Biographische Studien sowie Untersuchungen über die Strukturen, Aufgaben und Tätigkeiten von regionalen Funktionseliten in der NS-Zeit rücken seit den 1990er Jahren in den Fokus der Geschichtswissenschaft. Ein besonderer Aspekt sind dabei auch die Strafverfolgung und Entnazifizierung des NS-Führerkorps in der frühen Nachkriegszeit.


Drei NS-Gaue an Rhein und Ruhr




Karte des NS-Gaugebiets Westfalen-Süd mit den Kreisleitungen und Ortsgruppen, 1938

Das Ruhrgebiet war bereits vor 1933 in drei Gaugebiete unterteilt, die ihre Grenzen nach der nationalsozialistische "Machtübernahme" weitgehend behielten. Der Gau Westfalen-Süd mit der "Gauhauptstadt" Bochum war in etwa identisch mit dem Gebiet des Regierungsbezirks Arnsberg und umfaßte geographisch das mittlere und östliche Ruhrgebiet, das Sauer- und Siegerland sowie die Hellweg-Zone.

Der Gau Westfalen-Nord mit der "Gauhauptstadt" Münster erstreckte sich vorwiegend auf das Münsterland sowie Ostwestfalen und bezog die nördlichen Teile des östlichen Ruhrgebiet mit ein.

Der Gau Essen erstreckte sich auf das westliche Ruhrgebiet und den Niederrhein zwischen der "Gauhauptstadt" Essen und Duisburg sowie bis zur niederländischen Grenze im Nordwesten des Territoriums. Noch bis in die Kriegsjahre pflegten die Gauleiter im Ruhrgebiet einen ausgeprägten Partikularismus.



Vor allem die Gauleiter des Gaues Westfalen-Süd versuchten bis 1944 immer wieder, sich aus der verwaltungsmäßigen Abhängigkeit von der Provinz Westfalen (Oberpräsident war der Gauleiter A. Meyer) zu lösen. Auf diesem Weg sollte ein eigener "Reichsgau" bzw. eine selbständige Provinz gebildet werden.

Albert Hoffmann, der zunächst als Gauleiter-Stellvertreter in Westfalen-Süd eingesetzte Parteiführer, fand bei seinem Dienstantritt im Februar 1943 entsprechende Absprachen zwischen seinem Vorgänger Paul Giesler und dem Oberpräsidenten Dr. Alfred Meyer vor.

Damals gelang es der westfälischen Provinzialverwaltung, das Reichsinnenministerium zu einem Veto zu bewegen. Im Spätsommer 1944 mußten diese Planungen dann endgültig aufgegeben werden, nachdem sich Martin Bormann und Adolf Hitler dagegen ausgesprochen hatten.


Reichsverteidigungskommissare



Im September 1939 wurden einige Gauleiter zu Reichsverteidigungskommissare ernannt. Sie nahmen damit eine staatliche Funktion als Mittelinstanz zwischen Reichsbehörden und kommunaler bzw. regionaler Verwaltung ein. Im November 1942 erhielten alle Gauleiter in ihrem Gebiet diese Funktion.

In ihrer Funktion als Reichsverteidigungskommissare übten die Gauleiter unter anderem auch wichtige Kontroll- und Koordinierungsaufgaben der Staatsverwaltung aus, beispielsweise bei der Durchführung von Maßnahmen zum "Totalen Kriegseinsatz" ab August 1944.

Gleichzeitig waren die Gauleiter, ihre Stellvertreter sowie auch das sonstige regionale NS-Führerkorps (Orts- und Kreisleiter, Gauamtsleiter usw.) an der nationalsozialistische Terrorherrschaft und der Durchsetzung von verbrecherischen Befehlen beteiligt.

Zahlreiche Amtsträger der NSDAP waren tief in Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verstrickt. Viele von ihnen hatten an solchen Verbrechen auch aktiv teilgenommen. Der Internationale Militär-Gerichtshof in Nürnberg erklärte das politische Führerkorps der NSDAP dann auch zu einer verbrecherischen Organisation.



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