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Hagener Beiträge zur Regionalgeschichte Online


Herausgegeben vom Historischen Centrum Hagen | ISSN 1618 - 9752


Zur Verleihung der Preußischen Städteordnung an Hohenlimburg 1903


von Ralf Blank


Inhalt
Stadtrecht und Lokalgeschichte
1709 - Privilegien durch den Landesherrn
Grundlagen einer städtischen Entwicklung
Verleihung der Städteordnung von 1856
Fußnoten



Stadtrecht und Lokalgeschichte



Von den Medien und in der Öffentlichkeit unbemerkt, ging im April 2003 ein denkwürdiges historisches Ereignis vorüber. Am 1. April 1903 erhielt Hohenlimburg Stadtrechte nach der Preußischen Städteordnung für die Provinz Westfalen aus dem Jahr 1856.[1] Zwar verlor die Stadt durch die kommunale Neugliederung 1975 ihre Selbständigkeit und ist seit dieser Zeit ein Stadtteil von Hagen. Doch zumindest bis dahin besaß die Stadt im Lennetal eine eigene Geschichte, die bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht.[2] Das Stadtrecht von 1903 steht in Hohenlimburg am Ende einer Entwicklung, die von einer frühneuzeitlichen "Freiheit" über eine Titularstadt bis hin zu einer industriell geprägten Kleinstadt im deutschen Kaiserreich führte. Wann genau und aus welchen Gründen die im November 1879 in Hohenlimburg umbenannte Gemeinde Limburg zur Stadt erhoben wurde, wird bis heute in vielfältiger Art und Weise rezipiert. So feierte man 1930 und 1980 das (vermeintlich) 700- bzw. 750-jährige Bestehen von "Stadt und Burg", ein im Jahr 1252 angeblich Limburg verliehenes Marktrecht war ebenfalls Anlass zu Feierlichkeiten.[3]

Die Verleihung von Privilegien im März 1709 durch den damaligen Landesherrn an die Einwohner der Ortschaft unterhalb der Schlossanlage wird allgemein als das eigentliche Hohenlimburger Stadtrecht definiert.[4] Nicht ohne Stolz, und sicherlich auch zu Recht, verweisen die Einwohner des heutigen Stadtteils Hohenlimburg in diesem Zusammenhang gegenüber dem 1746 mit städtischen Rechten versehene Hagen gerne auf "ihre" ältere Geschichte. In der "heimatgeschichtlichen" Überlieferung bilden vor allem die Jahre 1230, 1252 und 1709 wichtige "Eckdaten", die im historischen Selbstverständnis der Einwohner sowie auch für die lokale Identitätsbildung eine bedeutsame Rolle spielen. Die Verleihung von Stadtrechten im Jahr 1903 hingegen war ein in die geltende Geschichtstradierung schwerlich zu integrierendes Ereignis, dem höchstens eine Bedeutung als Verwaltungsakt zugemessen wird.

Doch welche Relevanz besitzen diese historischen "Eckdaten" sowie das Stadtrecht von 1903 tatsächlich für die Geschichte Hohenlimburgs? Zunächst muss konstatiert werden, dass das Jahr 1230 ein fiktives Datum ist, um den Beginn der Hohenlimburger Geschichte zu fixieren.[5] Die Existenz der Hohenlimburg als Territorialburg des Isenberger-Limburger Grafenhauses lässt sich vielmehr erst für das Jahr 1242 nachweisen.[6] Streng genommen müsste dieses Jahr zum Anlass feierlich begangener Jubiläen genommen werden, da es sich auf den bisher frühesten Quellenbeleg der Burganlage (nicht aber der Gemeinde) bezieht. Demgegenüber erweist sich das vermeintliche Marktrecht für einen spekulativ vermuteten mittelalterlichen Ort Limburg im Jahr 1252 als unwahrscheinlich, wenn die erschlossene Quellenüberlieferung genauer und vor allem im historischen Kontext analysiert wird.[7] Dieses "Eckdatum" ist folglich kaum dazu geeignet, eine städtische Tradition und kommunale Entwicklung Hohenlimburgs zu begründen.

Die möglichst tief in der Vergangenheit verortete Stadtgeschichte dient unter anderem geschichtsinteressierten Laien als Legitimation für ein heimatkundliches Deutungsmuster, das Lokalgeschichte als "würdevoll" und "erhaben" definiert. Damit soll versucht werden, ein idealisiertes Bild von "Vergangenheit" als die "gute, alte Zeit" zu vermitteln. Als problematisch und störend empfundene historische Ereignisse sowie auch gegensätzliche Forschungserkenntnisse werden ausklammert zu Gunsten einer zumeist positivistischen Geschichtswahrnehmung. Die Ortsgeschichte besteht dabei aus einem dichten Geflecht aus Umdeutungen, Legenden und Mythen, die längst Bestandteil der öffentlichen Erinnerungskultur geworden sind. Eine vielfältige Rezeption und (Um-)Deutung der Geschichte von Grafschaft, Burg und Stadt Limburg war schon immer ein fester Bestandteil der Historiographie, die mit Levold von Northof 1357/1358 einsetzte und über Johann Dietrich von Steinem 1755/1760 und Hermann Esser 1907-1935 bis in die Gegenwart fortgeführt wird. Gerade über Hohenlimburgs Geschichte ist eine beinahe schon unübersehbare Zahl von Buchpublikationen, Zeitschriftenbeiträgen und sonstigen Veröffentlichungen erschienen, die zusammengefasst belegen, dass die Darstellung und Rezeption der facettenreichen Lokal- und Regionalgeschichte stets einen besonderen Stellenwert eingenommen hat. Die Rückbesinnung auf die "reiche" und "alte" Geschichte Hohenlimburgs ist noch heute ein identitätsstiftendes Moment im "Hagener Osten", das seit der Eingemeindung nach Hagen im Jahr 1975 vermutlich noch verstärkt wurde.



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Copyright © Ralf Blank und Historisches Centrum Hagen, alle Rechte vorbehalten. URL: <http://www.historisches-centrum.de/index.php?id=186> Version vom 4.3.2003