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Museumsgeschichte, Teil 2



Ausgrabungen in Höhlen





Die heute zerstörte Martinshöhle am Burgberg in Letmathe, um 1900

Seit 1850 wurden die in den Tälern von Lenne und Hönne in großer Zahl vorhandenen Höhlen systematisch ausgeräumt. Berühmte Naturforscher und Geologen, wie Johann Jakob Nöggerath, Rudolf Virchow, Emil Carthaus, Johann Carl Fuhlrott, Heinrich von Dechen oder Hermann Schaffhausen, untersuchten im 19. Jahrhundert die Höhlen und Steinbrüche des nördlichen Sauerlandes nach fossilen Knochen eiszeitlicher Tiere, Bodenschätze und Versteinerungen.

Doch sie fanden nicht nur Knochen, sondern auch Steinwerkzeuge. Sie wurden zunächst als Naturspiele angesehen. Später erkannte man in ihnen die Relikte steinzeitlicher Menschen. Zu dieser Zeit waren z.B. in der Martinshöhle bei Letmathe und in der Balver Höhle bereits mächtige steinzeitliche Fundschichten zerstört, ohne dass sie systematisch untersuchts werden konnten. Der phospaltige Höhlenlehm wurde von den Landwirten als Dünger auf die Felder gefahren. Andere Höhlen in den Flußtälern von Hönne und Lenne waren - wenn man den historischen Beschreibungen glauben will - mit Keramik, Werkzeugen, Schmuck, Brandresten und vieles mehr buchstäblich aufgefüllt. Offenbar wurden die Höhlen während der Bronze- und Eisenzeit intensiv genutzt.

Emil Carthaus glaubte 1891 nach seiner Grabung in der Karhofhöhle im Hönnetal folgendes feststellen zu können: "Verschiedene Momente an den Knochen deuten darauf hin, dass wir es in unserer Höhle mit Menschenfresserei oder mit Menschenopfern zu thun haben." Die moderne archäologische Forschung sieht solche Rückschlüsse etwas differenzierter.



Zerstörung von Bodendenkmäler





Oeger Höhle in Hohenlimburg, 1897

Zahlreiche wichtige Fundhöhlen waren bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts größtenteils zerstört. Die ersten wissenschaftlich ausgerichteten Ausgrabungen in der Region begannen nach 1925, darunter auch in der Balver Höhle. Fundstücke, die bei diesen Grabungen entdeckt wurden, gelangten auch in die Museen in Hagen und Hohenlimburg.

Die an der Lenne gelegene Oeger Höhle in Hohenlimburg wurde bereits um 1860 von Johann Carl Fuhlrott, dem Entdecker des Neanderthalers, aufgesucht. Der Eingangsbereich dieser Höhle war zu dieser Zeit bereits durch den Straßenbau verändert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind aus der Oeger Höhle zahlreiche Knochenfunde von eiszeitlichen Tieren bekannt.

Um 1928 entdeckte hier der Herner Urgeschichtler Karl Brand mindestens ein Steinartefakt und zahlreiche Knochen. 1932 erfolgte die erste größere Ausgrabung in der Höhle im Auftrag des "Vereins für Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg" durch den damaligen Schwerter Heimatforscher Josef Spiegel.

Die Grabung des Gründers des Ruhrtalmuseums in Schwerte (1933) in der Oeger Höhle lieferte unter anderem die Geweihreste von über 500 Rentieren. Aber auch Gefäße der jüngeren Rössener Kultur und offenbar auch metallzeitliche Keramikreste wurden dabei entdeckt. Allerdings waren diese und auch weitere Ausgrabungen in der Oeger Höhle alles andere als systematisch und lieferten nur wenige für die moderne archäologische Wissenschaft verwertbare Erkenntnisse.

Die Ausgrabungen auf der hochmittelalterlichen Raffenburg in den 1930er Jahren durch den Verein für "Orts- und Heimatkunde Hohenlimburg" förderten ein reichhaltiges Fundgut zu Tage. Allerdings wurden bei den Grabungen auch wichtige Baubefunde und Fundzusammenhänge innerhalb des Mauerrings der Burganlage, zum Beispiel die so genannten Burgmannenhäuser, unwiederbringlich zerstört. Weitere "Ausgrabungen" durch Heimatforscher sowie zahlreiche Raubgrabungen und Sondengänger haben das Ausmaß der Schäden im Bereich der Raffenburg bis heute vergrößtert.

