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Wasserschloss Werdringen, Teil 4


Verschiedene Besitzer





Ansicht von Haus Werdringen, Fotografie: W. Lehmacher, 1931

Bis in zum Ende des 17. Jahrhundert war Werdringen unter verschiedenen niederadeligen Familien aufgeteilt. Um 1400 gelangte ein groer Teil Werdringens von der Familie Dobbe an die Familie Ddinck zu Altenhagen. Sie vererbten ihren Teil anschlieend ber die Familie von der Capellen (Capell) an die Familie von Elverfeld (Elberfeld).

Die andere Hlfte des Adelssitzes gelangte 1483 durch Heirat von der Familie Dobbe an die Familie Grter (Greuther). Durch Erbfolge erhielt die Familie Berchem (Berchum) zu Beginn des 17. Jahrhunderts diese Anteile an Werdringen.

Ein langjhriger Prozess um die Lehnshoheit ber Werdringen fhrte 1617 zur Belehnung der Freiherren von der Recke. In der Nachfolge der Herren von Volmestein sahen sich die Herren von der Recke als die legitimen Erben.

Die Familie Recke stammte ebenfalls aus dem Hellweg-Raum zwischen Dortmund, Kamen, Unna und Hamm. Dort ist das Adelsgeschlecht seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt. Der 1271 geborene Dietrich von der Reck, Burgmann und Herr zu Kamen, heiratete die Tochter Wilkinus Dobbe zu Heeren. Er gilt allgemein als der "Stammherr" dieser Familie.

1378 starb der auf der Burg Heeren bei Kamen wohnhafte Zweig der Herren von Dobbe in mnnlicher Erblinie aus. Den groen Grundbesitz erbten die Herren von der Recke. Anfang des 15. Jahrhunderts gelangte Goddart von der Reck (*1370, +1429) auch in den Besitz der Herren von Volmestein. Dietrich IV. von Volmestein war 1397 gestorben. Sein einziger Sohn Johann hinterlie bei seinem Tod keine Erben, so dass seine Schwester Agnes, die mit Goddart von der Recke verheiratet war, den Besitz erbte.

Unter den zu Beginn des 15. Jahrhunderts erworbenen Ansprche der Herren von der Recke auf den Besitz der Herren von Volmestein befand sich die Wasserburg Heessen bei Hamm. Hier setzte Dietrich von der Recke die Familienlinie Recke-Volmestein fort. Mit seinem Erbanspruch auf die Volmesteinsche Lehnskammer hatten die Herren von der Recke auch den Adelssitz Werdringen erhalten.


Im Besitz der Freiherren von der Recke




Nach der prozessualen Entscheidung im Jahr 1617 befand sich Werdringen im Besitz der Freiherren von der Recke. Nach der Weitergabe als Afterlehen gelangte ein Teil des Adelssitzes zurck an die Freiherren von Grter. Sie nutzen bis 1692 ihren Anteil des Adelssitzes.

Der andere Teil wurde von den Herren von Berchem bewirtschaftet. Sie befanden sich auch weiterhin im Streit mit den Herren von der Recke um den Besitz von Werdringen. Weitere Prozesse und Streitigkeiten konnten die Situation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht abschlieend klren.

1692 vereinigten die Herren von Berchem durch die Heirat mit einer erbberechtigten Tochter der Familie Grter das Haus Werdringen zu einem Gesamtbesitz. Der letzte mnnliche Vertreter der Familie von Berchem, Johann Goswin, starb 1789 auf Werdringen. Das Lehnsgut wurde den Freiherren von der Recke nach landesherrschaftlicher Besttigung (Preuen) 1798 als Mannlehen zugesprochen. Nach dem Tod des Freiherrn Wilhelm Christian von der Recke (*1707, +1764) wurde der Familienbesitz von den Shnen gemeinschaftlich verwaltet.

1799 erfolgte eine genaue Beschreibung und Erfassung der damals noch vorhandenen Bausubstanz aus dem Mittelalter und der Frhen Neuzeit. Die Bilanz war ernchternd - Haus Werdringen wies schwere Schden auf und glich in Teilen einer Ruine. Die Freiherren von der Recke-Volmestein begannen mit dem Wiederaufbau und umfangreichen Reparaturarbeiten. Zu Beginn der franzsischen Herrschaft 1807 verloren die Freiherren von der Recke-Volmestein ihre Gter. 1810 verzichteten sie gegen eine Entschdigung auf alle Ansprche auf die Volmarsteinsche Lehnskammer.


