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Museumsgeschichte, Teil 4



Zerstörung durch Bomben


Das in der Villa Altenloh in der Hagener Innenstadt untergebrachte Museum besaß beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 eine der größten Sammlungen zur Geologie und Archäologie in Westfalen. Als ausgebildeter Vor- und Frühgeschichtler verfügte der Museumsdirektor Dr. Gerhard Brüns über enge Kontakte zur Forschung und zum akademischen Lehrbetrieb.

Der Museumsbetrieb mußte immer mehr eingeschränkt werden. 1940 wurde in den Kellerräumen die Warnzentrale für den Luftschutzort Hagen eingerichtet. 1943 erfolgte die Erweiterung des überregional zuständigen Warnkommandos Hagen.

Das gesamte Erdgeschoss der Gebäudes war seit 1943 vom "Wako" belegt. Die Bestände des im Sommer 1943 geschlossenen "Vorgeschichtsmuseums" wurden magaziniert und in den Kellerräumen untergebracht. Nur bei einem Teil der Sammlung erfolgte die Verlegung in das "bombensichere" Sauerland.




Alliierte Bombenangriffe auf Hagen zerstörten zwischen Oktober 1943 und März 1945 das Museumsgebäude. Der Großteil des umfangreichen Sammlungsbestands fiel den Bomben zum Opfer. Darunter befanden sich nicht nur der Großteil der Sammlung. Auch die umfangreiche Bildsammlung und die Tausende von Bände umfassende Fachbibliothek wurden zerstört.

Die in das Sauerland verlagerten Bestände kehrten bis 1948 nur zum Teil nach Hagen zurück. Im Sommer 1945 war das erste "Vorgeschichtsmuseum" in Hagen vollständig zerstört. Damit waren die groß angelegten Planungen der Nationalsozialisten endgültig gescheitert.



Nachkriegszeit





Vitrine zur Bronzezeit im "Museum Hohenlimburg", 1975-2002

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in Hagen zu keiner Neugründung eines eigenen Archäologiemuseums. Im "Hagener Heimatbund" sorgte ein Arbeitskreis für Ur- und Frühgeschichte unter dem pensionierten städtischen Vermessungsbeamten Johann Janßen und des Lehrers Karl Schaub für die Sammlung von Neufunden in der Stadt. Bis heute gelangen immer wieder Neufunde sowie auch verschollen geglaubte Altbestände aus dem zerstörten "Sauerländischen Museum für Vor- und Frühgeschichte" in die Sammlung des Museums für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdring.

Von 1949 und 2002 befand sich im "Museum Hohenlimburg" auf dem Schloss Hohenlimburg eine bedeutende Ausstellung zur Ur- und Frühgeschichte des nordwestlichen Sauerlandes. Die geologischen und paläontologischen Sammlungen, darunter seltene und wertvolle Funde aus dem Massenkalk, waren in einem schmalen Gang neben dem Bergfried untergebracht. Zwischen 1975 und 1985 wurden die Sammlungen unter dem nebenamtlich in Hohenlimburg tätigen Gymnasiallehrer und Archäologen Dr. Wilhelm Bleicher durch Neufunde, Leihgaben, Ankäufe und Schenkungen wesentlich erweitert.

Unter Wilhelm Bleicher entstand auf dem Schloss Hohenlimburg eine der wichtigsten archäologischen Sammlungen in Westfalen. Zahlreiche Publikationen und Forschungen machten die umfangreiche Bestände auch überregional bekannt. Die in drei kleinen Räumen untergebrachte Ausstellung wurde von der Stadtverwaltung Hagen 1981 offiziell als neues "Hagener Vorgeschichtsmuseum" anerkannt.

Die reichhaltigen Bestände bildeten nach der Schließung des städtischen "Museums Hohenlimburg" auf Schloss Hohenlimburg (November 2002) den Grundstock für das heutige Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen. Aber auch für die seit 2004 wieder intensivierten archäologischen Forschungen in der Region besitzen diese Sammlungsbestände einen unschätzbaren wissenschaftlichen Wert.


