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Museumsgeschichte, Teil 3


Sauerländisches Museum für Vor- und Frühgeschichte





Nach dem Ersten Weltkrieg und vor allem im "Dritten Reich" entstanden in vielen Städten und Gemeinden kleine "Heimatmuseen". Sie präsentierten auch geologische und archäologische Funde. Ein solches Museum wurde 1927 durch den örtlichen Heimatverein in Hohenlimburg gegründet. 1935 fand unter nationalsozialistischer Regie die feierliche Eröffnung statt.




In Hagen wurde das Museumswesen unter kommunaler und parteilicher Aufsicht geordnet. 1934 erfolgte die Übernahme der örtlichen "Heimatmuseums" durch die Stadt Hagen. Als letztes einer Reihe von Museumsgründungen in der Stadt eröffnete 1938 das "Sauerländische Museum für Vor- und Frühgeschichte". Es wurde aus politischen Grünen als regionales Fachmuseum für den NS-Gau Westfalen-Süd angesehen.

Im "Dritten Reich" war das Fach Ur- und Frühgeschichte eine noch junge akademische Disziplin. Sie stand unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Ideologie. "Germanentum" und "Rassekunde" waren einige der Themen, die auch im Hagener "Vorgeschichtsmuseum" dargestellt wurden.



Erster Museumsdirektor




Im November 1934 wurde Dr. Gerhard Brüns als Leiter des Städtischen Heimatmuseums eingestellt. Der in Detmold geborene, erste hautpamtlich in Hagen tätige Museumsdirektor hatte bei Karl Hermann Jacob-Friesen in Göttingen das Fach Vor- und Frühgeschichte studiert. Seit Wintersemester 1931/32 war er Assistent von Jacob-Friesen am Seminar für Vor- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. Im August 1932 trat Brüns in die NSDAP ein und war an der Universität der Vertreter des NS-Studentenbunds sowie Ortgruppenredner und SA-Mitglied.

Im Frühjahr 1932 nahm Brüns unter Leitung von Albert Stieren an den Ausgrabungen bei den Externsteinen bei Bad Horn teil. Anschließend promovierte er in Göttingen. Brüns Lehrer Jacob-Friesen stand der "Germanentümmelei" kritisch gegenüber. Dennoch favorisierte der "Germanenforscher" Wilhelm Teudt Ende 1934 Gerhard Brüns als Leiter der neu einzurichtenden "Pflegestätte für Germanenforschung" in Detmold.

Brüns Position festigte sich in Hagen nicht zuletzt wegen der Protektion durch den Oberbürgermeister und Stellvertretenden Gauleiter Heinrich Vetter. 1938 unterstand ihm als Museumsdirektor das gesamte Hagener Museumswesen und die "Volksbildung" in der Stadt. Der 1939 gegründeten "Hagener Museumsverein" unter Brüns und Vetters Leitung umfasste auch die Arbeitsgemeinschaft "Freunde der germanischen Vor- und Frühgeschichte" und die "Geologische Arbeitsgemeinschaft".


Nationalsozialistische Museumspolitik




Seit 1935 amtierte Brüns als Staatlicher Vertrauensmann für Bodenaltertümer im Gebiet der Stadt Hagen. Er führte er Ausgrabungen in der Wallburg Ambrock im Volmetal sowie an einigen Grabhügeln durch. Im Mai 1942 wurde er zum Kulturbeauftragten des Gauleiters Westfalen-Süd ernannt.

Die Hagener Museumspläne standen im Zusammenhang mit innen- und kulturpolitischen Bestrebungen der Gauleitung in Westfalen-Süd. Sie waren Teil einer Politik, die seit 1940 verstärkt auf eine Loslösung des Gaugebiets Westfalen-Süd aus der Verwaltungsprovinz Westfalen in Münster zielte. Aus diesem Grund betrieb Westfalen-Süd eine von Münster autonome Kulturpflege.

Die Bestände des "Vorgeschichtsmuseums" in Hagen wurden auf Initiative Brüns unter anderem durch die systematische "Erwerbung" von Einzelstücken und Kollektionen aus jüdischen Sammlungen erweitert.

Zum Beispiel gelangten 1939-1941 Teile der Sammlung von Siegfried Junkermann aus Bielefeld in das Hagener Museum. Junkermann hatte Anfang der 1920er Jahre die ersten mittelsteinzeitlichen Fundplätze in Ostwestfalen entdeckt und darüber publiziert. Seine Sammlung umfaßte hingegen auch zahlreiche Objekte aus anderen Epochen.

Brüns Tätigkeit in Hagen fand im Februar 1943 durch die Einberufung zum Wehrdienst ein Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Karriere als Wissenschaftler und im Museumsbereich nicht mehr fort. Brüns war als Geschäftsführer des Familienbetriebs in Wesel tätig.

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