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Wasserschloss Werdringen, Teil 5


Archäologische und bauliche Befunde




Obgleich vielfältige bauliche Veränderungen seit dem 19. Jahrhundert das Aussehen der Anlage verändert haben, ist die Funktion als befestigter Adelssitz erkennbar geblieben. Eindeutige bauhistorische und archäologische Befunde aus dem Hochmittelalter, wenn sie vorhanden waren, wurden bei den Sanierungsarbeiten in den 1980/90er Jahren nicht wahrgenommen, untersucht und dokumentiert.

Zukünftig könnten bauhistorische und archäologische Untersuchungen klären, ob es sich bei Werdringen im Mittelalter um eine Art Turmburg oder um ein befestigtes Turmhaus mit einem umgebenen Graben gehandelt hat. Beide Varianten würde der Definition des urkundlich für das 13. Jahrhundert überlieferten castrum lapideum entsprechen.


Geschichtslandschaft





Burg Wetter, Carl Schlickum, 1841

Die nähere Umgebung der kleinen Wasserburg ist reich an Boden- und Baudenkmälern. In den Wäldern des Kaisbergs befinden sich prähistorische Grabhügel. Auf dem Kaisberg sind die Spuren frühen Steinkohlebergbaues erkennbar.

In Sichtweite von Werdringen befinden sich die Ruinen der um 1100 erbauten Burg Volmestein. Vis à vis liegt die mittelalterliche Freiheit Wetter mit der 1272 erstmalig erwähnten Burg. Hier eröffnete Friedrich Harkort 1826 seine "Mechanische Werkstätte".

Gegenüber des Kaisbergs liegt die historische Altstadt von Herdecke mit einem bereits im 9./10. Jahrhundert belegten Frauenstift. Ein bemerkenswertes technisches Denkmal ist der 1879 eingeweihte, rund 800 m lange Bahnviadukt über die Ruhr.



Zwei Gedenktürme und eine Gaubefehlsstelle




Der 1869 eingeweihte Freiherr vom Stein-Turm auf dem Kaisberg stellt eines der frühesten Baudenkmäler seiner Art dar. Der Harkortberg bei Wetter trägt nicht nur einen Gedenkturm für Friedrich Harkort.

Auf dem Harkortberg befinden sich auch die gut erhaltenen Reste der von 1943 bis 1945 betriebenen Gaubefehlsstelle des Reichsverteidigungskommissars und Gauleiters in Westfalen-Süd. Sie war die wichtigste Kommandozentrale für den nationalsozialistischen Terror an der "Heimatfront" in den entscheidenden letzten Kriegsjahren.

Der 1931 fertiggestellte Harkortsee lädt zu ausgedehnten Wanderungen ein: ein Besuch des früheren Mausoleums der Grafen von der Recke-Volmestein darf dabei nicht fehlen. Werdringen ist der ideale Ausgangspunkt für Exkursionen zu zahlreichen historischen Orten und Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung, die sogar zu Fuß oder mit dem Fahrrad bequem erreicht werden können.

Das von uralten Bäumen umgebene Wasserschloss befindet sich darüber hinaus in einem einzigartigen Naturschutzgebiet, in dem zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere einen Lebensraum gefunden haben. Allein die Beobachtung der unterschiedlichen Vögel, Fischarten, Insekten und Amphibien im naturbelassenen Wassergraben sowie in den umliegenden Teichen und Sumpfstellen ist ein besonderes Erlebnis.


Literatur




Kindlinger, Nikolaus: Geschichte der Familie und Herrschaft von Volmestein. Ein Beytrag zur Geschichte des Bauern- und Lehnwesens und der Staatsverfassung, Bd. 1-2, Osnabrück 1801.
Krumbholtz, Robert (Bearb.): Urkundenbuch der Familien von Volmerstein und von der Recke bis zum Jahre 1437, Münster 1917.
Ludorff, Albert (Bearb.): Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Hagen - Land und Hagen - Stadt, mit geschichtlichen Einleitungen von Darpe, hrsg. vom Provinzial-Verbande der Provinz Westfalen, Münster 1910, S. 57-58.
Recke-Volmerstein, Constantin von der: Geschichte der Herren von der Recke, Breslau 1878.
Recke-Volmerstein, Adelbert von der: Lehndienst und adelige Wirtschaftsführung im Spätmittelalter. Dargestellt am Leben Dietrichs von Volmerstein, Heidelberg 2003 [= Heidelberger Abhandlungen zur Mittleren und Neueren Geschichte, N.F. 14].
Thier, Dietrich: Werdringen, lebendige Geschichte im Ruhrbogen. Die Bauakte des Wasserschlosses Werdringen von 1799/1800 der Freiherren von der Recke, Hagen 1991.
Ders.: Stützpunkt märkischer Landeshoheit. Werdringen im Mittelalter und der frühen Neuzeit, in: Heimatbuch Hagen und Mark 31 (1990), S. 8-14.
Wolt, Falk: Der Freiherr vom Stein-Turm in einer "malerisch und romantischen" Gedächtnislandschaft, in: Michael Fehr / Falk Wolf (Hg.): Landschaftsbauhütte Ruhrtal. Ein künstlerisch-wissenschaftliches Gutachten zum Kaisberg in Hagen, Essen 2002, S. 175-228.
Ders.: Die Entdeckung des Randes, in: Michael Fehr / Falk Wolf (Hg.): Landschaftsbauhütte Ruhrtal. Ein künstlerisch-wissenschaftliches Gutachten zum Kaisberg in Hagen, Essen 2002, S. 229-263.



© Ralf Blank. Alle Rechte vorbehalten

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