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Das Museum Wasserschloss Werdringen bietet in Kooperation mit...

Paläontologie


Versteinerte Welten




Die Paläontologie erforscht die Entwicklung des Lebens auf der Erde. Sie etablierte sich als wissenschaftliches Fach im ausgehenden 18. Jahrhundert. So berichtete der "Westphalische Anzeiger" im Dezember 1806 über den Nachweis von Höhlenbären aus einer Höhle bei Iserlohn durch Georges Cuvier (*1769, +1832) in Paris.

Cuvier gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Fossilienkunde. Sie wurde 1834 von Henri Marie de Blainville als Paläontologie bezeichnet. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt die Paläontologie durch die Evolutionslehre entscheidende Impulse. Fortan wurden die Fossilien nicht mehr als Relikte der biblischen Sinflut angesehen, sondern als versteinerte Überreste vorzeitlicher Tiere und Pflanzen.

Der Raum Hagen ist ein altes Arbeitsgebiet der Geologie und eine klassische Fundregion für Fossilien. In Hagen und im Arbeitsgebiet des Museums für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen befinden sich zum Teil international bedeutende Aufschlüsse.


Die ältesten Fossilien in Westfalen




In den im Ebbe-Gebirge aufgeschlossenen Schichten des Ordovizium fanden sich im Raum Plettenberg und Herscheid die ältesten Fossilien in Westfalen. Es handelt sich vor allem um Graptolithen, Reste von Krebsen, Spurenfossilien und Trilobiten.

Die Tonschiefer-Schichten des Ordovizium im Ebbe-Gebirge bildeten sich vor etwa 450 Millionen Jahren in einem offenen Meer bis zu 200 m Tiefe. Im Ebbe-Gebirge zwischen Hüinghausen und Köbbinghausen ist der Grenzbereich zwischen Silur und Unterdevon aufgeschlossen. Die hier aufgefundenen Fossilien sind rund 400 Millionen Jahre alt.


Frühe Landpflanzen




Nach neuesten Erkenntnissen könnten die ersten von Grünalgen abstammenden Pflanzen das Festland bereits vor 475 Millionen Jahren erobert haben. Im Mitteldevon entwickelten sich dann aus einfachen Pflanzen langsam baumähnliche. Vorformen von Stämmen, Ästen, Zweigen und Blättern bildeten sich heraus.

In Südwestfalen zeigt sich dies an den ca. 390 Millionen Jahre alten Pflanzenfossilien, die in den Brandenberg-Schichten in Steinbrüchen und Aufschlüssen im Volmetal in Hagen-Ambrock gefunden werden. Hier sind einerseits noch die frühen blattlosen Formen vertreten, die auf eine zeitweilige Überflutung ihres Lebensraumes noch nicht verzichten konnten.


Fossile Korallenriffe




In den Honsel-Schichten des nördlichen Sauerlands lassen sich die ersten Korallenriffe nachweisen. Korallenriffe sind neben den tropischen Regenwäldern die artenreichsten Lebensräume der Erde. Das gilt auch für die Riffe des Mitteldevon, deren Reste sich in Form des so genannten Massenkalks entlang des Nordrands des Sauerlands erhalten haben.

Zwar sind die meisten der heute lebenden Riffbauer keine direkten Nachfahren devonischer Formen, aber der komplexe Aufbau heutiger Riffe ist der gleiche wie früher. Die Baumeister der über 385 Millionen Jahre alten mitteldevonischen Riffe waren hauptsächlich Koloniekorallen und Stromatoporen (schwammartige Lebewesen).

In zahlreichen Spalten und Rissen siedelten Armfüßer, Muscheln und Schnecken. Zwischen den Riffkorallen fanden freischwimmende Kopffüßer und urtümliche Fische Schutz. Im Raum Hagen finden sich an zahlreichen Stellen und in den Steinbrüchen die Überreste der devonischen Riffe sowie der vielfältigen fossilen Tierwelt. Berühmt für seine Fossilien ist zum Beispiel der Steinbruch der Hohenlimburger Kalkwerke bei Oege in Hagen-Hohenlimburg.

In den Tälern von Volme, Lenne und Hönne bildete der mitteldevonische Massenkalk bizarre Felsformationen aus, die sich stellenweise zu Canyons und Schluchten verengen. Seit dem späten Mesozoikum kam es im Massenkalk zur Entstehung von Karsterscheinungen, wie Klüfte, Dolinen, Spalten und Höhlen. Sie enthalten kreidezeitliche, tertiäre und eiszeitliche Funde sowie Relikte aus prähistorischer Zeit.

Östlich von Hagen ist auf der Linie Halden-Hohenlimburg-Letmathe-Iserlohn die Schichtenfolge vom Oberdevon bis zum Unterkarbon aufgeschlossen. Die vielgestaltigen Ablagerungen enthalten stellenweise eine fossilienreiche marine Fauna.


Spuren der Karbonwälder




Die Ziegeleigrube in Hagen-Vorhalle, der Steinbruch der bis 1989 betriebenen Klinkerwerke Schütte & Tücking, ist weltweit eine der wichtigsten Fundstellen für Fossilien aus der Zeit des unteren Oberkarbons. Insbesondere die vollständig erhaltenen Insekten und Spinnentiere sind einzigartig und sorgen für großes Interesse und weltweites Aufsehen.

Aus den hier anstehenden Tonschiefern wurden bei mehreren wissenschaftlichen Grabungskampagnen zwischen 1990 und 1997 über 16.000 Fundstücke geborgen. Hinzu kommen noch Tausende von Fossilien, die von Hobby-Paläontologen und Fossiliensammlern geborgen wurden. Im Mai 2006 wurde die Fundstelle als Nationales Geotop ausgezeichnet.

Vor 315 Millionen lagen Jahren große Teile Nordrhein-Westfalens an einem tropischen Meer in Äquatornähe. Dass die fossilen Überreste von Bewohnern des Landes und des Meeres in Vorhalle so nahe beieinander aufzufinden sind, lässt auf eine Lagune oder Bucht schließen. Dort hin wurden die Pflanzen und Tiere vom Festland eingeweht oder mit den Schlammmassen eines Urwaldflusses eingeschwemmt. So entstand eine einzigartige Vergesellschaftung von Fossilien aus den unterschiedlichsten Lebensräumen.

In den Schiefertonen haben sich fossile Insekten, Spinnentiere, Seeskorpione sowie Hunder- und Tausendfüßer sehr gut erhalten. Vor allem die vielfältigen Fluginsekten, wie Libellen und Urnetzflügler, zählen weltweit zu den ältesten ihrer Art.

Neben den Landlebewesen wurden auch Süßwasserfische und zahlreiche Meeresbewohner entdeckt, so etwa Kopffüßer, Muscheln, Krebse und Quastenflosser. Die dunklen Schiefertone in Hagen-Vorhalle lieferten auch zahlreiche Pflanzenfossilien. Sie zeichnen sich durch ihre Vielfalt und gute Erhaltung aus. Die Urwälder bestanden damals vor allem aus riesigen baumförmigen Bärlappgewächsen sowie farnlaubigen Pflanzen und Schachtelhalmen.