Die Sammlung Albert Schäfer




Im Museum Hohenlimburg hatten die geologischen und archäologischen Sammlungsbestände den Krieg ohne größere Verluste überstanden. Die reichhaltige Sammlung verfügte über bedeutende Fundstücke. Seit Ende der 1920er Jahre suchte der Lehrer Albert Schäfer in der Umgebung von Hohenlimburg, in Hagen- Holthausen und auf Hochfläche von Hagen-Emst gezielt nach steinzeitlichen Funden.

Albert Schäfer, der auch Mitbegründer der Volkssternwarte Hagen war, entdeckte zu Beginn der 1930er Jahre im Raum Hagen eine Reihe von wichtigen Fundstellen. Seine Funde und Beobachtungen sind über 70 Jahre später im Zusammenhang mit der in Schäfers früheren Fundgebiet liegenden "Blätterhöhle" von großer Bedeutung für die moderne archäologische Forschung.

Nach der Eingemeindung der Stadt Hohenlimburg 1975 in die Großstadt Hagen wurden Teile der geologischen und archäologischen Bestände in Hohenlimburg verwahrt. Andere alte Museumsbestände lagerten bis 2000, zum Teil bis dahin unentdeckt, in Schulen und Verwaltungsgebäuden in Hagen.


Bestandsforschung





Von 1945 bis 1948 durchsuchten "Heimatfreunde" den Brandschutt des zerstörten Museumsgebäudes in der Hagener Innenstadt. Sie entdeckten zahlreiche Fundobjekte aus der größtenteils verbrannten Museumssammlung. Der gesamte Trümmerschutt des Museums wurde schließlich von der Stadt Hagen an den Lüdenscheider Privatsammler Walter Sönnecken verkauft. Sönnecken siebte den Schutt und veräußerte die gefundenen Objekte an verschiedene Museen und Privatpersonen.

Eine Anzahl von durch Feuer geschwärzte Fundstücke erinnert im heutigen Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen an das erste Archäologische Museum in Hagen. Der größte Teil des früheren Sammlungsbesitzes gelangte jedoch durch Verkauf in andere Museen oder in Privatbesitz.

Durch eine systematische Bestandsforschung gelang es dem Historischen Centrum Hagen, die Herkunft, den Fundort und vereinzelt auch die Fundumstände von einigen Objekten aus dem früheren Bestand des "Hagener Vorgeschichtsmuseums" zu ermitteln. Hinweise geben alte Kartei- und Sammlungsdokumente, Fotografien aus dem früheren "Vorgeschichtsmuseum", Altakten mit Schriftverkehr und andere Archivalien, die zum Teil im Stadtarchiv Hagen überliefert blieben.

Unter den wieder identifizierten Bodenfunden aus der Region befinden sich ein Hortfund von zwei jüngerbronzezeitlichen Lappenbeilen aus Herscheid bei Plettenberg sowie ein altbronzezeitliches Kupferflachbeil aus Grundschöttel im Ennepe-Ruhr-Kreis. Diese Funde wurden in den 1930er Jahren entdeckt und gelangten in das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Hagen.

Mehrere Steinbeile und eine Geröllkeule stammen von Fundorten auf dem Stadtgebiet Hagen. Der Fundort von anderen Objekten, wie zum Beispiel einer bronzenen Henkeltasse des Typs Fuchsstadt, bleibt hingegen bisher unbekannt.


Das Museum für Ur- und Frühgeschichte





Beilklinge aus dem jungsteinzeitlichen Bergwerk Lousberg bei Aachen, ca. 4.800 Jahre alt, Hagen-Haspe

Mit der Konzeption und Einrichtung des Museums für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen trug die Stadt Hagen der Wichtigkeit der Fundlandschaft Rechnung.

Erstmalig in der Nachkriegszeit war es nun möglich, die Sammlung ihrer hohen Bedeutung angemessen und nach modernen musealen und wissenschaftlichen Standards zu präsentieren. Am 7. November 2004 erfolgte die Eröffnung des Museums für Ur- und Frühgeschichte. Knapp ein Jahr später hatte das Museum bereits weit über 35.000 Besucher zu verzeichnen.


© Ralf Blank. Alle Rechte vorbehalten

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