In Hagen fanden bis in die 1980er Jahre mehrere "Ausgrabungen" von Heimatforschern statt. Sie richteten sich unter anderem gegen Grabhügel bei Rafflenbeul, Ambrock, Haßley und in der "Donnerkuhle". Die "Grabungsergebnisse" wurden in der Regel nicht dokumentiert, die Befunde sind bis auf wenige Ausnahmen zerstört und verschollen. Viele Bodenfunde, die im Raum Hagen zum Beispiel bei "Feldbegehungen" und illegalen Grabungen durch "Sammler" und Sondengänger entdeckt wurden, befinden sich in Privatbesitz oder in einem Iserlohner Schulmuseum.


Beginn der Bodendenkmalpflege




Bis in die 1980er Jahren führten "Heimatforscher" in Höhlen und auf Burganlagen eigene Ausgrabungen durch. Ihre Motivation war der Wunsch, eine möglichst große Anzahl von Fundstücken für die Präsentation im "Heimatmuseum", in der Schulsammlung und in ihrer privaten Kollektion zu gewinnen.

Für viele Bodendenkmäler erwiesen sich diese meistens völlig unsystematischen Ausgrabungen als eine Katastrophe. Wichtige Erkenntnisse, zum Beispeil zur Siedlungs- und Lebensweise der Menschen, wurden dabei restlos zerstört. Im Raum Hagen gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie solche "Ausgrabungen" an Bodendenkmälern grosse und nicht mehr zu korrigierende Schäden bewirkt haben.

1914 erfolgte in Preußen die Bekanntgabe des Ausgrabungsgesetzes. 1920 etablierte sich in Westfalen die archäologische Bodendenkmalpflege. Sechs Staatliche Vertrauensmänner für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer sind regionale Ansprechpartner für prähistorische Funde. 1939 wird in Arnsberg eine Außenstelle der Bodendenkmalpflege für den Regierungsbezirk Arnsberg eingerichtet. Sie ist auch für den Raum Hagen zuständig. Nach ihrer Schließung 1961 erfolgt 1982 die Wiedereröffnung in Olpe. Seit 1980 ist die Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen gesetzlich verankert.

Heute sind es die "Schwarzen Schafe" unter den Hobby-Archäologen und Fossiliensammlern, die wilde Grabungen und Zerstörungen an Bodendenmälern unternehmen. Viele Sammler arbeiten jedoch mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen sowie mit der staatlichen Bodendenkmalpflege zusammen. Ihre Funde sind damit für die Forschung und Öffentlichkeit nicht verloren. Häufig geben die Hobby-Archäologen und -Geologen wertvolle Hinweise auf wichtige Fundstellen und bedeutende Fundobjekte.


Steinbrüche verändern die Landschaft




Der Abbau von Gesteinen gehört seit dem Mittelalter zum Wirtschaftsleben in der Region. Seit dem 16. Jahrhundert sind Kalköfen und Steinbrüche in Hagen durch Schriftquellen belegt. Sie lieferten Mörtel und Baumaterial, wie zum Beispiel für den Bau von Kirchen und öffentlichen Gebäuden nach Bochum und Dortmund. Der Abbau von Erzen und Alaun wird ebenfalls seit dem 16. Jahrhundert im Raum Hagen erwähnt.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts veränderten die zahlreichen neu angelegten Steinbrüche die Landschaft. Die Industrialisierung und Urbanisierung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging einher mit einem intensiven Abbau von Massenkalk, Schiefertonen und Sandstein sowie von Steinkohle, Alaun und Erzen.
Ganze Täler und Berge an Ruhr, Lenne, Volme und Hönne waren bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in Steinbrüchen verschwunden. Noch wenige Jahrzehnte zuvor wurden sie von Künstlern der Düsseldorfer Akademie wegen ihrer romantischen Ausstrahlung besucht.

Die Ursache für die umfangreiche Naturzerstörung zum Beispiel im devonischen Massenkalkzug in der Region ist das Dolomitgestein. Es wird vor allem für die Stahl- und Eisenproduktion in Hochöfen, im Straßen- und Hochbau sowie für die Kalk- und Zementproduktion genutzt.

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