Erhebung in den Grafenstand





Graf Adelbert von der Recke-Volmerstein

1817 wurden die Linie Volmestein der Freiherren von der Recke in den erblichen Grafenstand erhoben. Die Grafen von der Recke-Volmerstein erhielten den grten Teil ihrer 1807/10 verlorenen Gter und Ansprche aus der Volmarsteinschen Lehnskammer zurck. 1820 erwarb Graf Philipp Heinrich von der Recke-Volmerstein (*1751, +1836) von seinen Neffen die Anteile seiner beiden bereits verstorbenen Brder Eberhard, 1784-1807 preuischer Justizminister, und Friedrich Leopold an Werdringen. 1822 lie Graf Philipp Heinrich erste Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten an der Burgruine Volmarstein vormehmen. Die nach einem Grobrand 1754 vllig zerstrte Burganlage wurde als "Stammburg" der Familie gedeutet und bis 1854 wiederholt restauriert.

Zwei Shne des Grafen Philipp Heinrich heirateten Tchter des 1817 in den erblichen Frstenstand erhobenen Grafen Emil Friedrich zu Bentheim-Tecklenburg. Graf Ottomar (*1793, +1859) ging 1816 die Ehe mit der Prinzessin Therese zu Benthein-Tecklenburg ein. Sie starb 1861 in Werdringen. Sein Bruder Karl Gotthard (*1785, +1857), der das Haus Overdyk bei Bochum bewohnte, war seit 1817 mit der Prinzessin Caroline verheiratet. Als Jurist vertrat Graf Gotthard 1823-1827 die Ansprche des Frstenhauses Bentheim-Tecklenburg auf Entschdigung gegenber Preuen. Als spterer preuischer Landrat des Kreises Bochum sorgte er unter anderem fr die Einfhrung der revidierten Stdteordnung von 1831.

1833 teilte Graf Philipp Heinrich von der Recke-Volmerstein den umfangreichen Familienbesitz unter seinen Shnen auf. Der sozial stark engagierte Graf Adelbert (*1791, +1878) erhielt unter anderem Werdringen mit dem Sporbecker Zehnten und dessen Pertinenzen Mallinckrodt mit 12 Bauerngtern. 1847 verkaufte er seinem Bruder Ottomar den Adelssitz Werdringen, um seinen Wohnsitz nach Kraschnitz in Schlesien zu verlegen. Graf Ottomar besa neben Werdringen auch die Adelssitze Mallinckrodt bei Herdecke, Berge und Mnsterhausen.


Umbau im neugotischen Stil




Anlsslich seiner Heirat erhielt der lteste Sohn des Grafen Ottomar, Graf Friedrich Wilhelm von der Recke-Volmerstein (*1817, +1891), von seinem Vater 1850 das Haus Werdringen als Wohnsitz und sechs Jahre spter als Schenkung berlassen. Der heutige Zustand der Anlage wird von den um 1855 abgeschlossenen Umbau- und Renovierungsarbeiten in ein reprsentatives Wasserschloss im neugotischen Stil geprgt. Teile der sptmittelalterlichen und frhneuzeitlichen Bausubstanz blieben jedoch erhalten.

Graf Friedrich Wilhelm war seit 1850 mit der Freiherrin Luise von Plessen verheiratet. Ihre gemeinsamen Kinder Otto (*1851), Dietrich (*1857) und Agnes (*1860) wurden in Werdringen geboren. Am Kaisberg lie Graf Friedrich Wilhelm das heute noch erhaltene Mausoleum als Erbgrabsttte fr seinen Familienzweig erbauen. Im Umfeld des Wasserschlosses wurde ein wild-romantischer Gartenpark angelegt.

Nach dem Tod von Graf Friedrich Wilhelm fiel Werdringen an seinen Sohn Otto (*1851, +1921). Graf Otto verlegte den Hauptwohnsitz seiner Familie bereits 1895 nach Parchau bei Kotzenau in Schlesien. Hier besaen die Grafen von der Recke-Volmestein umfangreichen Land- und Gterbesitz. Werdringen wurde als Pachtgut verwaltet und diente zuletzt als landwirtschaftlicher Betrieb.

1925 verkaufte die grfliche Familie das damals vorwiegend landwirtschaftlich genutze Werdringen an einen Bauunternehmer. 1937 bernahm die Deutsche Arbeitsfront das Schloss. Die Nationalsozialisten planten am Harkortsee und im Bereich des Kaisberges eine Grosiedlung mit der Schlossanlage als Mittelpunkt. Doch bereits 1939 firmierte das Wasserschloss Werdringen auch als geplante Auenstelle der Stdtischen Museen in Hagen.

1977 kaufte die Stadt Hagen das Wasserschloss Werdringen. Zu dieser Zeit war die frhere Wasserburg vom akuten Verfall bedroht. Ein 1985 gegrndeter "Schlossverein" nahm sich mit mageblicher finanzieller Untersttzung durch Stadt und Land der Anlage an.

Seit 1990 kam es durch die Stadt Hagen und mit Untersttzung des Landes NRW zu umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten. Mit der Erffnung des Museums fr Ur- und Frhgeschichte wurden diese Manahmen im Herbst 2004 abgeschlossen.

Fortsetzung




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